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US-Notenbankchef „Alle Instrumente nutzen” – Powell sagt höchster Inflation seit 40 Jahren den Kampf an

Der Fed-Chef nennt bei einer Anhörung vor dem US-Senat Details zur geplanten Kehrtwende in der Geldpolitik. „Es ist noch ein weiter Weg zu Normalität“, stellte er klar.
11.01.2022 Update: 11.01.2022 - 18:36 Uhr 4 Kommentare
Der US-Notenbankchef wurde vom US-Präsidenten für eine zweite Amtszeit nominiert. Quelle: Reuters
Jerome Powell

Der US-Notenbankchef wurde vom US-Präsidenten für eine zweite Amtszeit nominiert.

(Foto: Reuters)

New York Jerome Powell drängt auf eine schnelle geldpolitische Wende. Angesichts der hohen Inflation in den USA werde die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) „alle Instrumente nutzen, um die Wirtschaft und einen starken Arbeitsmarkt zu stützen und um zu verhindern, dass sich die Inflation festsetzt“, sagte der US-Notenbankchef bei einer Senatsanhörung am Dienstag.

US-Präsident Joe Biden hatte Powell für eine zweite Amtszeit nominiert, der Senat muss diese nun jedoch bestätigen. Powell muss die Senatoren und die Märkte von seiner neuen Strategie überzeugen. Lange hielt der Fed-Chef an seiner Einschätzung fest, dass die steigenden Preise nur ein vorübergehendes Phänomen seien.

Nun muss die Fed sich von der ultralockeren Geldpolitik verabschieden, „und zwar schnell“, wie der ökonomische Chefberater der Allianz, Mohamed El-Erian, betont. Die Fed müsste nun „überstürzt in die Offensive gehen, das ist riskant“, schrieb er in einem Gastbeitrag für den Finanzdienstleister Bloomberg. Sie laufe Gefahr, eine Rezession zu riskieren, wenn sie die Zinsen zu schnell anziehe.

Immer wieder musste Powell erklären, warum nun so eine drastische Kehrtwende notwendig sei. Der Fed-Chef habe „wie viele andere Ökonomen geglaubt, dass sich die Probleme bei den Lieferketten mittlerweile gelöst hätten“, räumte er ein. Nun sei jedoch klar, dass dies nicht der Fall sei.

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    Die neue und hochansteckende Omikron-Variante habe gezeigt, dass es noch monatelang zu Verzögerungen kommen könnte. Das werde weiterhin Druck auf die Preise ausüben. „Wir gehen davon aus, dass die hohe Inflation noch bis zur Jahresmitte anhalten wird“, so Powell.

    Experten erwarten, dass Inflation weitersteigt

    Das bringt den Fed-Chef in eine schwierige Lage. Er will einen Einbruch der Wirtschaft vermeiden, gleichzeitig jedoch die hohen Preise bekämpfen. „Wir wissen, dass die hohe Inflation ihren Tribut fordert“, stellte er klar. Die stark gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Wohnraum und Benzin träfen besonders Amerikaner mit geringen Einkommen.

    Genau jene Menschen wollte er eigentlich stützen mit seiner lockeren Geldpolitik, die sowohl den Aktienmärkten als auch dem Arbeitsmarkt Rückenwind gab, jedoch die Preise weiter nach oben trieb. Die Teuerungsrate ist im November auf 6,8 Prozent gestiegen – das ist der höchste Wert seit 1982.

    Am Mittwoch werden frische Inflationsdaten erwartet. Von Reuters befragte Experten rechnen mit einem Anstieg auf sieben Prozent. Das sei „deutlich über der avisierten Preissteigerungsrate“, gab Powell zu bedenken. Die Fed zielt im Schnitt auf eine Inflation von zwei Prozent ab.

    Die Geldpolitiker signalisierten im Dezember, dass sie in diesem Jahr dreimal die Zinsen anheben könnten. Ökonomen von Goldman Sachs rechnen mit vier Zinsschritten. Jamie Dimon, CEO der Großbank JP Morgan Chase, glaubt, dass es sogar noch mehr sein könnten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir Preisstabilität erreichen können“, betonte Powell gegenüber den Senatoren.

    Auch ein Abbau der Bilanzsumme wird diskutiert

    Die Fed ist bereits dabei, die Notfallprogramme zurückzufahren, die sie in der Pandemie ins Leben gerufen hatte, um die Märkte zu stützen. Weiter diskutiert werde auch ein Abbau der Bilanzsumme, die in der Krise auf knapp neun Billionen Dollar angewachsen ist. „Sie ist deutlich größer, als sie sein muss“, stellte Powell klar.

    Wann die Fed mit der Reduzierung beginnen wird und wie die Strategie genau aussehen soll, ließ Powell indes noch offen. Die Geldpolitiker hätten darüber bereits bei ihrem jüngsten Treffen im Dezember diskutiert. Das Thema werde auch bei der kommenden Sitzung im Januar erneut auf der Tagesordnung stehen. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen“, so Powell. Es dauere für gewöhnlich „zwei, drei oder vier Sitzungen, bis die besten Ideen generiert werden“.

