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Statistisches Bundesamt Ölpreisverfall drückt die Inflation - Coronakrise stellt Statistiker vor Probleme

Die Verbraucherpreise steigen in der Coronakrise langsamer. Für die Statistiker wird die Erhebung der Daten schwieriger.
30.03.2020 Update: 30.03.2020 - 15:59 Uhr 2 Kommentare
Corona: Inflationsrate sinkt in Deutschland auf 1,4 Prozent Quelle: dpa
Waren im Supermarkt

Die Entwicklung der Verbraucherpreise ist ein wichtiger Gradmesser für die Währungshüter.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wer derzeit nach Toilettenpapier, Nudeln oder Desinfektionsmitteln sucht, braucht viel Geduld. Die Regale in vielen Supermärkten sind wie leergefegt. So lag zum Beispiel der bundesweite Absatz an Desinfektionsmitteln in der ersten Märzwoche um etwa 750 Prozent höher als in den Wochen zuvor. Autofahrer dagegen zahlen an der Tankstelle deutlich weniger für den Liter Benzin.

Beide Phänomene hängen mit der Coronakrise zusammen. Diese hat den Ölpreis abstürzen lassen – gleichzeitig gibt es aber wegen erhöhter Nachfrage Engpässe bei einzelnen Gütern. Insgesamt überwiegt aktuell der dämpfende Effekt auf die Preisentwicklung, wie aus den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes für den März hervorgeht.

Laut einer ersten Schätzung stiegen die Preise demnach um 1,4 Prozent – nach einem Zuwachs von 1,7 Prozent im Februar. Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig für die gesamte Euro-Zone einen Wert von knapp unter zwei Prozent an, den sie als ideal für die Wirtschaft ansieht. Dieses Ziel aber verfehlt sie schon seit Jahren und es rückt nun zunächst in noch weitere Ferne.

Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen führt den Inflationsrückgang zum größten Teil auf den Absturz der Ölpreise zurück. Seit Jahresbeginn ist der Ölpreis für die Sorte WTI um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Das drückt die Energiepreise, dürfte aber auf mittlere Sicht auch andere Preise dämpfen, in die diese indirekt stärker einfließen, wie etwa Produkte aus energieintensiven Branchen oder Flugreisen. „Keine Auswirkungen auf die Verbraucherpreise scheint hingegen bisher die deutlich stärkere Nachfrage nach einigen Gütern des täglichen Bedarfs zu haben,“ kommentiert Solveen.

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    Zwar stieg die Teuerungsrate für Nahrungsmittel von 3,3 auf 3,7 Prozent. Dies sei aber nicht auf deutlich höhere Preise von Gütern zurückzuführen, die zuletzt krisenbedingt stärker nachgefragt wurden, argumentiert Solveen in einer Analyse. Hingegen fielen die Energiepreise um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dienstleistungen kosteten 1,4 Prozent mehr, wobei die Wohnungsmieten um 1,5 Prozent anzogen.

    Solveen erwartet zunächst weiter eine sehr niedrige Inflationsrate. „Kurzfristig ist klar, dass die Inflation weiter fallen wird, so lange der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau bleibt. Das kann auch in Richtung null Prozent gehen,“ sagt er.

    Einige Faktoren sprechen für höhere Inflation

    Mittel- und -langfristig sind die Auswirkungen aus seiner Sicht weniger klar. Zwar geht er von einer Rezession in Deutschland aus. Dies würde wohl auch die Arbeitslosigkeit erhöhen und den Lohndruck dämpfen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Faktoren, die auf längere Sicht für eine höhere Inflation sprechen, Beispielsweise die hohen Ausgaben der Regierungen und möglicherweise auch einen Trend weg von der Globalisierung.

    Ähnlich argumentiert der Chefökonom der ING in Deutschland, Carsten Brzeski. Er glaubt, dass es Produktgruppen gibt, wo die Preise steigen werden, etwa für Pflegeleistungen.

