Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Notenbank Trump setzt zu einem neuen Angriff auf die Fed an

Schon lange fordert US-Präsident Trump vehement: Die Fed soll den Dollar schwächen, um im Handelskrieg zu helfen. Nun macht er mit einer Personalie zusätzlich Druck.
Kommentieren
US-Notenbank: Neuer Angriff auf die Fed von  Donald Trump Quelle: ddp/Xinhua/Sipa USA
Donald Trump und Jerome Powell

Trump will zwei Ökonomen als Gouverneure nominieren, um sein Vorhaben mit den niedrigen Zinsen durchzusetzen.

(Foto: ddp/Xinhua/Sipa USA)

New York Am Anfang war Jerome Powell noch „stark, engagiert und schlau“, und daher in den Augen von US-Präsident Donald Trump ein idealer Kandidat für den Chefposten der amerikanischen Notenbank. Doch die anfängliche Unterstützung, die ihm Trump bei der Nominierung im November 2017 entgegenbrachte, ist längst verflogen. Seit mehr als einem Jahr schon ist Powell immer neuen Angriffen aus dem Weißen Haus ausgesetzt.

Trumps neuester Coup: Er will zwei Ökonomen als Gouverneure nominieren, die mit seiner Forderung nach niedrigeren Zinsen konform gehen. Ein Name dürfte besonders Kontroversen auslösen: der von Trumps inoffizieller Beraterin Judy Shelton. Sie ist eine lautstarke Kritikerin der Notenbank und hat sich für eine neue Form des Goldstandards ausgesprochen, von dem sich die USA bereits in den 1970er-Jahren verabschiedet haben.

In einem Interview mit der „Financial Times“ Ende Mai träumte sie von einer neuen Konferenz im Stil von Bretton Woods, um das internationale Geldsystem zu reformieren. Wenn sich die Verantwortlichen dann „in Mar-a-Lago treffen, wäre das großartig“, fügte Shelton hinzu. Sie meint damit Trumps Golfklub in Florida, den er in der Vergangenheit immer wieder auch für offizielle Veranstaltungen nutzte.

Shelton arbeitet derzeit bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und hatte Trump im Wahlkampf 2016 in wirtschaftlichen Fragen beraten. Sie ist eine enge Verbündete von Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow und Weltbankchef David Malpass. Die Zinsen sollten „so schnell wie möglich runter“, forderte sie und stellte die Kompetenz der Fed, den richtigen Zinssatz zu finden, infrage.

Trumps zweiter Kandidat, Christopher Waller, ist weniger umstritten. Er leitet die Forschungsabteilung der regionalen Fed in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Eigentlich hatte sich Trump für Wallers Chef, den Fed-Regionalpräsidenten James Bullard interessiert. Doch der winkte ab. Bullard und Waller stimmen jedoch beide mit der Forderung des Präsidenten nach niedrigeren Zinsen überein.

Bullard war bei der jüngsten Fed-Sitzung im Juni das einzige Mitglied, das sich für eine Senkung ausgesprochen hat. Ob Waller und Sheldon, wenn sie formell nominiert sind, auch die Unterstützung des Senats bekommen, ist derzeit unklar. Für die zwei verbleibenden offenen Posten im Führungsgremium der Fed hatte Trump in den vergangenen Monaten bereits vier Kandidaten vorgeschlagen, von denen er keinen einzigen durchsetzen konnte.

Klar ist jedoch, dass der politische Druck auf Fed-Chef Powell anhalten wird und den Ruf der Fed beschädigen könnte. Powell gerät mehr und mehr in die Defensive. Politische Attacken auf die Notenbank galten in den USA lange Zeit als Tabu. Seit Beginn der verbalen Angriffe aus dem Weißen Haus haben Powell und viele andere Notenbanker immer wieder betont, sich lediglich von ökonomischen Daten leiten zu lassen statt von Wünschen der Regierung.

Doch Trumps aggressives Vorgehen im Handelsstreit mit China schlägt sich längst auch in der Wirtschaft nieder und hat die Fed im Januar bereits zu einer großen Kehrtwende bewogen. Nachdem die Notenbanker die Zinsen im vergangenen Jahr vier Mal anhoben, verkündete Powell im Januar eine Zinspause.

Bei der jüngsten Fed-Sitzung im Juni deutete er nun an, dass die Fed auch eine Zinssenkung für möglich hält. Sollte die Fed die Zinsen nun tatsächlich senken, wie es viele Marktteilnehmer erwarten, läuft sie indes Gefahr, so zu wirken, als würde sie den Forderungen des Präsidenten endlich folgen.