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    An den Märkten wird spekuliert, die Fed könnte schon im März die Zinswende einleiten und sich gegen die stark steigenden Preise stemmen. Äußerungen des Chefs des Notenbankbezirks Atlanta, Raphael Bostic, stützen diese Annahme.

    Die US-Notenbank Fed müsse die Inflationsgefahr rasch und kraftvoll bekämpfen, sagte Bostic in einem Interview am Dienstag. Der erhöhte Preisdruck werde womöglich längere Zeit andauern, warnte er. „Wir müssen direkt, klar und aggressiv reagieren.“ Die Fed-Sitzung im März biete womöglich „eine angemessene Möglichkeit“ für eine Zinswende.

    Fed-Vize tritt vorzeitig ab

    Am Donnerstag wird auch seine designierte Stellvertreterin Lael Brainard vom Ausschuss angehört. Die langjährige Fed-Direktorin soll den jetzigen Vize Richard Clarida ablösen. Nach einer Affäre um Wertpapiergeschäfte tritt dieser vorzeitig ab. Er werde am 14. Januar seinen Hut nehmen, hieß es am Montag auf der Webseite der Fed.

    Claridas Amtszeit läuft erst am 31. Januar aus. Medienberichten zufolge schichtete Clarida im Februar 2020 einen Tag vor einer wichtigen Ankündigung von Fed-Chef Powell sein Portfolio um. Zuletzt hieß es zudem in Medienberichten, Clarida habe Ende Dezember seine finanziellen Angaben korrigiert. Die Vorgänge reihen sich ein in die Affäre um Handelsaktivitäten hochrangiger US-Notenbanker, die 2021 zum Rücktritt von zwei Fed-Führungskräften führte.

    Biden ist bemüht, bei seiner Nominierungspraxis für vakante Stellen im Direktorium der Fed für mehr Diversität zu sorgen – also mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten zum Zuge kommen zu lassen.

    Medienberichten zufolge ist die jüngst zur Direktorin bei der Fed Chicago ernannte Ökonomieprofessorin Lisa Cook eine heiße Anwärterin auf einen der Fed-Führungsposten. Zudem könnte die frühere Fed-Direktorin Sarah Raskin an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. Als weiterer Kandidat für einen Direktorenposten gilt der afroamerikanische Ökonom Philip Jefferson.

    Mit ihrem deutlichen Strategieschwenk hatte die Fed zuletzt immer wieder für Turbulenzen an den Märkten gesorgt. Am Dienstag blieben die Investoren jedoch gelassen. Die Nasdaq, die in den vergangenen Tagen aus Sorge vor steigenden Zinsen stark unter Druck gekommen war, notierte bis zum Mittag im New Yorker Handel 1,2 Prozent im Plus. Auch der Leitindex Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 legten leicht zu.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Claridas Amtszeit sollte eigentlich Ende Januar enden. Doch ein neuer Bericht über Wertpapierverkäufe hat den Druck auf den Fed-Vize offenbar erhöht

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    4 Kommentare zu "US-Notenbankchef: „Alle Instrumente nutzen” – Powell sagt höchster Inflation seit 40 Jahren den Kampf an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr Helmut Metz
      Ob die Maßnahmen der Zentralbanken die Verkäufer der fossilen Rohstoffe beeindrucken wird, ist fraglich. Die Weltbevölkerung wächst, die asiatischen Tiger-Staaten kommen zu Wohlstand und verbrauchen mehr fossile Rohstoffe. Warum sollten die Scheichs und die anderen Potentaten, die alle jede Menge Geld benötigen, die Preise für Gas und Öl senken?
      Wir sind nicht in den 1970er Jahren, damals hatte der Westen noch viel mehr globale Einflussmöglichkeiten, China war unbedeutend. Die höheren Energiepreise, die in fast jeder Ware durchschlagen, werden von Konsumenten als Inflation gedacht. Inflation ruft bei altbackenen Ökonomen ein Denken an Zinserhöhungen hervor. Diese Denk-Kette könnte sich diesmal als fundamental falsch erweisen, denn wir haben es mit Machtspielen zu tun, denen nicht durch Zinserhöhungen begegnet werden kann. Die Anbieter der fossilen Rohstoffe sind noch für Jahre mächtiger denn je. Deren Erpressung ist nur zu entkommen durch die Erneuerbaren, in die weltweit viel zu wenig investiert wurde. In vielen Weltgegenden rechnen sich die Erneuerbaren mit super Renditen. Das ist der Weg, allein aus ökonomischen Gründen, CO2-Aspekte sind willkommener Zusatz-Nutzen (Abfallnutzen). Zinserhöhungen werden eine Rezession hervorrufen, aber die Energiepreise nicht wesentlich sinken lassen, denn am Roh-Öl-Hahn sitzt keine Zentralbank, sondern die Machthaber der Hof- und Gottes-Staaten.

