Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Notenbank Der Fed-Chef Powell sendet mit seiner Geldpolitik eine doppelte Botschaft

Jerome Powell beruhigt die Märkte mit sehr vorsichtiger Geldpolitik. Zugleich nährt sein Pessimismus aber die Furcht vor einem kommenden Abschwung.
Kommentieren
Die Fed hat am Mittwoch die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft leicht nach unten korrigiert und ihre Politik neu justiert. Quelle: Reuters
Jerome Powell

Die Fed hat am Mittwoch die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft leicht nach unten korrigiert und ihre Politik neu justiert.

(Foto: Reuters)

New York Die US-Notenbank (Fed) hat in dieser Woche ihre geldpolitische Wende vollendet. Noch bis fast zum Ende des vorigen Jahres verbreitete Fed-Chef Jay Powell ungebrochenen Optimismus.

Das Ende der Zinserhöhungen schien lange nicht erreicht. Jetzt aber ist vorerst Schluss mit Anhebungen. Außerdem stoppt die Fed bald den Abbau ihrer Bilanzsumme, der ebenfalls eine geldpolitische Straffung dargestellt hat.

Die Botschaft war deutlich, und sie kam an den Kapitalmärkten an. Sie war aber auch doppeldeutig: Powell nahm den Investoren vollends die Angst, seine Geldpolitik könne zu straff sein und Konjunktur und Kurse abwürgen.

Zugleich wirkte der Fed-Chef so pessimistisch, dass er die Anleger verunsicherte. Der breite S&P 500, der wichtigste US-Aktienindex, lief nach der Ankündigung am Mittwoch zickzack.

Eindeutiger als am Aktienmarkt waren die Reaktionen in anderen Bereichen des Kapitalmarkts. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe brach ein auf fast 2,5 Prozent, der Kurs ging im Gegenzug hoch. Der Kurs des Dollars sackte ab und erholte sich nur leicht.

Grafik

„Einerseits begrüßen die Anleger eine lockere Geldpolitik. Andererseits jedoch scheinen sie besorgt darüber, wie stark die US-Wirtschaft noch wachsen kann“, sagt Matt Maley, Aktienstratege des Vermögensverwalters Miller Tabak. Er geht davon aus, dass Anleger nun erst einmal abwarten werden.

In zwei Wochen werden die Arbeitslosenzahlen für den Monat März veröffentlicht. Dann beginnt auch die Berichtssaison über das erste Quartal, in dem die Stimmung deutlich schlechter als 2018 ausgefallen sein dürfte.

Kurz vor der inversen Zinskurve

Ähnlich äußerten sich die Analysten von Brown Brothers Harriman (BBH): „Powells Botschaft sollte die Märkte eigentlich beruhigen. Wir glauben allerdings, dass sie das Gegenteil erreichen wird.“ Die Zinsstrukturkurve ist seit Powells Pressekonferenz am Mittwoch noch flacher geworden.

„Jetzt braucht es nur noch eine kleine Störung, damit wir eine inverse Zinskurve bekommen“, warnen die Analysten von BBH. „Das wäre ganz klar kein gutes Zeichen.“ Eine inverse Kurve, bei der die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen höher sind als die längerfristiger Bonds, gilt als Vorbote einer Rezession.

Nick Maroutsos von der Fondsgesellschaft Janus Henderson hofft nach dem dramatischen Schwenk Powells auf eine möglichst klare Kommunikation. Er warnt: „Märkte lieben stabile und konsistente Botschaften; alles andere dürfte zu hohen Schwankungen führen. Darauf müssen sich Käufer gefasst machen.“

Chancen für Anleger sieht er bei bonitätsstarken US-Anleihen. Und merkt an: „Die Investoren könnten auch von weiter fallenden Renditen profitieren, wenn die Fed die Zinsen unverändert lässt oder sie 2019 oder 2020 senkt.“

Die Geldpolitik der Fed hat immer auch weltweite Auswirkungen. Robin Brooks, Chefökonom der Bankenorganisation IIF, registriert, dass Währungen wie die türkische Lira oder der südafrikanische Rand von Powells Vorsicht profitieren. Auch in anderen Schwellenländern führt ein schwächerer Dollar zur Erleichterung – weil dann Schulden ans Ausland weniger drücken und Importe billiger werden.

