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Türkei ermittelt Erdogan knüpft sich JP Morgan vor – Bank-Mitarbeiter sollen gegen Lira gewettet haben

Die türkische Finanzaufsicht ermittelt gegen Angestellte des US-Instituts wegen des Manipulationsvorwurfes. Den Währungsverfall stoppt das nicht.
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Der türkische Präsident macht Währungsspekulationen für die wirtschaftlichen Probleme seines Landes verantwortlich. Quelle: Reuters
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident macht Währungsspekulationen für die wirtschaftlichen Probleme seines Landes verantwortlich.

(Foto: Reuters)

IstanbulWer einen Börsenbrief schreibt, kann sich strafbar machen. Zumindest, wenn der Autor oder die Autorin gegen die türkische Lira wettet. Die türkische Regulierungs- und Aufsichtsbehörde (Bddk) ermittelt nach eigenen Angaben gegen mehrere Banken in der Angelegenheit, darunter gegen zwei Banker der US-Großbank JP Morgan, die in der Türkei arbeiten sollen.

„Wir haben Beschwerden erhalten, dass Banken ihren Kunden manipulativ den Kauf von Fremdwährung empfohlen haben“, begründet die Behörde den Schritt, ohne dabei JP Morgan beim Namen zu nennen. Parallel kündigte die Kapitalmarktaufsicht SPK eigene Ermittlungen an. Die US-Bank hatte zuvor in einem Anlegerschreiben empfohlen, Lira gegen Dollar zu tauschen, und einen weiteren Verfall der türkischen Landeswährung angedeutet.

Wenige Tage vor den wichtigen Kommunalwahlen in dem Land und inmitten einer Rezession will die türkische Führung Stärke beweisen – und zerstört Vertrauen bei Investoren. Staatschef Erdogan warnte Spekulanten in einer Wahlkampfrede am Wochenende: „Wer gegen unsere Währung wettet, zahlt einen hohen Preis.“

Am Freitag hatte die Währung des Landes fast sechs Prozent zum US-Dollar verloren. Auch der Börsenindex sackte ab. Analysten machten dafür sinkende Währungsreserven verantwortlich. Am Donnerstag hatte die türkische Zentralbank erklärt, dass ihre Reserven in Fremdwährung Anfang März innerhalb von zwei Wochen um 6,3 Milliarden US-Dollar abgenommen haben, was etwa einem Fünftel der gesamten Reserven entspricht.

Im selben Zeitraum musste die Zentralbank 3,8 Milliarden US-Dollar Schulden in Fremdwährung zurückzahlen. Von den restlichen abgebauten Reserven ging ein Teil an den staatlichen Energiedienstleister, der mit den Dollarnoten Gas am Weltmarkt einkauft. Investoren folgerten aus der Differenz, dass die Regierung die Ersparnisse ihrer Zentralbank nutzt, um die angeschlagene türkische Wirtschaft aufzupäppeln.

Die Lira hatte im vergangenen Jahr rund 25 Prozent an Wert verloren, gleichzeitig stieg die Inflation auf einen ähnlichen Wert. Alles wird teurer und importierte Ware erst recht, während Exporte aus der Türkei günstiger geworden sind. Seit zwei Quartalen schrumpft die türkische Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit wächst.

Weil türkische Sparer das Vertrauen verlieren, tauschen sie Lira in US-Dollar und Euro. Allein Anfang März kauften Haushalte und Firmen binnen sieben Tagen Fremdwährung im Wert von vier Milliarden US-Dollar, um gegen weitere Währungsabwertungen abgesichert zu sein.

Um den weiteren Verfall zu stoppen, setzt die Führung in Ankara nicht nur auf finanzpolitische Maßnahmen wie einen höheren Leitzins durch die Zentralbank, sondern auch auf Schuldzuweisungen. Präsident Erdogan erklärte die Währungsspekulationen zu „provokativen Aktionen“ und versuchte, die Schuld für die wirtschaftliche Talfahrt des Landes auf Investoren abzuwälzen – wie im Fall JP Morgan.

„Das ist ein Schuss in den eigenen Fuß“, kommentierte Türkei-Analyst Timothy Ash. Der Schritt könnte Investoren davon abhalten, Geld in der Türkei zu investieren. Vor wenigen Wochen hatte die Türkei noch eine Staatsanleihe emittiert, die in US-Dollar notiert. Für die Vorbereitung beauftrage Ankara drei Geldinstitute – darunter JP Morgan.

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