    Auch die EZB selbst hat sich bisher sehr vorsichtig zu den Effekten der Coronakrise auf die Inflation geäußert. Auf ihrer Pressekonferenz am 12. März sagte ihre Präsidentin Christine Lagarde: „Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Inflation sind mit hoher Unsicherheit behaftet.“ Auf der einen Seite gebe es wegen der Krise eine schwächere Nachfrage, was die Preisentwicklung dämpft. Dieser Effekt werde aber möglicherweise dadurch ausgeglichen, dass es wegen der Krise zu Versorgungsstörungen kommt – was tendenziell zu höheren Preisen führt. Kurzfristig geht die Notenbank wegen des schwächeren Ölpreis ebenfalls von einer sinkenden Inflation aus.

    Nicht nur die Schätzung der Inflationsentwicklung wird in Corona-Zeiten schwieriger, auch die Erhebung der Daten stellt die Statistikämter vor praktische Probleme. Zwar fließen seit einigen Jahren auch Online-Preiserhebungen in den Verbraucherpreisindex ein. So werden beispielsweise automatisch Internetdaten für bestimmte Produkte ausgelesen, genannt Web-Scrapings. Dennoch wird ein nicht unerheblicher Teil der Preise immer noch vor Ort von Preiserhebern ermittelt, die die Preise verschiedener Lebensmittel und Dienstleistungen notieren.

    Probleme bei fehlenden Preisen ausgleichen

    Für April rechnen die Statistiker daher mit Einschränkungen. Allerdings haben die Statistiker Methoden, um manche Probleme fehlender Preise auszugleichen: So könnten nicht mehr beobachtbare Preise mit der durchschnittlichen Preisentwicklung der übrigen Produkte einer Güterart fortgeschrieben werden.

    Für Pauschalreisen, die immerhin einen Anteil von 2,7 Prozent am Warenkorb in Deutschland ausmachen, halten sich die Auswirkungen für die Inflationsmessung erst einmal in Grenzen – trotz der Tatsache, dass für diesen Monat durch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts und der zahlreichen Grenzschließungen eigentlich keine Reisen mehr möglich sind.

    Der Grund liegt im Buchungsverhalten vieler Urlauber: Sie buchen ihre Reisen meist deutlich im Voraus. Je Reise fließen alle Preise der Buchungstermine 180, 90, 60 und 30 Tage vor Abreise ein. So konnten im März 2020 alle vorgesehenen Preise in die Indexberechnung einfließen. Dies gilt nach Aussage des Statistischen Bundesamtes auch für die Preise im April. Nach einem ähnlichen Verfahren werden die Preise für Flug-, Bahn- und Fernbusreisen erhoben, was die Erhebungsprobleme etwas mindern sollte.

    Mehr: Kommt mit den riesigen Rettungspaketen der Notenbanken die Inflation?

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    2 Kommentare zu "Statistisches Bundesamt: Ölpreisverfall drückt die Inflation - Coronakrise stellt Statistiker vor Probleme"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wer täglich einkauft sieht, dass die Preise um mindestens 10% gestiegen sind. Egal wie die Inflation berechnet wird, für die EZB wird sie immer weit unter 2% sein, da eine Erhöhung der Zinsen für Jahrzehnten insbesondere nach der Geldmengenvermehrung durch Corona ausgeschlossen sein wird. What ever it takes!

    • Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast !
      Wenn ich mir den Einkaufszettel sowie die Werbeflyer aus der letzten Woche ansehe,
      sind die Preise für Lebensmittel im Schnitt zw. 5-10% höher !
      Dass der Warenkorb vom Statistischen Bundesamt für Otto Normalbürger nicht repräsentativ ist, sollte allen klar sein. Rechne ich dann noch mit der erhöhten Nachfrage, der fehlenden Tafel - Komponente sowie dem geringeren LKW-Verkehr sieht die Inflationsreise schon anders aus.

      Auch bei den Coronainfizierten in Deutschland wird nachweislich geschummelt.
      Warum zum Teufel kriegen Menschen mit der Symptomatik keine Tests?
      So gesehen und geschehen im Landkreis Oder-Spree, Gruß nach Beeskow.

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