US-Geldpolitik Schattenzinssatz signalisiert nahendes Ende der Fed-Erhöhungen

Im Moment erhöht die Fed häppchenweise den Leitzins. Analysten kommen nun zu dem Schluss, dass der Prozess bald abgeschlossen sein dürfte.
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Die amerikanische Zentralbank hat die Zinswende bereits eingeleitet. Quelle: AP
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Die amerikanische Zentralbank hat die Zinswende bereits eingeleitet.

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Anleger sollten Acht geben: Während viele Ökonomen – und die Federal Reserve selbst – den US-Zinserhöhungszyklus nur etwa zur Hälfte als vollbracht ansehen, könnte dieser schon näher an seinem Ende angekommen sein, als gedacht.

Dies geht aus einer Studie quantitativer Analysten von Société Générale SA hervor. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass es nur noch drei Anhebungen geben wird, bevor die Fed innehält. Das wäre dann bei 2,5 Prozent für die Obergrenze des geldpolitischen Zielzinssatzes. Die Berechnung basiert auf dem so genannten Schattenzinssatz, der darauf abzielt, die Auswirkungen der früheren quantitativen Lockerung der Fed zu berücksichtigen, und legt nahe, dass die Straffung weiter vorangeschritten ist als die nominalen Zinssätze signalisieren.

„Unsere Analyse zeigt, dass wir uns möglicherweise in der Spätphase des aktuellen Zinszyklus befinden“, schrieben die Strategen um Andrew Lapthorne in einer Notiz. „In der Regel folgt auf einen Zinszyklus-Gipfel eine Rezession mit einem zeitlichen Abstand von durchschnittlich etwa sechs Monaten„, und dies macht eine „bedeutende Neupositionierung in den Anlageportfolios“ erforderlich, schrieben sie.

Die jüngsten „Dot-Plot“-Prognosen deuten darauf hin, dass die Zentralbank die Zinsen im Jahr 2020 noch erhöhen wird, um eine überhitzende Wirtschaft abzukühlen und eine Rezession zu vermeiden. Fed-Vertreter signalisierten diese Woche, dass sie bereit sind, die Benchmark bei ihrer Sitzung im Juni erneut zu erhöhen, haben aber keine klare Botschaft für die Anzahl der Bewegungen danach in diesem Jahr gesendet.

Der Schatten-Zinssatz, bei dem es sich um eine Schätzung des impliziten zugrundeliegenden Zinssatzes in einer Situation handelt, in der die Fed auch eine quantitative Lockerung und Forward Guidance verfolgte, erreichte im Mai 2014 mit rund minus 3 Prozent seinen Tiefststand. Als die Fed ihr Quantitative Easing beendete, stieg er ab Ende 2014 stetig an und erreichte im Dezember 2015 Null.

Wenn man die nominalen Zinserhöhungen der Fed bis jetzt - ungefähr 1,7 Prozentpunkte auf der Basis des effektiven Fed-Funds-Satzes - zu dieser Anhebung hinzurechnet, so hat die kumulative Straffung im aktuellen Zyklus 4,7 Prozentpunkte erreicht, hat die französische Bank errechnet.

„Es kann argumentiert werden, dass wir nur etwa 75 Basispunkte von dem durchschnittlichen Gipfel der Zinszyklen entfernt sind, die in der Post-Stagflations-Ära der Great Moderation beobachtet wurden“, schrieben die Analysten. Sie prognostizierten drei weitere Erhöhungen, wobei sie von Schritten von einem Viertelpunkt pro Sitzung ausgingen, die sich über die nächsten sechs bis zwölf Monate erstrecken sollten.

Die Strategen beschrieben dies als ihre „beste Prognose“, mit der Möglichkeit, dass der mögliche Verlaufspfad der Fed anders sein könnte. Faktoren wie ein aufgestauter Inflationsdruck könnten das Tempo der Straffung beschleunigen, während alles, was von Handelsspannungen bis hin zu geopolitischen Ereignissen reicht, sie verzögern könnten, sagten sie.

Was auch immer das Ergebnis sein mag, die Anleger sollten bereit sein für Anzeichen, dass der Zinszyklus zu Ende geht, sagt das SocGen-Quant-Team. Wenn die Einschätzung richtig ist, „erfordert es eine Neuausrichtung der Strategien, um eine signifikante defensive Haltung zu erreichen“, mit einer allmählichen Verringerung des zyklischen Engagements in wachstumsorientierten Aktien, schrieben sie.

  • Bloomberg
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