Target-2-Saldo Die Billionen-Forderung der Bundesbank – und was sie bedeutet

Der Target-2-Saldo, die Forderungen in der Bundesbankbilanz an die EZB, ist auf fast eine Billion Euro gewachsen. Das löst Sorgen und Verwirrung aus.
11 Kommentare
Was die fast billionenschwere Forderung der Bundesbank bedeutet Quelle: dpa
Bundesbank

Ein verbogenes Schild weist auf die Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank hin. In der Bilanz ist die Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB um weitere 20 Milliarden Euro gestiegen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer ominöse Target-2-Saldo der Bundesbank ist im Juni um weitere 20 Milliarden auf 976 Milliarden Euro gestiegen. Eine stolze Summe – und eine Menge Verwirrung um das Thema. Die wichtigsten Antworten dazu.

Was sind Target-2-Salden?

Auf diesen Salden werden Forderungen und Verbindlichkeiten nationaler Notenbanken im Euro-System wie der Bundesbank, der Banque de France und der Banca d'Italia gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) festgehalten. Überwiegen per Saldo die Forderungen wie bei der Bundesbank, dann ist der jeweilige Target-2-Saldo positiv. Überwiegen die Verbindlichkeiten wie zurzeit bei der Banca d'Italia, dann ist der Target-2-Saldo negativ.

Warum gibt es sie?

Weil das System der Zentralbanken in der Euro-Zone zweistufig aufgebaut ist – aus den nationalen Notenbanken als Basis und darüber der EZB. Gäbe es nur eine einzige Monster-EZB, die alles in allen Ländern erledigt, und keine nationalen Notenbanken wie die Bundesbank, dann gäbe es auch keine Target-2-Salden.

Wie genau entsteht ein Target-2-Saldo?

Durch Zahlungen von einem Euro-Land in ein anderes. Wenn zum Beispiel eine Summe von Italien nach Deutschland überwiesen wird, und es gäbe nur eine Monster-EZB und keine nationalen Notenbanken, wäre der Vorgang recht simpel. Die italienische Geschäftsbank belastet die Summe ihrem Kunden. Die Monster-EZB belastet die Summe der italienischen Geschäftsbank und schreibt sie der Geschäftsbank des deutschen Kunden gut, die sie dem Kunden gutschreibt.

Weil es aber keine Monster-EZB gibt, sondern das zweistufige System aus EZB und nationalen Notenbanken, deswegen ist es etwas komplizierter.

Die italienische Geschäftsbank belastet die Summe dem Konto ihres Kunden. Die Banca d'Italia belastet die Summe der italienischen Geschäftsbank. Die EZB belastet die Summe der Banca d'Italia auf deren Target-2-Saldo und schreibt sie der Bundesbank auf deren Target-2-Konto gut. Die Bundesbank schreibt die Summe der deutschen Bank gut, und die wiederum dem deutschen Zahlungsempfänger.

So ist, wenn vorher beide Target-2-Salden bei null lagen, bei der Banca d'Italia ein negativer und bei der Bundesbank ein positiver Target-2-Saldo entstanden.

Wodurch entstehen hohe Ungleichgewichte mit großen negativen Salden in Ländern wie Italien und positiven Salden in Ländern wie Deutschland?

Das passiert, wenn viel Geld in eine Richtung fließt, wenn also zum Beispiel hohe Überweisungen von Italien nach Deutschland getätigt werden.

Wieso kommt es zu solch hohen Geldflüssen in eine Richtung?

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ist viel Geld nach Deutschland geflossen, weil die Bürger in einigen Ländern, etwa Griechenland, befürchtet haben, ihr Bankensystem könnte zusammenbrechen oder ihr Land könnte aus der Euro-Zone ausscheiden. Seit 2012 hat sich das beruhigt. Trotz der jüngsten politischen Probleme in Italien sind bisher keine Anzeichen zu finden, dass sich diese Kapitalflucht wiederholt.

