Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Verbraucherpreise Mario Draghis Inflations-Dilemma

Die Inflation in der Euro-Zone ist zu Jahresbeginn gefallen. Vor allem die schwache Kerninflation weckt Zweifel, ob die EZB ihr Ziel für den Euro-Raum bald erreicht.
Update: 01.02.2019 - 12:46 Uhr 2 Kommentare
Der EZB-Präsident hofft, dass steigende Löhne bald zu einer höheren Inflation führen. Davon  ist aber noch nicht viel zu spüren. Quelle: Bloomberg
Mario Draghi

Der EZB-Präsident hofft, dass steigende Löhne bald zu einer höheren Inflation führen. Davon ist aber noch nicht viel zu spüren.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtWenn es um die Inflation im Euro-Raum geht, mahnt EZB-Präsident Mario Draghi stets zur Geduld. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse geduldig, umsichtig und beharrlich sein. Seit Jahren versucht die Notenbank, die Inflation im Euro-Raum wieder in Richtung des von ihr definierten Zielwerts von knapp unter zwei Prozent zu bringen.

Die aktuellen Zahlen dazu wecken jedoch Zweifel, ob dies bald gelingt. Die Inflation im Euro-Raum fiel im Januar auf 1,4 Prozent von 1,6 Prozent im Dezember, wie aus einer ersten Schätzung des Europäischen Statistikamts Eurostat hervorgeht. Auch die Kerninflation, bei der die Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel nicht enthalten sind, stieg lediglich von 1,0 auf 1,1 Prozent.

Um die Inflation im Euro-Raum anzuschieben, hat die EZB die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt und für mehr als zwei Billionen Euro Wertpapiere der Euro-Länder gekauft.

EZB-Präsident Draghi verweist darauf, dass die Löhne im Euro-Raum zuletzt stärker gestiegen seien. Er hofft, dass sich das bald auch in höheren Preisen niederschlägt.

Bisher zeigt sich das aber noch nicht in den Daten. Das nährt Zweifel, ob die EZB das von ihr angestrebte Inflationsniveau in absehbarer Zeit erreicht.

„Vor allem die Kerninflation steigt einfach nicht,“ sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. „Das ist viel zu wenig für einen nachhaltigen Anstieg der Inflation.“ Das EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent bezieht sich zwar auf die gesamte Inflation, die Notenbank achtet jedoch stark auf die Kerninflation, weil sie als guter Indikator dafür gilt, ob die Preissteigerung nachhaltig ist.

In ihren Projektionen von Dezember geht die EZB davon aus, dass die Kerninflation in diesem Jahr bei 1,4 Prozent liegt. Brzeski hält das inzwischen für unrealistisch. „Ich fürchte, dass die Kerninflation in diesem Jahr nicht mehr steigt.“

Nach wie vor stiegen im Januar die Energiepreise noch am deutlichsten, allerdings hat sich deren Anstieg in den vergangenen Monaten spürbar abgeschwächt. Im Januar lagen sie 2,6 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats. Lebens- und Genussmittel verteuerten sich um 1,8 Prozent, während Dienstleistungen 1,6 Prozent teurer waren als vor einem Jahr. Nur geringfügig steigen dagegen weiterhin die Preise von industriell gefertigten Gütern.

Auf seiner Pressekonferenz in der vergangenen Woche hatte sich EZB-Präsident Draghi zuversichtlich gezeigt, dass die Inflation im Euro-Raum bald steigt und dabei auf den verbesserten Arbeitsmarkt und steigende Löhne verwiesen.

Die Hoffnung von Draghi stützt sich letztlich auf die sogenannte Phillips-Kurve. Diese unterstellt, dass niedrige Arbeitslosigkeit irgendwann zu höheren Löhnen und Inflation führt. Tatsächlich sind die Tariflöhne im Euro-Raum 2017 noch um 1,5 Prozent gestiegen – im dritten Quartal 2018 lag der Anstieg dagegen bei 2,1 Prozent.

Grafik

Ökonomen haben zunehmende Zweifel, ob das tatsächlich bald zu steigenden Preisen führt. „Der Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt, Löhnen und Preisen hat sich stark abgeschwächt,“ sagt Brzeski. „Gerade in dem aktuell schwachen konjunkturellen Umfeld zögern die Unternehmen damit, höhere Löhne durch höhere Preise an die Kunden weiterzureichen.“

Vor allem im Industriesektor ist der globale Wettbewerb sehr stark, wodurch es für Unternehmen schwieriger ist, die Preise anzuheben. Der Chefvolkswirt der britischen Großbank Barclays, Christian Keller, glaubt zumindest, dass die Lohnsteigerungen im Dienstleistungssektor die Preisentwicklung stützen werden.

„Wir glauben, dass die Phillips-Kurve für den Dienstleistungssektor weiterhin Bestand hat und höhere Löhne dort zu Inflation führen,“ sagt er. Im Vergleich zur Industrie ist der Anteil des Faktors Arbeit an der Wertschöpfung im Dienstleistungssektor deutlich größer. Zudem unterliegt dieser Bereich nicht so stark dem globalen Wettbewerb. Im Januar ist die Inflation im Dienstleistungssektor von 1,3 auf 1,6 Prozent gestiegen. Aus Sicht von Commerzbank-Analyst Christoph Weil handelt es sich dabei nicht um einen Ausreißer, wie er in einer Analyse schreibt. Vielmehr würden die merklich gestiegenen Arbeitskosten in diesem Sektor auf einen nachhaltig höheren Preisanstieg bei Dienstleistungen hindeuten. Auch Weil geht jedoch davon aus, dass die EZB ihre Projektionen für die Kernteuerung nach unten revidieren muss.

Die EZB legt diese im März vor. Dann wird sich auch zeigen, ob die Notenbank an ihren Vorhersagen zur Inflation festhält. Das wiederum hat auch großen Einfluss auf ihre weitere Geldpolitik. Zum Jahresbeginn hat die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihezukäufe auslaufen lassen. Sie ersetzt jetzt nur noch auslaufende Papiere aus ihrem Bestand. Verschlechtern sich die Perspektiven für die Inflation, wird vor allem eine baldige Zinserhöhung noch unwahrscheinlicher. Die Märkte rechnen inzwischen erst für Ende 2020 mit einem ersten Zinsschritt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Verbraucherpreise - Mario Draghis Inflations-Dilemma

2 Kommentare zu "Verbraucherpreise: Mario Draghis Inflations-Dilemma"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Inflation DARF nicht steigen, da dies ein Grund für Zinserhöhungen wäre.

    Zinserhöhungen sind von der Politik unerwünscht, da die Staaten die größten Schuldner sind. Das ist so, als könnte der "Häuslebauer" die Zinsen für seinen Immobilienkredit selbst festlegen.

    Je niedriger die Zinsen, desto mehr Geld bleibt den Schuldenstaaten. Kein Staat hat ein Interesse an höheren Zinsen. Ob die Staatengemeinschaft Einfluß auf die Inflationsstatistik und die Entscheidungen Draghis hat ist fraglich?

    Steigt die Inflation, werden die inflationssteigernden Produkte (Energie, Miete,...) einfach als "Ausreisser" aus der Statistik herausgerechnet und schon ergibt sich wieder das politisch gewünschte Ergebnis und Politiker können behaupten: "Alles gut, wir haben doch keine Inflation!"

  • Es wird sich erst dann was ändern, wenn die Süd-Euro-Länder
    keine höhere Schulden tätigen und H. Draghi geht.
    Wann H. Draghi geht weiß ich,
    Bei den Süd-Euro-Ländern wird es wohl JAHRZEHNTE dauern.
    Na, denn.......