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US-Stresstests Der Deutschen Bank droht neuer Ärger

Die US-Notenbank Fed veröffentlicht den zweiten und letzten Teil des Stresstests. Beobachter fürchten: Die Deutsche Bank könnte erneut durchfallen.
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Setzen, Sechs! Deutsche Bank fällt bei Stresstest durch

New York Die erste Runde vergangene Woche haben alle 35 getesteten Banken bestanden. Nun jedoch veröffentlicht die US-Notenbank Federal Reserve den eigentlich wichtigeren Teil des Stresstests: die sogenannte umfassende Kapitalanalyse (Comprehensive Capital Analysis and Review, oder kurz CCAR).

Dabei schaut die Fed, die ein wichtiger Aufseher großer Banken ist, vor allem auf qualitative Aspekte. „Die qualitative Analyse soll sicherstellen, dass die Banken starke Mechanismen haben, um ihren Kapitalbedarf zu identifizieren und materielle Risiken zu managen“, heißt es bei der Fed. Sie erwartet, dass die Institute „starke interne Kontrollen haben und das Top-Management und der Verwaltungsrat das Geschäft effektiv beaufsichtigen können“.

Wer den Test besteht, darf Dividenden auszahlen oder Aktien zurückzukaufen. Bei ausländischen Banken, die – wie die Deutsche Bank – eine Holding in den USA haben, geht es um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen. Die Fed hat hier einiges an Ermessensspielraum, daher können sich Banken nicht im Detail auf diesen Teil des Tests vorbereiten.

Diese drei Fragen stehen im Fokus:

1. Wie schneidet die Deutsche Bank ab?

Zwei Mal schon ist die Deutsche Bank bei den amerikanischen Stresstests durchgefallen, 2015 und 2016. In diesem Jahr unterscheidet sich die Prüfung jedoch von den Tests der Vergangenheit. Zum ersten Mal muss sich das gesamte US-Geschäft der Kontrolle unterziehen. Die Bank hat dafür in den vergangenen Jahren die neue Zwischenholding, Deutsche Bank USA DB geformt, die 133 Milliarden Dollar an Vermögenswerten umfasst, rund sieben Prozent der weltweiten Assets der Bank. 2015 und 2016 dagegen wurde nur die sogenannte DB Trust Corporation getestet, die nur rund 15 Prozent der Vermögenswerte in den USA ausmachte. Die Ergebnisse eines Testlaufs im vergangenen Jahr wurden nicht veröffentlicht.

Analysten zufolge ist es wahrscheinlich, dass die Bank in diesem Jahr erneut durchfallen wird. Schon lange hat das Frankfurter Geldinstitut Probleme mit den US-Regulierern. Erst vor Kurzem sickerte durch, dass die Fed die US-Aktivitäten der Bank bereits im vergangenen Jahr mit einem schlechten Rating versehen hatte. Daraufhin landete das Institut auf der Liste der „Problembanken“ bei der US-Einlagensicherung FDIC.

Kapital- oder Liquiditätsprobleme waren nicht der Grund dafür. In Aufsichtskreisen heißt es, die Fed habe Punkte im Risikocontrolling und Datenmanagement bemängelt. „Ich sehe nicht, wie die Notenbank die Deutsche Bank bestehen lassen kann“, sagt der unabhängige Bankberater Chris Whalen.

Insgesamt haben es europäische Banken schwerer als die amerikanischen Konkurrenten, die sich bereits seit 2013 den Tests in dieser Form unterziehen und mit ihnen gewachsen sind. „US-Banken hatten mehr Zeit, sich auf den CCAR-Test einzustellen und haben in den vergangenen Jahren bereits ihre Erfahrungen damit gemacht“, sagt McKinsey-Partner John Walsh, der den Bereich Finanzmarktregulierung leitet.

Neben der Deutschen Bank werden auch die neu organisierten US-Töchter von UBS, Credit Suisse, Barclays, RBC und BNP Paribas in diesem Jahr zum ersten Mal geprüft.