Dafür gibt es seit 2015 einen anderen Grund, wie die EZB und die Bundesbank erklären. Die nationalen Notenbanken kaufen als Umsetzung der Geldpolitik der EZB für hohe Milliardenbeträge Anleihen auf. Verkäufer sind überwiegend internationale Banken, die ihre Konten zum großen Teil in Frankfurt führen. Deswegen fließt zum Beispiel der Gegenwert für die Käufe der Banca d'Italia zu einem erheblichen Teil nach Deutschland. Mit jedem Euro, der in Anleihekäufe fließt, wachsen die Targetsalden im Schnitt um 30 Cent, davon entfallen 20 Cent auf die Bundesbank.

Woher stammt letztlich das Geld in dem Target-2-Saldo der Bundesbank?

Wenn es sich um normale Überweisungen handelt, stammt das Geld einfach von Bürgern oder anderen Adressen aus einem anderen Euro-Land. Wenn das Geld aus geldpolitischen Anleihekäufen in einem anderen Land stammt, hat die dortige Notenbank es durch diese Käufe erst geschaffen, es ist danach aber zur Bundesbank gewandert. Ein guter Teil des Target-2-Saldos ist also durch die Geldpolitik der EZB entstanden, mit Geld, das durch diese Geldpolitik erst geschaffen wurde.

Gibt es eine Obergrenze für Target-2-Salden?

Nein. Würde man eine Obergrenze einführen, dann wären womöglich ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Überweisungen mehr möglich.

Was ist der Target-2-Saldo rechtlich?

Ein positiver Saldo ist eine Forderung gegenüber der EZB, ein negativer Saldo eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB. Weil es sich um Verrechnungssalden handelt, können diese Forderungen aber nicht nach Belieben oder zu einem bestimmten Zeitpunkt geltend gemacht werden.

Schadet der Target-2-Saldo, solange die Euro-Zone zusammenhält?

Wenn er auf Kapitalflucht aus anderen Ländern beruht, ist diese Kapitalflucht das Problem und der Target-2-Saldo nur ein Signal dafür. Wenn er auf der Geldpolitik beruht, bringt er die massive Geldschöpfung zum Ausdruck. Der Saldo selbst ist aber kein Problem.

Stellt der Saldo eine Art Geldschöpfung dar?

Nein, aber dort kann sich Geld sammeln, dass zuvor woanders, etwa bei nationalen Notenbanken, geschaffen wurde.

Schadet der hohe positive Target-2-Saldo der Bundesbank, wenn die Euro-Zone zerbricht?

In dem Fall gibt es wahrscheinlich größere Probleme als den Target-2-Saldo. Würde Deutschland ausscheiden, würde der Saldo möglicherweise verfallen. Die Folge: Die Bundesbank hätte negatives Eigenkapital und würde auf sehr lange Sicht keine Gewinne mehr ausschütten. Scheidet ein Land mit negativem Saldo aus, hätte die EZB den Schaden. Der würde anteilig auf Deutschland entfallen, auch in Form von langfristig fehlenden Gewinnen.

Die Notwendigkeit, negatives Eigenkapital einer Notenbank wie Bundesbank oder EZB aufzufüllen, besteht im Prinzip nicht. Denn die Notenbanken können ihr eigenes Geld schaffen und brauchen deswegen kein Eigenkapital.

Denkbar wäre auch, dass bei einem Zerbrechen der Euro-Zone die Salden als fiktive Forderungen oder Ausgleichsposten in der Bilanz der geschädigten Notenbanken stehen bleiben, um den Ausweis von negativem Eigenkapital zu vermeiden. Dann würde sich im Prinzip gar nichts ändern, aber das Verfahren wäre schwer zu erklären und damit wenig vertrauenserweckend.

Ist der Target-2-Saldo der Bundesbank ein Kredit gegenüber anderen Ländern?

Nein, er gleicht eher einer Einlage bei einer Bank, in dem Fall der EZB. Bei Krediten an andere Länder wäre ja Geld von Deutschland dorthin geflossen. Tatsächlich beruht der Saldo aber darauf, dass Geld nach Deutschland geflossen ist.

Besteht also gar kein Risiko durch den Saldo für die Bundesbank?

Nicht solange die EZB existiert.

Sollte man den Target-2-Saldo also einfach vergessen?