    • - Fortsetzung 2 -

      -->> Da die EZB also die Leitzinsen gar nicht mehr stark anheben KANN, aber auch die Kontrolle über den Bondmarkt immer schwerer wird, liegt es also vor allem an den EZB-Notenbankern, den Regierungen der EUR-Zone unmissverständlich deutlich zu machen, was passieren wird, wenn sie nicht schleunigst die zerstörerischen Corona-"Maßnahmen", die schon jetzt deren Volkswirtschaften an den Rand des Ruins gebracht haben, beenden!

    • - Fortsetzung -

      Das heißt: sowohl Schuldenlast als auch Refinanzierungskosten des Bundes werden monströs ansteigen - oder anders formuliert: die deutschen Corona-"Maßnahmen"-Politiker arbeiten sich immer näher an die Staatspleite heran!"
      https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/pandemie-in-deutschland-kuerzere-quarantaene-strengere-kontaktregeln-diese-corona-beschluesse-diskutieren-bund-und-laender-am-freitag/27948242.html


      Ach ja: Wie sieht der Chart vom 05.01. heute aus??

      https://www.tradingview.com/x/4C384Erj/

      Der Kurseinbruch einen Tag später am 06.01. wurde detektiert, und es wurde hier vorgewarnt.
      So gut wie alle Länder der EUR-Zone können sich aber keine stark steigenden Zinsen mehr leisten! Warum das in den USA etwas anders ist, habe ich hier beschrieben:

      "Der USD ist immer noch die WeltLEIDwährung - und er wird alleine schon deshalb nachgefragt.
      Die Fed kann es sich daher auch weitaus eher leisten, die Leitzinsen anzuheben (obwohl das ganz und gar nicht schadenfrei ausgehen wird) als die EZB, zumal in Amiland auch noch mehr (Wirtschafts-)Party gefeiert wird - insbesondere natürlich in den US-Bundesstaaten, in denen es fast keine verheerenden Corona-"Maßnahmen" gab und gibt!!
      Die PARTYCRASHER haben aber in Euroland ganze Arbeit geleistet - und sie haben immer noch nicht genug (bzw. genug Schaden angerichtet)!! Es gibt daher genau gar keinen Grund mehr, in der Eurozone zu investieren - und dafür braucht man eben EUR."
      https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/fed-protokolle-sorge-vor-hoher-inflation-fed-bereitet-maerkte-auf-noch-aggressiveren-kurswechsel-vor/27950142.html


    • Super! Man muss einen Notenbanker auch einmal loben.
      Damit setzt die Fed nämlich erst einmal die US-Regierung unter Druck: nämlich den Weg zur Normalität nicht weiterhin durch freiheitsverachtende Corona-"Maßnahmen" zu verhindernn, sondern vielmehr hier erst einmal endlich wieder zur Normalität zurückzukehren!
      Das ist ein weiterer Schuss vor den Bug; - den ersten hat bereits der Bondmarkt durch steigende Kapitalmarktzinsen abgefeuert - und weitaus stärker noch als an die US-Regierung war er an die Regierungen der EUR-Zone gerichtet. Siehe dazu noch einmal mein Kommentar vom 05.01.:


      "" Die stärkste Kraft im Universum ist der Zinseszins." (Abert Einstein zugeschrieben)

      "The most powerful force in the universe isn’t love: It’s the bond markets.” (Ash Bennington)

      Wenn Politiker vollkommen außer Rand und Band und im Begriff sind, mit immer irreren Maßnahmen aufgrund eines Virus´ mit einer Letalitätsrate von ca. 0,3% (in Ländern mit gutem Gesundheitssystem weitaus niedriger) die Wirtschaft zu ruinieren (die fatalen Folgen für die Gesellschaft lassen wir jetzt einmal ganz außen vor), und sie vollkommen resistent gegen jegliche Warnungen sind, dann kann sie eben nur noch das Zusammenspiel dieser zwei stärksten Kräfte des Universums zur Raison bringen. Christian Lindner, der als Finanzminister vermutlich die meiste Ahnung von der Materie hat, sollte insbesondere seinem Kollegen aus dem Gesundheitsministerium einmal stecken, was es mit diesem Chart auf sich hat:

      https://www.tradingview.com/x/Sk7aVEEn/

      Ich kann das aber auch tun: Steigen die Yields, dann fallen die Kurse der Staatsanleihen - und sie werden weiter fallen, weil zum Glück auch die Zentralbank diesen Forderungs-Sondermüll "indirekt" nun gedrosselt / weniger aufkauft. Sollten die Corona-"Maßnahmen" wieder drastisch verschärft werden, oder sollte gar wieder zugesperrt werden, dann werden die Yields erst recht explodieren.

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