Ein weiterer Nachteil der Europäer: Sie müssen bestimmte Geschäftsbereiche abgrenzen, die für die US-Regulierer relevant sind. Das gelingt nicht immer zur Zufriedenheit der Aufseher. „Wenn eine Bank eine globales Handelsgeschäft hat, ist es manchmal schwierig, das US-Segment zu isolieren und separat zu messen“, gibt Walsh zu bedenken.
Auch andere Institute könnten daher nachbessern müssen. „Sollte es unerwartete Resultate geben, wird das wahrscheinlich bei den sechs ausländischen Banken der Fall sein“, vermutet Jaret Seiberg vom Analysehaus Cowen.

2. Welche US-Banken schwächeln?

Vor allem eine Bank könnte Ärger mit der Fed bekommen. Wells Fargo kämpft seit zwei Jahren mit diversen Skandalen, um Scheinkonten, unnötig abgeschlossenen Versicherungen und falscher Beratung von Kleinanlegern. Die Fed hatte der Bank aus San Francisco bereits im Februar scharfe Auflagen aufgezwungen. So hat sie nun eine Wachstumssperre. Die Bilanzsumme des Instituts darf die Marke von zwei Billionen Dollar nicht überschreiten. Das ist das Niveau von Ende 2017.

In allen Skandalen wurde deutlich, dass interne Kontrollsysteme versagt haben und die Probleme immer noch nicht beseitigt sind – ein klares Indiz also, dass die qualitativen Vorgaben der Notenbank nicht erfüllt sind. Sollte die Fed Wells Fargo dennoch durchwinken, könnte das ein falsches Signal an andere Banken senden, aber auch an die breite Öffentlichkeit.

3. Wie viel Kapital dürfen die US-Banken ausschütten?

Den großen Wall-Street-Häusern geht es so gut wie lange nicht mehr. Sie schreiben – auch dank der Steuerreform der Trump-Regierung – Rekordgewinne, profitieren von steigenden Zinsen, einer wachsenden US-Wirtschaft und von Mega-Deals. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren.

Wenn die Federal Reserve ihr Okay gibt, wollen die 22 größten Banken des Landes 170 Milliarden Dollar für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgeben. Gut 25 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie die Investmentbank Barclays berechnet hat. JP Morgan Chase, Amerikas größte Bank, könnte die Dividende um 50 Prozent anheben. Citigroup plant, zehn Prozent der Aktien zurückzukaufen. Das wäre eine der größten Rückkauf-Aktionen in der Geschichte der Wall Street. Insgesamt erwarten Investoren, dass die Banken ihre gesamten Gewinne in den kommenden zwölf Monaten an die Aktionäre ausschütten. In einigen Fällen könnte die Quote sogar bei über 100 Prozent liegen.

Lediglich Goldman Sachs und Morgan Stanley könnten Schwierigkeiten bekommen. Die kamen vergangene Woche bei einer wichtigen Verschuldungsquote überraschend dicht an eine Richtgröße der Fed heran. Ob sie daraufhin ihre Ausschüttungspläne nach unten korrigieren müssen, bleibt abzuwarten.

Den Bank-Aktien insgesamt jedoch könnten die Ergebnisse einen willkommenen Auftrieb geben. Der S&P 500 Financials Index ist 13 Tage infolge gefallen – das ist der längste Minusrekord aller Zeiten. Eine flacher werdende Zinskurve, Verunsicherung durch die Handelspolitik von Präsident Donald Trump und ein zuletzt gesunkenes Verbrauchervertrauen haben auf die Kurse gedrückt.

Jeff Schulze, Investment-Stratege der Legg-Mason-Tochter Clearbridge Investments, erwartet eine Erholung nach den Stresstest-Ergebnissen. „Banken haben seit der Finanzkrise erfolgreich die Kosten gesenkt, Filialen geschlossen und in mobiles Banking investiert“, stellt er klar. „Mit den erwarteten Aktienrückkäufen sehen wir sie als eine der Anführer im S&P 500.“

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