Nein, denn wenn er anschwillt, ist das ein Signal, dass es zu hohen Geldströmen in eine Richtung kommt. Wenn das passiert, ist es wichtig herauszufinden, was die Ursache ist. Er ist an sich kein Problem, aber eben nur solange die Euro-Zone hält. Aber der Saldo kann auf schwerwiegende Probleme in der Euro-Zone, etwa Kapitalflucht aufmerksam machen. Zurzeit ist das aber nicht der Fall.

Startseite

Mehr zu: Target-2-Saldo - Die Billionen-Forderung der Bundesbank – und was sie bedeutet

11 Kommentare zu "Target-2-Saldo: Die Billionen-Forderung der Bundesbank – und was sie bedeutet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.


  • Um es nochmal anders zu sagen:

    Bei diesen Target2-Salden ist immer die Rede von Zentralbankgeld. Dieses Geld hat in der realen Wirtschaftswelt keinen Wert (weil es nur zwischen Zentralbank und den Geschäftsbanken ausgetauscht wird).

    Aber diesen Salden kann man sicherlich auch ablesen, dass parallel dazu 1 Billion Euro an Giralgeld nach Deutschland hinein geflossen sind. Dieses Giralgeld hat einen Wert in der realen Welt, und wie festgestellt, hat z.B. - in Beispiel von Peter Aue s.u.) der italienische Kunde mit diesem Giralgeld den deutschen Lieferanten bezahlt.


    Gleicher Link wie s.u:
    Giralgeld und Zentralbankgeld fließt bei Überweisung parallel
    https://www.cashkurs.com/beitrag/Post/das-clearing-zwischen-geschaeftsbanken/


    Warum wird das Zentralbankgeld gebraucht ?
    Die Zentralbank erreicht damit, dass Geschäftsbanken nicht beliebig z.B. Überweisungen durchführen können. Weil: Wenn ein Kunde dieser Bank Guthaben auf eine andere Bank überweist, fließt parallel immer Zentralbankgeld. Dieses Zentralbankgeld ist - wenn man so will - die „Freischaltung“ gegenüber der Zentralbank, dass die Bank die Überweisung durchführen darf. Dieses Zentralbankgeld muss die jeweilige Bank zwar mit „echtem Geld“ bezahlen, aber vermutlich zu einem Bruchteil des nominellen Wertes (dabei handelt es sich um erwähnte billige Geld von Hr. Draghi).

    Wenn bei diesem Target2-Saldo von Zentralbankgeld gesprochen wird, passiert das nicht zufällig, sondern es ist ausdrücklich hier eben nicht Giralgeld gemeint - also „echtes Geld der Realwirtschaft“, sondern es sollen Netto-Zahlungsströme angegeben werden - also eher ein Wert für die Statistik.

    Von Seiten der Bundesbank hieß es übrigen immer:
    „Die Bundesbank erklärt die steigenden TARGET-Salden mit der sich ändernden Verteilung des Zentralbankgeldes innerhalb des Eurosystems. Ein eigenständiges Risiko geht von den TARGET-Salden nicht aus.“

  • Wichtig ist, zu verstehen, dass Zentralbankgeld niemals in die reale Wert (außerhalb von Finanzinstituten) gelangen kann (s.u.).

    Die Banken benötigen dieses Zentralbankgeld, damit sie z.B. Überweisungen durchführen können. Die Zentralbank möchte damit erreichen, die Geldbewegungen der Geschäftsbanken in ihrem Sinne zu steuern.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Quantitative_Lockerung
    dort unter Funktionsweise:
    „Da Zentralbankgeld (bis auf Bargeld) darüber hinaus nicht in den Geldkreislauf der Realwirtschaft gelangt, weil Unternehmen und Privathaushalte keinen Zugang zu Konten bei der Zentralbank und damit Zugriff auf Zentralbankgeld haben, kann dementsprechend bei einer Ausweitung von Zentralbankgeld im Rahmen von quantitativer Lockerung (QE) auch mitnichten von einer direkt inflationär wirkenden "Geldschwemme" gesprochen werden. Ein solche Formulierung, wie sie häufig in den Medien gefunden wird[10][11], ignoriert die fundamentalen Unterschiede zwischen Zentralbankgeld und Giralgeld“.


