Verbraucherpreise Februar Schwache Inflation dämpft Hoffnung auf baldige Zinserhöhung

Nur noch 1,2 Prozent: Die Teuerungsrate in der Euro-Zone geht im Februar im Vergleich zum Vormonat zurück. Das dürfte EZB-Chef Draghi nicht gefallen.
Update: 28.02.2018 - 12:46 Uhr 1 Kommentar
Die Inflation ist immer noch deutlich unter dem Zielwert der europäischen Notebnbanker. Quelle: dpa
Verbraucherpreise

Die Inflation ist immer noch deutlich unter dem Zielwert der europäischen Notebnbanker.

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LuxemburgTrotz massiver Geldspritzen der EZB ist die Inflation in der Euro-Zone im Februar dieses Jahres nicht gestiegen, sondern hat sich leicht abgeschwächt. Die Teuerungsrate sank im Februar auf 1,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte.

Volkswirte hatten mit dem Rückgang gerechnet. Die Inflation im Euro-Raum ist im Februar damit so niedrig wie seit Dezember 2016 nicht mehr. Im Januar waren es noch 1,3 Prozent, im Dezember des vergangenen Jahres noch 1,4 Prozent. Die Kernrate, bei der schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, verharrte im Februar wie erwartet bei 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft knapp zwei Prozent an.

Die Konjunktur brummt im Euro-Raum, doch die Inflation ziert sich, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Als Grund nennen Experten unter anderem die immer noch vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern. Das verhindert dort stärkere Lohnerhöhungen, in deren Folge viele Unternehmen oftmals die Preise anheben.

Als weiterer Grund gilt auch der Höhenflug des Euro, der binnen eines Jahres um 15 Prozent zum Dollar aufgewertet hat. Das sorgt für niedrige Preise bei den Importen und dämpft den Anstieg der Verbraucherpreise, erklärte DZ-Bank-Ökonom Christoph Swonke. Die Experten der Commerzbank gehen davon aus, dass der Tiefpunkt bei der Inflation aber nun erreicht ist und die Rate im Sommer bei etwa zwei Prozent liegen wird. Dies wird es der EZB erleichtern, das Auslaufen des Anleihenkaufprogramms Ende 2018 zu rechtfertigen, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Die schwache Preisentwicklung ist derzeit das größte Hindernis für einen rascheren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der EZB. Die Euro-Wächter pumpen seit fast drei Jahren über den Kauf von Anleihen enorme Geldsummen in das Finanzsystem, um für mehr Inflation zu sorgen.

Im Zuge der jüngsten Konjunkturerholung wurde das monatliche Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro halbiert. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende September laufen. Wie es danach weiter geht, hängt entscheidend davon ab, wie sich die Inflation entwickelt, hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Montag unterstrichen. Die Notenbank werde die Transaktionen erst beenden, wenn sie noch stärker von einem Anziehen der Inflation überzeugt sei.

Größter Preistreiber war laut dem Statistikamt Energie, die sich mit 2,1 Prozent aber nicht mehr ganz so stark verteuerte wie noch zu Jahresbeginn. Auch bei Lebensmitteln, Alkohol und Tabak fiel der Preisaufschlag mit 1,1 Prozent geringer aus. Dienstleistungen verteuerten sich dagegen mit 1,3 Prozent etwas stärker als zuletzt.

Auch in Deutschland hatte sich der Anstieg der Verbraucherpreise zum Beginn des Jahres weiter verlangsamt. Im Februar lag die Jahresteuerungsrate bei 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am gestrigen Dienstag anhand vorläufiger Daten in Wiesbaden mitteilte. Im Januar waren es noch 1,6 Prozent, im Dezember 2017 sogar noch 1,7 Prozent.

Anders ist die Situation in den USA: Der neue Fed-Chef bekräftigte in seiner ersten Anhörung vor US-Repräsentantenhaus die gestiegenen Inflationsaussichten. Seine Zuversicht, dass die Teuerung anziehen werde, habe zugenommen, sagte er. Sollte die Konjunktur zu sehr heißlaufen, werde die Fed die Zinsen schneller anheben. Manche Anleger rechnen für dieses Jahr mit vier statt mit drei Zinserhöhungen.

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1 Kommentar zu "Verbraucherpreise Februar: Schwache Inflation dämpft Hoffnung auf baldige Zinserhöhung"

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  • Glaubt irgend jemand ernsthaft, dass Draghi den Zins erhöhen wird? Aber nicht der Zins ist das größte Problem, sondern die Anleihenkäufe der EZB, die eigentlich nicht erlaubte Staatsfinanzierung. Auch die wird er z.G. seiner italienischen Feunde nicht aufgeben.

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