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US-Notenbank Eine Milchmädchen-Rechnung sorgt für eine neue Debatte über die Fed

US-Präsident Donald Trump setzt US-Notenbankchef Jay Powell weiter unter Druck. Für zusätzliche Diskussionen sorgt eine Bilanz der Fed.
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Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen kommende Woche erneut anheben wird. Quelle: AP
Fed-Chef Jerome Powell

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen kommende Woche erneut anheben wird.

(Foto: AP)

New York Jay Powell hat eigentlich schon genug Ärger. Schon seit Monaten macht US-Präsident Trump Stimmung gegen den Chef der US-Notenbank Federal Reserve und deren Geldpolitik. Nun sorgt eine Debatte über die Bilanz der Fed für zusätzliche Diskussionen.

Würde die Fed ihr 4,1 Billionen Dollar schweres Anleihe-Portfolio zu Marktpreisen bewerten und verkaufen, wären im dritten Quartal Papierverluste in Höhe von 66,5 Milliarden Dollar anfallen. Das geht aus dem vierteljährlichen Finanzbericht der Notenbank hervor. Diese theoretische Lücke ist so groß wie noch nie und hat zu frischer Kritik an ihren Anleihekäufen geführt.

Die Notenbank hat während der Finanzkrise im großen Stil US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit gekauft, ebenso wie hypothekenbesicherte Anleihen, um die langfristigen Zinsen zu senken und so die Wirtschaft zusätzlich anzukurbeln. Damals waren die Zinsen ohnehin schon niedrig und somit die Kurse hoch.

Im dritten Quartal jedoch sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen zum ersten Mal seit sieben Jahren auf über drei Prozent geklettert und die Kurse, die sich stets entgegengesetzt zu den Renditen bewegen, gefallen. Das ist auch auf die Zinspolitik der Fed und die starke US-Wirtschaft zurückzuführen. Anders als in Europa steigen die Zinsen in den USA bereits seit Ende 2015 wieder und liegen derzeit in einer Spanne zwischen zwei und 2,25 Prozent.

Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank, hält diese Rechnung, die am Mittwoch von dem Finanzdienstleister Bloomberg aufgemacht wurde, jedoch für ein Strohfeuer. „Die Fed bewertet ihr Portfolio nicht zu aktuellen Preisen und verkauft auch ihre Anleihen nicht“, stellt er klar.

Zwar ist die Fed dabei, ihre Bilanzsumme jeden Monat um bis zu 50 Milliarden Dollar zu reduzieren. Doch das geschieht nicht über Verkäufe. Stattdessen lässt die Notenbank fällig werdende Anleihen schlicht auslaufen.

„So eine Diskussion kann als Munition dienen für jene Kritiker, die die wahre Sachlage nicht verstehen“, sagt Hooper. Vor allem die Republikaner im Kongress wollen die Fed stärker kontrollieren und an ihrer Unabhängigkeit rütteln. Ab Januar wird jedoch das Repräsentantenhaus von der demokratischen Partei geführt. Wie sich dadurch die politischen Forderungen verschieben, ist noch offen.

Demokraten haben die Fed zuletzt vor allem dafür kritisiert, dass sie mit ihrer Geldpolitik nach der Finanzkrise vor allem der amerikanischen Oberschicht geholfen habe, die anteilig deutlich mehr Wertpapiere besitzt. So sei die Ungleichheit im Land noch verstärkt worden.

Dank der Zinseinnahmen der bestehenden Anleihen überweist die Fed seit Jahren Überschüsse an das Finanzministerium, in den ersten neun Monaten des Jahres waren es knapp 52 Milliarden Dollar.
Die Renditen sind im laufenden vierten Quartal wieder gesunken. Es könnte also sein, dass sich dieses vermeintliche Problem zum Jahresende von ganz alleine löst.

US-Präsident Donald Trump machte erst am Dienstag erneut Druck auf Jay Powell. „Ich glaube, er ist ein guter Mann. Er tut, was er für richtig hält. Aber ich bin nicht einer Meinung mit ihm. Ich glaube, er ist zu aggressiv, deutlich zu aggressiv“, sagte Trump im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen kommende Woche erneut anheben wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei über 70 Prozent. Trump fordert schon länger eine langsamere Gangart von der Fed, um das von Steuersenkungen angetriebene Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden.

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