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Start-up Fintech „Barzahlen“ – Wie sich bei Amazon mit Cash bezahlen lässt

Das Berliner Start-up kooperiert jetzt mit dem US-Handelsriesen, und ermöglicht Online-Einkäufe mit Bargeld. Damit setzt sich Amazon vor Apples Pay.
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Das Unternehmen arbeitet mit dem Berliner Start-up Barzahlen zusammen. Quelle: AP
Amazon Cash

Das Unternehmen arbeitet mit dem Berliner Start-up Barzahlen zusammen.

(Foto: AP)

Frankfurt Als im Frühjahr 2013 das Bezahlverfahren Barzahlen an den Markt ging, schien es undenkbar, dass einmal der Handelsriese Amazon mit dem Unternehmen aus Berlin zusammenarbeiten würde. Doch wie eine Sprecherin des Finanz-Start-ups dem Handelsblatt bestätigte, ist genau das jetzt geschehen. Weitere Informationen dürfe sie nicht nennen, auch Amazon wollte sich auf Anfrage nicht zu der Kooperation äußern.

Wer das Finanz-Start-up kennt, sieht jedoch schnell, dass es bei der Zusammenarbeit um das Angebot „Amazon vor Ort aufladen“ geht, das in den USA „Amazon Cash“ heißt. Das Prinzip: Kunden zahlen an der Ladenkasse Bargeld ein und können online damit einkaufen. Auf diese Weise erreicht Amazon eine Zielgruppe, die bei klassischen Online-Bezahlverfahren außen vor bleibt – und setzt noch vor Apple in Deutschland ein neues Ausrufezeichen.

Wenn es um neue Bezahlmethoden geht, steht derzeit vor allem der US-Konzern Apple im Fokus. Für Deutschland hat er den Start seines Bezahldienstes Apple Pay noch für dieses Jahr angekündigt. Manche iPhone-Fans warten ungeduldig, denn mit Apple Pay können sie an der Ladenkasse, in Apps und in Onlineshops bezahlen. Indes: Sie brauchen dafür eine Kreditkarte.

Das Gleiche gilt für Google Pay. Google arbeitet zwar mit dem Bezahldienst Paypal zusammen, aber auch dafür benötigen Kunden zumindest ein Bankkonto, das sich nicht in den Miesen befindet. Gleiches gilt beim beliebten Kauf auf Rechnung. Und für Dienste wie Sofortüberweisung, Giropay oder Paydirekt brauchen Nutzer zusätzlich einen Zugang zum Onlinebanking. Die Alternative ist Bargeld.

Dieses Problem hat Barzahlen-Co-Gründer Sebastian Seifert früh erkannt. „Schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der potenziellen Onlinekäufer sind vom Einkauf im Internet ausgeschlossen, weil sie keine Kreditkarte haben, kein Onlinebanking nutzen, weil ihr Konto gepfändet wird oder sie ihre Zahlungsdaten online nicht preisgeben möchten“, sagt der 28-Jährige. Das Logo seines Unternehmens taucht auf der Internetseite von Amazon nicht auf. Doch bei den Filialpartnern nennt Amazon auch Mobilcom-Debitel, einen der ersten Barzahlen-Partner.

Der Praxistest geht schnell: Auf der Amazon-Website erhalten Kunden einen wiederverwendbaren Barcode, den sie ausdrucken oder speichern müssen. An der Kasse von Mobilcom-Debitel lassen sie den Code scannen und entscheiden sich für einen Aufladebetrag zwischen fünf und 500 Euro. Technisch gesehen kaufen Kunden dabei einen Amazon-Geschenkgutschein und lösen ihn automatisch auf ihrem Konto ein.

Ernst Stahl, E-Commerce-Experte bei Ibi Research, einem Institut der Universität Regensburg, hält „Amazon vor Ort aufladen“ für eine „clevere Idee“, wenngleich der Slogan „Kaufen Sie auf Amazon.de ein, ohne Bankdaten oder Kreditkartendaten zu hinterlegen“ nicht die tatsächliche Zielgruppe benenne.

„Die meisten Nutzer werden sich wohl nicht aus Datensparsamkeit dafür entscheiden, sondern weil ihr Konto überzogen ist oder sie gar keines haben und auch nicht per Kreditkarte und Ähnlichem zahlen können“, so Stahl. So könne Amazon Kunden mit schlechter Bonität und ohne Konto trotzdem bedienen, ohne selbst das Risiko eines Zahlungsausfalls zu haben.

Ende Juli war „Amazon vor Ort aufladen“ bereits mit Partnern des Händlernetzes Valora gestartet, zu dem Kioske, Service-Stores der Deutschen Bahn und Bahnhofsbuchhandlungen gehören. Laut Valora ist es an 800 Verkaufsstellen verfügbar. Die 12.000 Partnerfilialen von Barzahlen dürften das Angebot noch deutlich attraktiver machen.

„Für Amazon wäre es eine fantastische Sache, die Zahl der attraktiven Akzeptanzstellen mithilfe von Barzahlen schnell zu steigern“, sagt Stahl. „Sehr fraglich ist nur, ob alle Barzahlen-Filialpartner mitmachen würden, schließlich ist Amazon für viele ein Konkurrent.“ Mit den rund 600 anderen Onlinehändlern, die Barzahlen direkt als Bezahlverfahren eingebunden haben, scheinen die Filialpartner wie dm, Rewe, Penny und Real allerdings auch kein Problem zu haben.

In den USA hat Amazon gerade schon den nächsten Vorstoß gemacht, um tatsächlich für jedermann verfügbar zu sein: Beim Verfahren Paycode arbeitet der Konzern mit Western Union zusammen, einem Anbieter für weltweiten Geldtransfer. Das Modell könnte Barzahlen Hoffnung machen, doch eines Tages namentlich auf der Amazon-Website zu erscheinen.

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