    https://www.cashkurs.com/beitrag/Post/das-clearing-zwischen-geschaeftsbanken/
    dort: „Das Clearing zwischen zwei Banken
    Banken erhalten und senden bekanntlich Überweisungen im Auftrag ihrer Kunden. Oftmals hört man, dass jede Überweisung von Giralgeld in gleicher Höhe von Zentralbankgeld begleitet wird, doch tatsächlich wird am Tagesende nur die Differenz aus allen gestellten Überweisungen ermittelt. Das Verfahren wird als Clearing bezeichnet. Nur der Saldo (also die Differenz) wird bei der Zentralbank von einem zum anderen Konto, welches jede Geschäftsbank bei der Zentralbank unterhält umgebucht.“

    Mein Kommentar zum Weblink s.o.: Aus diesem Grund muss das Zentralbankgeld selbstverständlich den Geschäftsbanken günstig zur Verfügung gestellt werden, also möglicherweise zu weniger als ein Promille des nominellen Wertes. Falls die Bank das Zentralbankgeld zum nominellen Wert erwerben müsste, ginge vermutlich jede zweite Bank nach einer einzhigen größeren Überweisung in Konkurs.

  • Die Liquidität wurde doch vorher schon geschaffen (über die Kredite der Banken gefüttert durch die OMT Großzügigkeit des EZB Gremiums /H. Draghi) Aber die Verteilung der Liquidität im Target Pool/System (nur ein Teil davon) unterm Strich saldiert Null aber oberm Strich mit den besagten Target Salden (Forderungen und Verbindlichkeiten) sind Fakt. Und der Ausgleich dieser Salden würde vermutlich ohne Verwerfungen des ganzen Euro Systems nicht funktionieren weil dann ggf. Gläubigerstaaten im Targetsystem vom Pooling ausgeschlossen werden müßten von der EZB. Mit der Folge von Ausfällen und Rekapitalisierungen der Nationalen Notenbanken (Bundesbank) zwangsläufig durch den Steuerzahler.
    Einfacher Test den in der aktuellen Lage niemand machen wird: alles Salden auf Null stellen/zahlen lassen.

  • @Peter Aue
    Der Begriff „Forderung“ ist tatsächlich problematisch.

    Die Bundesbank schreibt dazu:
    https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html
    dort: „TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden.“

    Und eine weitere Aussage der Bundesbank:
    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/Target2/2011_gb_target2_saldo.pdf
    dort S. 2
    „Über TARGET2 kann keine Liquidität geschaffen werden. Das Zahlungsverkehrssystem dient lediglich der Übertragung von Liquidität (Zentralbankgeld), über das die teilnehmenden Banken bereits verfügen. Die Bereitstellung von Liquidität ist eine Hauptaufgabe von Notenbanken. (..) Zentralbankgeld wird den Banken hauptsächlich über Refinanzierungsgeschäfte, daneben aber unter anderem auch über den Aufbau von Wertpapierbeständen und Geschäfte in eigener Verantwortung der nationalen Zentralbanken, zur Verfügung gestellt.“

    und auf Seite 1/2 schreibt die Bundesbank dort:
    „Bankensysteme, denen über TARGET2 Zentralbankgeld zufließt, haben einen geringeren Bedarf an eigener Refinanzierung bei „ihrer“ Zentralbank. Institute in Deutschland haben daher ihr Refinanzierungsvolumen bei der Bundesbank kontinuierlich verringert und verfügen mittlerweile per saldo sogar über hohe Guthaben bei der Bundesbank.“

    Holla, 2 Neuigkeiten:
    Es geht hier um Zentralbankgeld, also kein Giralgeld (also kein Geld der Realwirtschaft). Und offenbar ist dieses Geld nach Deutschland hinein geflossen. Und die deutschen Banken profitieren davon offenbar.

    Man sieht also, dass der Begriff „Forderung“ von Deutschland gegenüber der EZB bei diesen Salden eindeutig in die Irre führt. Zu vermuten wäre, dass dieser Buchungsposten in der Bilanz der EZB sich auf der Seite der Aktiva befindet, wobei die Aktiva ‚buchhaltungstechnisch‘ eben als „Forderung“ bezeichnet werden.

