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Verbraucherpreise Inflationsrate im Euro-Raum steigt auf 2,0 Prozent – „Sprung dürfte Inflationssorgen der Anleger verstärken“

Die europäische Statistikbehörde meldet den höchsten Anstieg der Verbraucherpreise seit fast drei Jahren. Ursache ist vor allem der Anstieg der Energiepreise.
01.06.2021 Update: 01.06.2021 - 12:25 Uhr 3 Kommentare
Nach Jahren der Stagnation steigt die Inflation in der europäischen Währungsunion wieder an. Quelle: dpa
EZB-Turm in Frankfurt

Nach Jahren der Stagnation steigt die Inflation in der europäischen Währungsunion wieder an.

(Foto: dpa)

Frankfurt Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche vermeldet das europäische Statistikamt eine deutlich gestiegene Inflation im Euro-Raum. Im Mai legten die Preise im Währungsraum im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um 2,0 Prozent zu, heißt es in einer Schnellschätzung. Das ist das höchste Niveau seit Herbst 2018. Damit liegt die Preissteigerung erstmals seit langer Zeit nahe dem selbst gesteckten EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent.

Notenbankchefin Christine Lagarde hat bislang stets betont, dass sie die höhere Inflation in diesem Jahr für ein vorübergehendes Phänomen hält. Ähnlich argumentierte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane jüngst in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Aus Sicht der EZB ist der Preisanstieg vor allem auf Sonderfaktoren durch die Pandemie zurückzuführen.

Die meisten Ökonomen teilen diese Einschätzung und erwarten, dass sich die Preisentwicklung ab 2022 wieder abschwächt. Allerdings gibt es an den Märkten zum Teil die Sorge, dass die EZB geldpolitisch gegensteuern könnte und zum Beispiel das Tempo ihrer Anleihekäufe verlangsamt.

„Der Sprung der Inflationsrate im Euro-Raum dürfte die Inflationssorgen der Anleger weiter verstärken, auch wenn der unterliegende Preisauftrieb weiterhin schwach ist“, urteilt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil in einer Analyse.

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    Wichtigster Preistreiber im Mai war Energie, die sich um 13,1 Prozent verteuerte. Dabei machen sich mehrere Sondereffekte bemerkbar. So war der Ölpreis 2020 wegen der Pandemie eingebrochen. Im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten liegt er nun entsprechend höher. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sich dieser Trend über längere Zeit fortsetzt.

    In Deutschland verteuerten sich fossile Brennstoffe außerdem durch die neue CO2-Abgabe. Ein weiterer Faktor sind Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Holz, Stahl oder Halbleitern.

    Die von der EZB stark beachtete Kernrate, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Nahrungsmittel und Energie herausgerechnet sind, stieg von 0,7 auf 0,9 Prozent.

    Lohnentwicklung könnte Anstieg bremsen

    In der zweiten Jahreshälfte wird ein weiterer Anstieg der Inflation erwartet. Auch dabei spielen Sondereffekte eine Rolle. Zum Beispiel war die Mehrwertsteuer in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden. Dadurch dürften die Preise nun in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten entsprechend höher ausfallen.

    Laut Commerzbank-Ökonom Weil hängt der mittel- und langfristige Inflationstrend vor allem von der Lohnentwicklung ab. Diese spricht aus seiner Sicht dafür, dass die Inflation ab 2022 wieder sinkt.

    Der Grund: Durch die Pandemie ist die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone gestiegen. Zum Teil wird dies momentan noch durch Regelungen wie die Kurzarbeit verdeckt. Eine höhere Arbeitslosigkeit führt tendenziell dazu, dass die Macht der Arbeitnehmer in Lohnverhandlungen sinkt.

    „Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Rezession im Euro-Raum wird den Lohnauftrieb auch 2021 dämpfen“, sagt Weil. Er verweist darauf, dass sich der Lohnanstieg im ersten Halbjahr 2021 laut dem von der EZB berechneten Tariflohnindikator auf 1,4 Prozent abgeschwächt hat.

    Deutsche Inflationsrate auf Zehnjahreshoch

    Die deutsche Inflationsrate ist im Mai auf den höchsten Stand seit knapp zehn Jahren gestiegen, meldete das Statistische Bundesamt am Montag. Einer ersten Schätzung zufolge stiegen die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent. Im April lag die Inflation bei 2,0 Prozent.


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    Wichtigster Preistreiber ist die Energie, die sich um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuerte. Der Aufwärtstrend dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen. In der zweiten Jahreshälfte erwartet die Bundesbank Inflationsraten von sogar drei bis vier Prozent.

    Mehr: „Ganze Palette potenzieller Inflationstreiber ist in voller Bewegung“: Höchster Preisanstieg in Deutschland seit zehn Jahren

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    3 Kommentare zu "Verbraucherpreise: Inflationsrate im Euro-Raum steigt auf 2,0 Prozent – „Sprung dürfte Inflationssorgen der Anleger verstärken“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Josef Berchtold
      "Wenn die EZB die Zinsen erhöht, fallen dann etwa die Rohölpreise?"

      Wenn die EZB die Zinsen erhöht, fallen vermutlich zuerst etliche Immobilien-"Besitzer" um, während die hochverschuldeten Euro-Staaten, die sich keinen Zinsanstieg mehr leisten können, mit Frischgedrucktem zuerst einmal "gerettet" werden. Dann fallen hochverschuldete Unternehmen in der Euro-Zone und im Anschluss ein paar Banken um, und die Druckerpresse der EZB muss von "Full Speed" auf "Warp Speed" beschleunigt werden.
      Ich sehe keine Lösung . Die sitzen in der Sch...e. Ob Ihre hundertjährigen Anleihen etwas reißen werden, glaube ich eigentlich nicht.

    • Jetzt wird ein Geschrei nach höheren Zinsen laut werden. Wenn die EZB die Zinsen erhöht, fallen dann etwa die Rohölpreise? Wenn die EZB die Zinsen erhöht, wachsen dann die Bäume im Wald schneller? Wenn Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, entsteht dann durch Beten etwa Gips, den man für die Trockenbau-Platten benötigt. Wenn die EZB die Zinsen erhöht, fallen dann als Manna für die Handwerker etwa Schrauben vom Himmel, als wunderbare zinsgöttliche Schraubenvermehrung? Und sie gingen hin, die ZIns-Erhöhungs-Gläubigen und verkündeten in aller Welt, wie segensreich höhere Zinsen sind. Vor kurzem war Pfingsten, der heilige Zinsgeist erleuchtete die Zins-Erhöhungs-Gläubigen. Die drohende Höllenstrafe ist die Zinseszinsformel mit dem Weinen und dem Wehklagen in alle Ewigkeit.

    • Man könnte also sagen, wir haben die Pandemie gebraucht um das geldpolitische Ziel der EZB zu erreichen. Wir sind somit aktuell im Idealzustand bei 2%? Sollte das nicht eigentlich gefeiert werden? Oder lässt sich mit der GermanAngst mehr Leser gewinnen?

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