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US-Notenbank Amerika wählt – und die Fed steht erneut unter Handlungsdruck

Angesichts hoher Unsicherheit an den Märkten erwarten einige Ökonomen ein Signal von der US-Notenbank. Sie ist jedoch in einer schwierigen Ausgangslage.
03.11.2020 - 10:07 Uhr Kommentieren
Der Chef der US-Notenbank Fed berät diese Woche mit seinen Notenbank-Kollegen über den weiteren geldpolitischen Kurs. Quelle: Reuters
Jerome Powell

Der Chef der US-Notenbank Fed berät diese Woche mit seinen Notenbank-Kollegen über den weiteren geldpolitischen Kurs.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wenn es nach Mohamed El-Erian geht, muss die US-Notenbank in dieser Woche liefern. „Die Fed muss etwas machen“, sagte der ökonomische Chefberater der Allianz am Freitag dem US-Sender Fox Business. Hintergrund sind die hohen Kursverluste in der vergangenen Woche.

Die Angst vor den Folgen der zweiten Welle des Coronavirus hat die Börsen weltweit tief ins Minus gedrückt, auch wenn der Wochenauftakt zunächst wieder etwas freundlicher ausfiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte bereits am vergangenen Donnerstag und kündigte ein weiteres Lockerungspaket für Dezember an. Angesichts der Ankündigung der EZB sieht El-Erian nun auch die Fed am Zuge, zumindest ein Signal zu liefern. 

Allerdings gibt es auch viele Ökonomen, die erwarten, dass sich die Fed dieses Mal zurückhält. Der US-Ökonom der Großbank JP Morgan, Michael Feroli, beispielsweise rechnet gerade wegen des Wahltermins nicht mit größeren Ankündigungen. Ihren letzten großen geldpolitischen Schritt hat die US-Notenbank im September vollzogen, als sie ihre Strategie anpasste. Künftig will sie eine Inflation von über zwei Prozent tolerieren, wenn diese zuvor längere Zeit darunter gelegen hat. Damit hat die US-Notenbank die Markterwartungen für eine Zinserhöhung noch weiter in die Zukunft verschoben.

Ihr wichtigstes verbleibendes Instrument sind aktuell vor allem Anleihekäufe. Momentan kauft die Fed für monatlich 80 Milliarden US-Dollar amerikanische Staatsanleihen. Grundsätzlich hängt die US-Wirtschaft viel stärker als andere Länder von den Finanzmärkten ab – unter anderem deshalb, weil viel mehr Amerikaner Aktien halten. Daher wirken sich sinkende Kurse stärker auf das Investitions- und Konsumverhalten aus, und die Fed reagiert sensibler auf die Entwicklung dort.

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    Der US-Ökonom der Commerzbank, Bernd Weidensteiner, sieht dennoch derzeit keinen akuten Anlass für die Fed einzugreifen und verweist darauf, dass die Wachstums- und Inflationszahlen zuletzt sogar etwas besser ausgefallen sind als von der Fed erwartet. So wuchs die US-Wirtschaft von Juli bis September um 7,4 Prozent im Vergleich zum vorigen Vierteljahr. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 1,4 Prozent.

    „Die Fed wird voraussichtlich abwarten, was nach den US-Wahlen passiert und wie stark sich die zweite Coronawelle auf die Wirtschaft niederschlägt“, sagt Weidensteiner. Ihr Chef Jerome Powell hat zuletzt sehr deutlich ein weiteres Fiskalpaket gefordert. Bislang konnten sich Demokraten und Republikaner in den USA jedoch nicht über Inhalt und Umfang verständigen.

    Dass sich die Fed so stark für Finanzhilfen der Politik eingesetzt hat, werten manche Experten auch als Zeichen dafür, dass sie mit ihren eigenen Instrumenten an Grenzen stößt. Weidensteiner erwartet, dass die US-Notenbank in der nächsten Zeit vor allem auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt schauen wird. „Wenn es dort Schwächezeichen gibt, könnte sie ihre Anleihekäufe noch mal ausweiten.“

    Mehr: Lagarde stellt Corona-Intervention der EZB in Aussicht

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