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US-Notenbank Fed-Chef Powell stellt baldige Zinssenkung in Aussicht

Jerome Powell liefert bei seiner Anhörung vor dem Kongress das erhoffte Signal an die Märkte: Eine Zinssenkung gilt als so gut wie sicher.
Update: 10.07.2019 - 20:52 Uhr Kommentieren
Der Fed-Chef sorgt sich um das Wachstum der US-Wirtschaft. Quelle: AFP
Jerome Powell

Der Fed-Chef sorgt sich um das Wachstum der US-Wirtschaft.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Eine Zinssenkung in den USA ist an diesem Mittwoch einen großen Schritt näher gerückt: Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, sieht durch den internationalen Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft weiterhin Risiken für die US-Konjunktur.

Um trotzdem ein nachhaltiges Wachstum zu sichern, stehe die Fed bereit, „angemessen zu handeln“, erklärte er an diesem Mittwoch laut vorab veröffentlichtem Redetext für eine Anhörung vor dem US-Kongress. Damit signalisierte er, dass die Fed noch in diesem Monat die Zinsen senken könnte.

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sprach von einem „deutlichen Signal“ für eine baldige Leitzinssenkung. Ökonom Michael Pond vom Finanzhaus Barclays sieht die Fed auf einen Zinsschritt zusteuern, der als Absicherung gedacht sein könne: „Falls sich die Wirtschaft abkühlt und die Fed den Zins senkt, tut sie eigentlich nichts anderes als das schwächere Wachstum auszugleichen.“

Zuletzt hatte sich die US-Notenbank im Juni getroffen und dort auf eine Zinssenkung verzichtet. Seitdem scheine es aber, „als ob Unsicherheiten in Bezug auf Handelsspannungen und Bedenken hinsichtlich der Stärke der Weltwirtschaft die US-Konjunkturaussichten weiterhin belasten“, so Powell.

Hinzu komme die Gefahr, dass sich die gedämpfte Inflation noch hartnäckiger halten könne als erwartet und sich somit nicht als vorübergehendes Phänomen erweise. Zudem hätten sich Investitionen „spürbar verlangsamt“ und das Wirtschaftswachstum habe ein mäßigeres Tempo angeschlagen.

Powell bediente damit die Erwartungen von Anlegern, dass die Fed in ihrer Sitzung am 30. und 31. Juli eine Zinssenkung beschließen wird. Diese Spekulationen waren zuletzt gedämpft worden, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht für den Juni überraschend stark ausgefallen waren. Anschließend rechneten Anleger laut Volkswirt Howie Lee von der OCBC Bank zwar weiterhin mit einer Zinssenkung, aber nicht mehr mit einem aggressiven Schritt.

Kursfeuerwerk an der Wall Street

Nach Bekanntgabe der US-Daten hatten Investoren eine Senkung des Leitzinses durch die Fed um einen halben Prozentpunkt für deutlich unwahrscheinlicher gehalten. Eine Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt Ende Juli galt dagegen als fast sicher, obwohl führende Notenbanker wiederholt betonten, dass eine Zinssenkung im Juli noch nicht ausgemachte Sache sei. Auch mehrere Volkswirte hatten nach dem Arbeitsmarktbericht gesagt, dass sie keine Notwendigkeit für eine Zinssenkung sähen.

Die Märkte reagierten auf Powells Aussagen umgehend: Die US-Indizes Dow Jones und Nasdaq sprangen jeweils auf ein Rekordhoch, der S&P 500 knackte sogar das erste Mal die Marke von 3000 Zählern. Der Dax legte um 80 Punkte zu und notierte zwischenzeitlich wieder im Plus, gleichzeitig stieg der Preis der Antikrisen-Währung Gold um mehr als 15 Dollar auf 1409 US-Dollar. Der Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen sank dagegen von 2,101 Prozent auf bis zu 2,046 Prozent ab.

Mit einer Zinssenkung würde Powell auch US-Präsident Donald Trump zufrieden stellen – zumindest vorübergehend. Dieser fordert unablässig niedrigere Zinsen und attackierte den Fed-Chef mehrfach wegen seiner strikten Geldpolitik. 2018 hatte die Fed den Schlüsselsatz vier Mal angehoben – zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, bevor sie eine Pause einlegte.

Bei der Befragung vor dem Kongress schloss Powell aber aus, sich Trumps Druck zu beugen und zurückzutreten. Das Gesetz sehe ein vierjähriges Mandat für den Fed-Chef vor, sagte er vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses. „Ich beabsichtige voll und ganz es zu erfüllen“, sagte Powell und bekräftigte damit nahezu wortgleich eine frühere Aussage.

Auch das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der Juni-Sitzung der Fed deutet eine Zinssenkung an. Niedrigere Zinsen sollten die Folgen des anhaltenden Zollkonflikts abfedern und die gedämpfte Inflation festigen, wie mehrere Währungshüter laut dem a vorschlugen.

Doch nicht alle Währungshüter zeigten sich von diesem Vorgehen überzeugt. Einige Mitglieder aus dem Führungskreis meinten, dass es noch keine „schlagenden Argumente“ für eine Lockerung gebe. Sie plädierten dafür, weitere Daten abzuwarten, bevor das Thema spruchreif sei.

Mehr: Schon lange fordert US-Präsident Trump vehement: Die Fed soll den Dollar schwächen, um im Handelskrieg zu helfen. Nun macht er mit einer Personalie zusätzlich Druck.

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