Aktienmärkte reagieren euphorisch

Den Aktienmärkten jedenfalls hat die Aussicht auf niedrigere Zinsen in dieser Woche zu neuen Höhenflügen verholfen. Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 erreichte am Mittwoch kurz nach Handelsstart ein neues Allzeithoch von 9 282 Punkten, nachdem er bereits am Montag, nach dem Treffen der G20-Staaten einen Rekord gebrochen hatte.

Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping hatten im Handelsstreit zwar keine Lösung, aber immerhin einen Waffenstillstand vereinbart, bis die Details eines neuen Handelsabkommens ausgearbeitet werden. Auch die Technologiebörse Nasdaq und der Leitindex Dow Jones lagen im Plus.

Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater der Allianz, warnt vor einer gefährlichen Dynamik. Lange Zeit habe die Fed mit ihren Entscheidungen den Ton an den Märkten angegeben. Nun habe sich diese Dynamik jedoch umgedreht. Die Fed hat sich im Januar nach heftigen Kurseinbrüchen im vierten Quartal zu einer Zinspause bewegen lassen, um die Märkte zu beruhigen.

Nun scheinen die Investoren die Oberhand zu gewinnen: Sie versuchen, die Fed zur Zinssenkung zu bewegen. „Die Fed wurde in letzter Zeit von den Märkten angeführt“, sagte El-Erian dem Börsensender Bloomberg TV. Er rät dazu, die Zinsen nicht zu schnell und zu stark zu senken. „Der Wirtschaft geht es ja immer noch gut“, sagt El-Erian, und die Fed brauche dringend Puffer, um in der nächsten Krise angemessen reagieren zu können.

Trump, der ewige Kämpfer, hat unterdessen einen neuen Streit mit der Fed angefangen. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte, kritisierte Trump zunächst den europäischen Notenbankchef Mario Draghi dafür, den Euro relativ zum Dollar zu schwächen.

Dann forderte er Powell jedoch auf, ebenfalls einen schwächeren Dollar anzustreben. Powell geriet wieder einmal in die Defensive und ließ durchblicken, dass das nicht seine Aufgabe sei. „Das Finanzministerium, die Regierung, ist verantwortlich für die Wechselkurspolitik. Punkt“, stellte Powell Ende Juni bei einem Auftritt in New York klar.

„Wir äußern uns nicht zum Niveau des Dollars. Und sicher beeinflussen wir das Niveau auch nicht. Wir zielen auf ökonomische und finanzielle Bedingungen, wie andere Notenbanken auch.“ Powell lässt sich wie viele Notenbanker nicht so schnell aus der Ruhe bringen, doch der Frust, der in diesen Worten mitschwingt, ist nicht zu überhören.

Am Mittwoch legte Trump noch einmal nach: „China und die EU spielen ein großes Spiel der Währungsmanipulation. Sie pumpen Geld ins System, um mit den USA zu konkurrieren. Wir müssen da mitmachen, sonst sind wir weiter die Dummen, die höflich zusehen, wie andere Länder ihre Spiele spielen“, twitterte er. Trumps Forderung gilt einer Abkehr der Politik des starken Dollars, die die US-Wirtschaft jahrzehntelang prägte.

Nathan Sheets, Chefökonom des Vermögensverwalters PGIM, der selbst 18 Jahre bei der Fed gearbeitet hat, sieht darin ein „neues Kapitel, wenn es um die Strategie und das Management der US-Währung geht“. Auch in Trumps eigener Partei sorgen die Angriffe auf die Fed für Kritik. „Es ist sehr wichtig, dass Powell und die Fed ihren Job machen dürfen.

Die Fed ist eine unabhängige Institution und sollte das auch bleiben“, betonte Senator John Kennedy, der im Bankenausschuss sitzt. Doch von Druck aus der Partei hat sich Trump noch nie beeinflussen lassen

Mehr: Donald Trump verleiht seiner Forderung nach niedrigen Zinsen zum wiederholten Male Ausdruck – und greift seinen Notenbankchef persönlich an.

Startseite

Mehr zu: US-Notenbank - Trump setzt zu einem neuen Angriff auf die Fed an

0 Kommentare zu "US-Notenbank: Trump setzt zu einem neuen Angriff auf die Fed an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote