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Verbraucherpreise Inflationsrate in Deutschland fällt auf 1,4 Prozent – Zinserhöhungen rücken in die Ferne

Im Mai sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 1,4 Prozent gestiegen – im April lag die Rate noch bei 2,0 Prozent.
Update: 31.05.2019 - 16:36 Uhr Kommentieren
Die Verbraucherpreise sind im Mai gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Quelle: dpa
Einkaufen im Supermarkt

Die Verbraucherpreise sind im Mai gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Preisauftrieb in Deutschland hat im Mai deutlicher als erwartet nachgelassen. Die Inflationsrate fiel auf 1,4 Prozent von 2,0 Prozent im April, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Das sind schlechte Nachrichten für die Europäische Zentralbank (EZB), die für die Euro-Zone mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent anstrebt, der als ideal für die Konjunktur gilt.

Der Handelsstreit und die Brexit-Wirren lasteten „wie ein Stein auf der Stimmung international agierender Unternehmen,“ sagt Sebastian Wanke, Inflationsexperte der KfW. Er geht davon aus, dass die Inflation im weiteren Jahresverlauf unter der Zwei-Prozent-Marke bleibt.

Auch Carsten Brzeski, Chefökonom für Deutschland der ING, hält es angesichts der schwachen Zahlen für zunehmend unwahrscheinlich, dass die Inflation bald in Richtung des EZB-Zieles steigt, wie er in einer aktuellen Analyse schreibt. „All das bedeutet, dass die EZB die gegenwärtige Tendenz zu einer lockereren Geldpolitik beibehalten wird.“

Die Notenbank tagt am kommenden Donnerstag. Dort berät sie auch über die Ausgestaltung neuer Langfristkredite für die Banken im Euro-Raum, die sie ab September vierteljährlich auflegen will. Damit will die EZB Institute zur stärkeren Vergabe von Darlehen an die Wirtschaft anregen. Die genauen Zinskonditionen und Anreize stehen noch nicht fest.

Bei der vorangegangenen Serie, die im März 2016 beschlossen wurde, hatten Institute die Gelder zum Nulltarif erhalten. Ihnen winkte zudem eine Prämie von bis zu 0,4 Prozent, wenn sie nachweislich mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichten. Die Konditionen für die neuen Kredite sollten eigentlich straffer ausfallen als vorher. Angesichts der schwachen Konjunktur halten inzwischen jedoch viele Ökonomen eine großzügige Ausgestaltung für denkbar.

Die EZB geht derzeit noch von einer steigenden Inflationsdynamik im Euro-Raum aus. Sie hofft, dass die zuletzt in einigen Ländern wie Deutschland stärker gestiegenen Löhne die Inflation stützen. Daran gibt es aber zunehmende Zweifel. Bislang zögern die Unternehmen auch wegen der unsicheren Wirtschaftslage damit, die für sie steigenden Lohnkosten über höhere Preise an die Verbraucher weiterzugeben.

Dass sich höhere Löhne bislang nicht in einer steigenden Inflation niederschlagen, führt ING-Ökonom Brzeski unter anderem auf den verstärkten internationalen Wettbewerb und die höhere Preistransparenz durch die Digitalisierung zurück. EZB-Direktor Benoit Coeure hatte jüngst außerdem argumentiert, dass es wegen der stärkeren Bedeutung des Dienstleistungssektors in den Industriestaaten länger dauert, bis sich geldpolitische Schritte in Inflation niederschlagen. Die Ursache sieht er darin, dass die Preise im Dienstleistungssektor starrer sind und sich nicht so häufig ändern wie in anderen Sektoren. Das hängt aus seiner Sicht mit dem geringeren internationalen Wettbewerb in diesem Bereich zusammen und dem vergleichsweise höheren Anteil der Löhne an den Produktionskosten.

Ein Sorgenfaktor sind auch die zuletzt deutlich gesunkenen Inflationserwartungen von Anlegern. Das zeigt der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, der ein wichtiges Börsenbarometer für die marktbasierten Inflationserwartungen ist. Diese lagen zuletzt nur noch knapp über dem Allzeittief von 1,25 Prozent, auf dem sie Mitte 2016 gelegen hatten. Dies bedeutet: Investoren sehen die Inflation im Fünf-Jahres-Zeitraum ab 2024 bei etwa 1,25 Prozent - und damit langfristig deutlich unter der EZB-Zielmarke.

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