Steigende Verbraucherpreise

An einer Supermarktkasse in einem Lebensmittelmarkt wird kassiert. Aufgrund der Inflation bekommt man für die gleiche Summe Geld diesen Monat etwas weniger als noch im September.

(Foto: dpa)

Teuerungsrate Inflation in Deutschland steigt auf höchsten Stand seit 2008

Vor allem die teure Energie hat die Preise hochgetrieben. Auch bei der Kerninflation zeichnen sich stärkere Unterschiede zwischen Deutschland und dem Euro-Raum ab.
Update: 30.10.2018 - 16:51 Uhr Kommentieren

DüsseldorfDie Inflation in Deutschland ist im Oktober überraschend deutlich um 2,5 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist der stärkste Wert seit September 2008. Im vergangenen Monat lagen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich noch um 2,3 Prozent höher. Treiber waren erneut die Energiepreise, die im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 Prozent zulegten.

Allerdings stieg auch die Kerninflation, auf die die Europäische Zentralbank (EZB) besonders schaut, von 1,5 auf 1,7 Prozent. Bei der Kerninflation bleiben die Preise für Nahrung und Energie außen vor. Sie gelten als besonders schwankungsanfällig.

Am Mittwoch veröffentlicht Eurostat die Zahlen für den Euro-Raum. Dort lag die Inflation im September bei 2,1 Prozent. Bislang war der Inflationsanstieg im Euro-Raum wie in Deutschland hauptsächlich auf höhere Energiepreise zurückzuführen. Der Anstieg der Kerninflation deutet allerdings darauf hin, dass sich nun auch bei anderen Komponenten etwas tut.

Commerzbank-Analyst Marco Wagner führt dies allerdings vor allem auf teurere Pauschalreisen zurück. „Ohne diesen wohl temporären Effekt hat die Kerninflation nur leicht zugelegt“, schreibt er in einer Stellungnahme. Ein klarer Aufwärtstrend bei der Inflation sei „noch nicht erkennbar“. Markant ist aber zumindest, dass sich die Kernraten in Deutschland und im Euro-Raum immer stärker auseinanderentwickeln: Im September lag die Rate im Euro-Raum noch bei 0,9 Prozent – wohingegen sie in Deutschland im Oktober nun auf 1,7 Prozent gestiegen ist.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Dabei gilt die Kerninflation als ein Indikator dafür, ob die Preissteigerung nachhaltig ist. Um die lange Zeit niedrige Inflation zu erhöhen, hat die EZB die Leitzinsen auf null Prozent gesenkt und kauft Staatsanleihen der Euro-Länder.

Angesichts der schwächer als erwartet ausgefallenen Wachstumsdaten aus der Euro-Zone könnte für die Währungshüter laut Ökonom Thomas Gitzel von der liechtensteinischen VP Bank die Relevanz der höheren Teuerungsraten allerdings etwas in den Hintergrund treten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Sommer nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, das Wachstum halbierte sich damit zum Frühjahr.

Der Volkswirt der Liechtensteiner Bank verweist insbesondere auf die Stagnation des italienischen BIP im Sommer: „Das dürfte auf den Fluren des EZB-Hochhauses zu Sorgenfalten führen. Ein schwächeres Wachstum rüttelt nämlich auch am Ausblick auf steigende Teuerungsraten im Jahr 2019.“

Die EZB will ihre zusätzlichen Anleihekäufe ab Anfang 2019 beenden und dann nur noch auslaufende Papiere aus ihrem Bestand ersetzen. Die Entscheidung begründete sie damit, dass sie mit einem schrittweisen Anstieg der Inflation im Euro-Raum rechnet.

Auf seiner Pressekonferenz in der vergangenen Woche hat EZB-Präsident Mario Draghi diese Erwartung noch einmal bestätigt. Als gutes Zeichen sieht er dabei, dass die Tariflöhne vor allem in einigen Kernländern der Euro-Zone zuletzt stärker gestiegen sind. 2017 lag der Zuwachs im Euro-Raum noch bei 1,5 Prozent – im ersten Quartal 2018 hingegen schon bei 1,7 und im zweiten Quartal bei 2,2 Prozent.

Dies sei besonders wichtig, weil es sich dabei nicht um Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt oder kurzfristige Effekte handelt, sagte Draghi. Zudem gehe die Arbeitslosigkeit schrittweise zurück und die Kapazitätsauslastung nehme zu. „Wir sehen keine Anzeichen, die uns daran zweifeln lassen, dass sich die Inflation schrittweise unserem Ziel nähert.“

Trotz der in vielen EU-Staaten anziehenden Inflation gilt unter Händlern eine Zinserhöhung der EZB noch in der Amtszeit von Draghi längst nicht mehr als ausgemachte Sache. Der Italiener führt die EZB noch bis Ende Oktober 2019.

Seit März 2016 hält er den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bei null Prozent – sehr zum Leidwesen vieler Deutscher: Denn das Sparbuch ist bundesweit die beliebteste Geldanlageform und wird von gut jedem Zweiten genutzt, wie aus Daten des Vermögensverwalters JP Morgan Asset Management hervorgeht. Angesichts der mageren Erträge ihrer Spareinlagen sind zwei Drittel der Bundesbürger nicht mit deren Entwicklung zufrieden.

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