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Verbraucherpreise in Deutschland Inflationsrate im Juni bei 2,3 Prozent – Preisauftrieb schwächt sich etwas ab

Die Teuerungsrate hält sich über dem Zielwert der EZB für den Euro-Raum. Im weiteren Jahresverlauf könnte die Inflation nochmals anziehen – bis auf vier Prozent.
29.06.2021 Update: 29.06.2021 - 15:29 Uhr Kommentieren
Die steigenden Energiepreise sind ein wichtiger Treiber für die Inflation. Quelle: dpa
Betankung eines Mehrfamilienhauses

Die steigenden Energiepreise sind ein wichtiger Treiber für die Inflation.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bislang kannte die Inflationsrate in diesem Jahr nur eine Richtung – nach oben: Hatte sie im Dezember noch bei minus 0,3 Prozent gelegen, erreichte sie im Mai mit 2,5 Prozent den höchsten Stand seit knapp zehn Jahren. Und für die zweite Jahreshälfte erwarten Experten einen Anstieg auf zeitweise bis zu vier Prozent, auch wenn sich der Preisauftrieb nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts im Juni auf 2,3 Prozent leicht abgeschwächt hat.

In den USA hat die Inflationsrate bereits den Wert von fünf Prozent erreicht. Das sorgt vor allem in Deutschland für Ängste. Die meisten Ökonomen gehen aber davon aus, dass es sich nur um einen vorübergehenden Pandemieeffekt handelt. Sie rechnen ab 2022 wieder mit niedrigeren Preissteigerungen. Angesichts fehlender Erfahrungen mit einer Krise wie Corona gibt es Unsicherheit über die langfristigen Folgen. „Die Entwicklung ist derzeit stark durch temporäre Effekte der Corona-Pandemie beeinflusst“, sagt Carsten Brzeski, Ökonom der niederländischen Großbank ING. „Wir brauchen keine Angst vor einer galoppierenden Inflation zu haben.“

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Er rechnet damit, dass die Inflationsrate ab 2022 wieder deutlich niedriger ausfällt. Zunächst wird es im Juni aber wahrscheinlich einen weiteren Preisschub geben. Dann nämlich macht sich der Effekt durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr bemerkbar.

Die Bundesregierung hatte ab Ende Juni 2020 den Satz von 19 auf 16 Prozent reduziert. Dadurch fällt die Preisentwicklung nun ab Juli im Vergleich zu den niedrigeren Vorjahreswerten entsprechend höher aus. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank Holger Schmieding erwartet, dass allein dadurch die Inflation „um mindestens einen Prozentpunkt steigt“.

Wichtigster Preistreiber waren im Juni wie schon zuvor die Energiepreise, die 9,4 Prozent zum Vorjahr zulegten. Hier macht sich bemerkbar, dass der Ölpreis im vergangenen Jahr wegen der Pandemie stark gesunken war. Im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten legt er nun kräftig zu. Neben den Energiepreisen und der Mehrwertsteuer machen sich in Deutschland außerdem noch andere Sondereffekte bemerkbar, wie die CO2-Abgabe, die zu Jahresbeginn eingeführt wurde. Hinzu kommen derzeit Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern, Holz und Plastik.

Die Produzenten hatten in der Pandemie ihr Angebot zurückgefahren und haben nun Probleme, die anziehende Nachfrage zu decken.

Dass viele dieser Faktoren nur einmalige Effekte sind, ist unter Ökonomen weitgehend unstrittig. Die Frage ist, ob sie dennoch eine Eigendynamik entfachen können, also sogenannte Zweitrundeneffekte. ING-Ökonom Brzeski sieht vor allem die Möglichkeit, dass Unternehmen im aktuellen Umfeld die höheren Preise, die sie für Vorprodukte zahlen müssen, an ihre Kunden weiterreichen. Ähnlich sieht das auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Die Unternehmen beginnen schließlich, die massiv gestiegenen Vorproduktpreise an die Verbraucher weiterzugeben“, sagt er.

Löhne sind für Inflation entscheidend

Bedeutender ist aber, was mit den Löhnen passiert. Wenn der Preisanstieg dazu führt, dass Gewerkschaften höhere Löhne fordern, könnte das eine Spirale aus steigenden Preisen und Löhnen in Gang setzen. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum in der Corona-Pandemie gestiegen. Zum Teil wird dies durch Kurzarbeit und andere Maßnahmen verdeckt. Dadurch ist die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer gering – was gegen höhere Löhne spricht. „Der Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland und im Euro-Raum hat sich bis zuletzt verlangsamt,“ sagt Commerzbank-Ökonom Krämer.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte jüngst im Interview mit dem Handelsblatt gesagt: „Eine hartnäckig steigende Inflation würde unter anderem überschießende Löhne voraussetzen. Dafür haben wir derzeit keine Anhaltspunkte.“ Für den Euro-Raum stellte das europäische Statistikamt Eurostat am heutigen Mittwoch neue Inflationszahlen vor. Analysten erwarten auch hier einen leichten Rückgang auf 1,9 Prozent. Im weiteren Jahresverlauf könnte sie dann zeitweise auf leicht über zwei Prozent steigen.

Etwas anders ist dagegen die Einschätzung für die USA. Dort sind die Arbeitskosten zuletzt stärker gestiegen. „Die Inflationsrisiken sind in den USA deutlich höher“, sagt Jörg Krämer. Die Debatte um Inflation dort ist deshalb so entscheidend, weil sich die Märkte sehr stark nach den USA richten.

Prominente Ökonomen wie Larry Summers, Olivier Blanchard und Mohamed El-Erian warnen davor, die Gefahr zu unterschätzen, dass die Inflationserwartungen ihren Halt verlieren könnten. Blanchard warnt in dem Zusammenhang vor allem davor, dass die hohen Ausgaben der Regierung unter US-Präsident Joe Biden zu einer Überhitzung der Konjunktur führen könnten.

Mit Blick auf Europa konstatiert er dagegen, dass hier die Finanzpolitik eher zu wenig tue, um die Unterauslastung der Wirtschaft zu beheben. Die Kritik von El-Erian richtet sich dagegen auf die US-Notenbank. Seiner Meinung nach hat sie sich zu sehr darauf festgelegt, zeitweise eine höhere Inflation als zwei Prozent zuzulassen – das ist ähnlich wie in Europa ihr Ziel. Sollten ihr die Preise und vor allem die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten, wäre sie gezwungen, deutlich gegenzusteuern.

Mehr: Warum die Wohnkosten bald stärker in die Inflation einfließen sollen – und wo die Probleme liegen.

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