  • Ich möchte den häufigsten Denkfehler korrigieren, welcher in den Kommentaren zu diesem Artikel vorkommen.
    !!! Innerhalb der Euro Zone kann nur die EZB (Europäische Zentral Bank) in Frankfurt Geld schöpfen !!!
    Die nationalen Notenbanken können dies nicht mehr, sie werden eigentlich nur noch aus Höflichkeitsgründen Notenbanken genannt, aber eigentlich arbeiten sie der EZB nur noch zu.
    Dies muss man verstanden haben! Die Geldmenge innerhalb der Eurozone steuert und bestimmt die EZB !
    Folglich sind diese Theorien, wie die grichische Notenbank schöpft Euro und die Griechen kaufen damit Immobilien in Deutschland, einfach Quatsch.

  • Verrechnungs- Poolingkonten der Euro Mitglieder sind per Saldo Null. Dennoch stellen die jeweils aktuellen Salden ein Schuldverhältniss zur EZB und deren Mitgliedern (Euro Ländern) untereinander dar.
    Ein einfacher Test wie sich der Target Saldo auf die reale Warenwirtschaft /Finanzstabilität im Euro Raum auswirken würde, wäre folgendes:
    Die EZB gibt den Mitgliedern einen Monat Zeit um das aktuelle Tagessaldo auf Null zurückzuführen. Dieser Null Stand müßte dann mindestens 1 Jahr gehalten werden um eine "Überziehung" einen Tag später zu verhindern.
    Welche Verwerfungen dann bei den Habensaldenländern und Sollsaldenländern praktisch entstehen würden wäre interessant.....
    Jedes Schuldverhältniss muß irgendwann ausgeglichen werden. Genauso wie normal jedes Konto ein Limit benötigt. Unlimitierte Poolingkonten oder unbefristete Schuldverhältnisse (Griechenland ist bei anderen Konten ja schon über 50 Jahre) sind absurd. Zumindest für den Gläubiger der Forderung.
    Wenn der aktuelle Finanzminister auf Prof Lucke zum gleichen Thema antwortete: "Wenn ein Meteorit auf die Erde fällt - dann ist eh alles egal" lässt dies tief blicken wie unsensibel Politiker mit der Target und Euroschuldenproblematik umgehen nach dem Motto: Was nicht sein darf das nicht sein kann.

  • Fortsetzung:
    Wie in meinem Kommentar unten eindeutig nachgewiesen, ist die Behauptung, daß bei den Notenbanken ein positiver oder negativer Saldo entstehen würde, FALSCH. Sie sind ja nur Durchreicher.

    Wann also entstünde ein Saldo der nicht Null ist?
    Aus meinem Beispiel ergibt sich das ganz einfach:
    nur dann, wenn die beteiligten Banken samt EZB NICHT als Durchreicher des Apfels agieren, sondern wenn irgendwer in der Kette "anschreiben" läßt und jemand zahlen sollte, es aber nicht tut (Kreditaufnahme).

    Da die Bundesbank den Saldenüberschuß hat und die ital. Notenbank das Minus, ist damit eigetnlich schon alles klar:
    die ital. Notenbank schreibt bei der Bundesbank an, die Bundesbank verbucht die Forderung an die Italiener in ihren Büchern, erzeugt das Geld und gibt es der Deutschen Bank, die es an den Kunden weiterreicht.

    Da die ital. Notenbank bei der BB in der Kreide steht, hat sie den Apfel also nie erhalten müssen!

    Woraus folgt, daß bis zur Kette des italienischen Firma hinunter niemand den Apfel hat hergeben müssen.
    Die Deutsche Bundesbank läßt anschreiben!

    Das ist die traurige Realität, die man dem Dummichl auch mit obigem Artikel verheimlicht. Der freut sich dann noch darüber "Exportweltmeister" zu sein. :D
    Wie der erfolgreiche Wirt, der größer als alle anderen ist - aber nur, weil alle bei ihm anschreiben.

  • Meiner Meinung nach ist der Artikel Desinformation (viel wahr, aber der eigentliche Clou ist eine falsche Folgerung, die alles auf den Kopf stellt).

    Finanzwesen ist im Grunde ganz einfach, aber die Bankster wollen und müssen verwirren. Daher ist es immer vorteilhaft, sich alles ganz konkret im Detail vorzustellen.

    Annahme: Kauf einer Maschine in der BRD durch eine Fa. in Italien. Der Kaufpreis sei ein Apfel.

    "Die italienische Geschäftsbank belastet die Summe dem Konto ihres Kunden."
    Es entsteht nichts, es wird etwas verschoben, überwiesen. Summe muß also 0 sein.
    Der ital. Kunde gibt einen Apfel an die ital. Geschäftsbank. Er hat einen Apfel weniger:
    ital. Kunde: -1 Apfel
    ital. Geschäftsbank: +1 Apfel

    "Die Banca d'Italia belastet die Summe der italienischen Geschäftsbank."

    Der Apfel wird von der ital. Geschäftsbank an die Banca d'Italia gebeben:
    (ital. Firma: -1 Apfel)
    ital. Geschäftsbank: +1 Apfel vorher, dann 1 Apfel weg an die Banca d'Italia = 0 Äpfel.
    Banca d'Italia: +1 Apfel

    "Die EZB belastet die Summe der Banca d'Italia auf deren Target-2-Saldo und schreibt sie der Bundesbank auf deren Target-2-Konto gut."
    Der Apfel wird durch die EZB der Banca d'Italia weggenommen und an die Bundesbank gegeben.
    Unser Stand:
    Banca d'Italia: 1 Apfel vorher - 1 Apfel weg = Saldo 0 (NULL!) Äpfel!
    EZB: nimmt den Apfel und gibt ihn gleich weiter an die Bundebank = Saldo 0 Äpfel
    Bundebank: bekommt von der EZB den Apfel = Saldo +1 Apfel

    "Die Bundesbank schreibt die Summe der deutschen Bank gut"
    Bundesbank: der Apfel wird an die Deutsche Bank gegeben = Saldo Bundesbank 0 Äpfel.
    Saldo Deutsche Bank: 1 Apfel

    "und die wiederum dem deutschen Zahlungsempfänger"
    Deutsche Firma: bekommt von der DB den Apfel = Saldo + 1 Apfel.
    DB Saldo = 0 Äpfel.

    Also:
    dt. Firma Saldo: +1 Apfel
    ital. Firma Saldo: -1 Apfel
    Summe: 0.

    "So ist, wenn vorher beide Target-2-Salden bei null lagen, bei der Banca d'Italia ein negativer und bei der Bundesbank ein positiver SALDO entstanden."
    =FALSCH!
    DESINFO!

  • Nochmal zur Wirkung solcher Geld-Ströme: wenn griechische oder italienische Investoren Geld das deren nationale Notenbank geschöpft hat, nach Deutschland transferieren und dort dann z.B. in Immobilien investiert wird... und schon versteht man die Preis- und Mieten-Entwicklung in Berlin...

    Wir hängen da also realwirtschaftlich, sowie auch finanzpolitisch haftend mit drin!

  • Wenn man sich auf der Bundesbankhomepage die Kurve anschaut, dann kann man nicht umhin, von einer kontinuierlichen Geldstrom in diese Richtung zu sprechen. Natürlich gibt es immer einzelne Monate, in denen das mal anders lief. nicht desto trotz: eine geglättete Kurve ist stark ansteigend.
    Zudem sind Target-Salden ja nicht nur Geldströme, sondern auch die Warenströme bilden sich damit ab! Das kommt hier doch zu kurz.
    Dann muss man noch sagen, dass manche Ökonomen dass schon wie einen zinslosen ewig laufenden Kredit werten! Wieso fällt das weg?

    Auf jeden Fall ist es doch so: die Bundesbank könnte im europäischen Euro-Ausland mit dieser 1 Billion einkaufen gehen... das wäre doch mal eine wirtschaftliche Wirkung!!! Wenn sie dort die Unternehmen kauft, bekommen wir eine Dividendenrendite. Oder wir kaufen Gold und fahren es nach Hause... (ok, soviel Gold gibt es nicht). Damit wäre Deutschland und der deutsche Staat wesentlich besser dran. Darum finde ich es sehr seltsam, wenn rennomierte Ökonomen hier nicht zitiert werden und das hier als einfache Rechengröße dargestellt wird. Also, lasst uns einkaufen!!! :-)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%