Bei Prinicpal Global Investors heißt es: „Je langsamer die Zinserhöhungen, desto besser für die asiatischen Märkte, die von einem schwachen Dollar und niedrigeren Zinsen profitieren.“ Brooks vom IIF warnt jedoch: „Nicht jeder gewinnt. Die zaghafte Fed erstickt alle Hoffnungen in Japan und Europa auf eine Erholung der Inflation“ – zumal ein schwacher Dollar etwa den Ölpreis niedrig hält.

Trübe Wachstumsaussichten für US-Wirtschaft

Die Fed hat am Mittwoch die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft leicht nach unten korrigiert. Für dieses Jahr rechnen die Notenbanker noch mit einem Plus von 2,1 Prozent, nachdem sie ursprünglich von 2,3 Prozent ausgegangen waren. Für das kommende Jahr erwarten sie 1,9 Prozent.

„Das Wachstum ging schneller als erwartet zurück“, räumte Powell ein. Die Wachstumsrate von 3,1 Prozent im Vorjahr sei vor allem durch die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump so hoch gewesen.

Den Leitzins beließ die Fed am Mittwoch in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Zudem gehen die meisten Notenbanker davon aus, dass die Zinsen in diesem Jahr nicht erhöht werden, wie der vierteljährliche Zinsausblick zeigt, den die Notenbank am Mittwoch ebenfalls veröffentlichte. Damit habe sich die Fed in ihrer Geldpolitik noch gemäßigter gezeigt, als erwartet wurde, gab Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase, zu bedenken.

Bereits im Januar hatte Powell angekündigt, geduldig mit weiteren Zinsschritten zu sein. Noch im Dezember aber waren die Notenbanker davon ausgegangen, die Zinsen 2019 zweimal anzuheben. „Wir glauben, dass es keine Zinssteigerungen mehr in diesem Zyklus geben wird“, sagt nun Scott Anderson, Chefökonom der Bank of the West.

Weitere Details genannt

Die Fed veröffentlichte auch Details zum Abbau der Bilanzsumme. Die war im Zuge der Finanzkrise durch Wertpapierkäufe auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollen. Seit Oktober 2017 baut die Fed sie schrittweise ab. Derzeit liegt sie bei rund vier Billionen Dollar.

Die Notenbanker haben in der Vergangenheit jedoch bereits signalisiert, dass die Bilanz deutlich größer bleiben wird als vor der Krise 2008. Powell geht von einer Größe von 3,5 Billionen Dollar aus, das entspricht etwa 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Schon im Mai soll der Abbau der Bilanz verlangsamt werden.

Derzeit lässt die Fed monatlich Staatsanleihen im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar und Hypothekenbonds im Wert von bis zu 20 Milliarden Dollar auslaufen, statt das Geld zu reinvestieren. Ab Mai sollen nur noch Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Dollar auslaufen. Die Hypothekenpapiere werden dagegen weiter wie bisher reduziert, weil die Fed in ihrer Bilanz künftig vor allem Staatsanleihen halten will.

Ende September soll der Abbau dann beendet werden. Offen ist jedoch noch, wie der Mix an Staatsanleihen mit längerer und kürzerer Laufzeit aussehen soll. Derzeit würden die Notenbanker intensiv darüber diskutieren, sagte Powell. Eine Reihe von ihnen bevorzugt offenbar, vermehrt Anleihen mit kürzerer Laufzeit zu kaufen, um damit zu einer Zusammensetzung zurückzukehren, die der vor der Krise ähnelt. Das geht aus den Protokollen der Sitzung vom Dezember hervor.

Andere Notenbanker dagegen haben sich für eine Mischung ausgesprochen, die eher die ausstehenden Anleihen am Markt widerspiegelt und damit längerfristige Papiere bevorzugen würde. Diese Strategie gilt auch als stimulierender für die Wirtschaft.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: US-Notenbank - Der Fed-Chef Powell sendet mit seiner Geldpolitik eine doppelte Botschaft

0 Kommentare zu "US-Notenbank: Der Fed-Chef Powell sendet mit seiner Geldpolitik eine doppelte Botschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote