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Wall Street in New York

Die US-Notenbank beobachtet das Geschehen an der Börse sehr genau, fanden zwei Forscherinnen heraus.

(Foto: dpa)

Studie „Fed-Put“ – Wie die Notenbank den US-Aktienmarkt nach unten absichert

Den Verdacht, dass die US-Notenbank indirekt immer wieder die Märkte auffängt, gibt es schon lange. Eine Studie bestätigt jetzt diese Vermutung.
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FrankfurtFür Börsianer ist der „Greenspan-Put“ nicht Neues: Benannt wurde er nach Alan Greenspan, einem ehemaligen Chef der US-Notenbank (Fed). Heute spricht man einfacher auch vom „Fed-Put“. Der Begriff beschreibt den Verdacht, dass die Fed immer wieder gezielt auf schwache Phasen am Aktienmarkt reagiert und damit die Kurse stützt. Die Bezeichnung „Put“ hat sich deshalb eingebürgert, weil Puts Termingeschäfte sind, mit denen Investoren die Kurse ihrer Papiere nach unten absichern können.

Viel mehr als eine Vermutung war dies alles bislang nicht. Doch eine Studie der Ökonominnen Anna Cieslak und Annette Vissing-Jorgensen kommt jetzt zu dem Ergebnis: Es ist was dran.

Die beiden haben die Beschlüsse der Fed analysiert und dabei auch minutiös und im genauen Wortlaut die Protokolle der geldpolitischen Sitzungen ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass darin etwa ab Mitte der 1990er Jahre sehr häufig die Rede von Aktienkursen ist, was zuvor kaum eine Rolle gespielt hatte. Rechnet man von 1994 bis 2016 alle Äußerungen zusammen, die sich in irgendeiner Form auf Aktien beziehen, kommt man auf die stolze Summe von 983 Erwähnungen.

Die Forscherinnen haben außerdem mit einem Algorithmus die Entwicklung der Börsenkurse und die Entscheidungen der Fed in Zusammenhang gesetzt. Das Ergebnis präsentierte Vissing-Jorgensen, Professorin in Berkeley, auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen positiven Kursentwicklungen und Zinsänderungen. Aber aus negativen Entwicklungen lassen sich anschließende Aktionen der Fed vorhersagen.“

Mit anderen Worten: Wenn die Börse schwächelt, reagieren die Geldpolitiker. Wenn sie boomt, reagieren sie nicht. Damit leisten sie ungefähr das, was ein Put tut: Sie sichern die Aktienkurse nach unten ab.

Vissing-Jorgensen unterstellt der Fed dabei keine obskuren Absichten oder irrationales Verhalten. Sie und ihre Kollegin haben auch untersucht, wie häufig andere geldpolitisch wichtigen Informationen erwähnt werden, etwa das Verbrauchervertrauen und die Finanzierungsbedingungen für Firmen.

Sie leiten daraus ab, dass die Fed die Aktienkurse aus zwei Gründen für sehr wichtig hält. Einmal rechnet sie mit dem „Vermögenseffekt“. Der besagt, dass sich Anleger je nach Kursentwicklung mehr oder weniger reich fühlen und entsprechend auch mehr oder weniger Geld ausgeben.

Der zweite Effekt, den sie häufig erwähnen, ist die Rückwirkung auf die Finanzierungsbedingungen. Diese spielen in den USA, wo viele Firmen an der Börse sind, eine relativ große Rolle. Sind die Kurse hoch, können sich Firmen billig Geld über die Börse besorgen. Knicken sie ein, wird es dagegen teurer.

Fazit also: Die Fed handelt rational und im Rahmen ihres Mandats, aber zugleich ist der „Fed-Put“ kein Mythos, sondern wissenschaftlich bestätigt.

Der Vortrag blieb allerdings nicht unwidersprochen. In der Diskussion brachte Emanuel Mönch, Forschungsleiter der Deutschen Bundesbank, einige methodische Bedenken vor. Unter anderem wies er darauf hin, dass es in dem untersuchten Zeitraum nur zwei Perioden mit deutlich sinkenden Kursen gab, nämlich nach dem Platzen der Tech-Blase zur Jahrtausendwende und infolge der großen Finanzkrise 2008.

Er widersprach der These der beiden Forscherinnen zwar nicht direkt, aber er machte deutlich, dass er die Entwicklung der Börse nur als eine von vielen Informationen ansieht, die die Politik der Fed bestimmen.

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