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Verbraucherpreise Warum deutsche Pauschalreisen die Inflation in Europa verzerren

Die Inflation im Euro-Raum ist niedrig – und das schon seit Jahren. Ein methodischer Sondereffekt für Deutschland verstärkt 2019 diesen Trend noch.
12.09.2019 - 11:55 Uhr Kommentieren
Die Reisegewohnheiten der Deutschen haben Einfluss auf Europas Inflation. Quelle: dpa
Strand auf Mallorca

Die Reisegewohnheiten der Deutschen haben Einfluss auf Europas Inflation.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wenn an diesem Donnerstag der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt unter dem scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi zusammentrifft, wird er aller Voraussicht nach eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschließen. Wahrscheinlich ist eine Senkung des Einlagezinssatzes von minus 0,4 auf bis zu minus 0,6 Prozent. Auch eine Ausweitung der Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen ist möglich.

Der Grund für weitere geldpolitische Impulse dürfte neben der schwächelnden Konjunktur vor allem die niedrige Inflation sein. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag diese im August sowohl für den Euro-Raum als auch für Deutschland bei genau 1,0 Prozent. Sehr niedrig aus Sicht der EZB, hat sie sich doch ein Inflationsziel von nahe unter zwei Prozent in der mittleren Frist gegeben.

Vor einem Jahr lagen die Inflationsraten im Euro-Raum kurzzeitig bei knapp über zwei Prozent. Auch die fünfjährige umfragebasierten Inflationserwartungen erreichten im dritten Quartal 2019 einen neuen Tiefstand und liegen aktuell bei 1,7 Prozent.

Ökonomen führen die andauernde Niedriginflation auf unterschiedliche Faktoren zurück: Genannt werden tieferliegende Trends wie eine zunehmende Alterung der Gesellschaft (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), der technologische Fortschritt (Alan Greenspan) sowie eine zunehmende Globalisierung (IWF).

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    Andere wiederum, wie der frühere estnische Zentralbankpräsident Ardo Hansson glauben, dass das Auslassen von selbstgenutztem Wohneigentum bei der Berechnung der Inflationsrate in Euro-Zone für die Inflationsraten in der Euro-Zone verantwortlich ist.

    Doch bei der Interpretation der aktuellen Inflationsrate im Euro-Raum und in Deutschland muss 2019 ein Sondereffekt berücksichtigt werden. Dieser verstärkt den aktuellen Trend einer sich abschwächenden Inflation noch. Denn der HVPI, der nach europaweiten einheitlichen Standards gemessen wird, ist durch eine methodische Änderung 2019 leicht verzerrt. Zu diesem Schluss kam die Bundesbank in ihrem Monatsbericht von August.

    Dort schrieben die Zentralbanker unter der Überschrift „Zum dämpfenden Sondereffekt beim HVPI im Juli 2019“, dass vor allem die Kerninflation, also der HVPI ohne die besonders schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel, im Euro-Raum eigentlich um 0,2 Prozentpunkte, in Deutschland sogar um 0,7 Prozentpunkte höher sein müsste. Die Kernrate läge für den Juli dann bei 1,6 Prozent in Deutschland und 1,1 Prozent in der Euro-Zone. Die Kerninflationsrate steht unter besonderer Beobachtung durch Geldpolitiker, denn sie gilt als guter Indikator, ob die Preissteigerung nachhaltig ist.

    Reisegewohnheiten der Deutschen wurden neu bewertet

    Der Grund für die Verzerrung ist eine methodische Änderung des Teilindexes Pauschalreisen in Deutschland. Das Statistische Bundesamt hatte im Februar eine turnusmäßige Revision der Verbraucherpreise unternommen und dabei eine neue Methode zur Erfassung der Pauschalreisen eingeführt. Ebenfalls wurde für Deutschland das Gewicht der Pauschalreisen am Gesamtindex entsprechend der geänderten Konsumgewohnheiten von 4,1 Prozent auf 2,7 Prozent reduziert.

    Die geänderten Gewichte revidierten die Statistiker in Wiesbaden für Deutschland nachträglich bis 2015 zurück. Für den deutschen Verbraucherpreisindex (VPI), der sich methodisch leicht vom HVPI unterscheidet, ergibt sich daher keine Verzerrung. Hier lag die Teuerung bei 1,4 Prozent.

    Für den entsprechend der europäischen Standards berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) wurde jedoch keine nachträgliche Revision der Gewichte vorgenommen.

    Dadurch ergibt sich der Sondereffekt für die Inflationsrate. Denn allein durch das niedrigere Gewicht kann es zu Veränderungen in der Inflationsrate kommen, ohne dass sich die Pauschalreisen verteuert hätten. Wären die Gewichte entsprechend revidiert worden, ergäbe sich eine um 0,5 Prozentpunkte höhere HVPI-Rate für Juli und August in Deutschland, so die Analyse der Bundesbank – also 1,6 Prozent im Juli und 1,5 Prozent im August.

    Auch im September und Oktober dürfte die HVPI-Rate noch leicht um 0,3 und 0,2 Prozentpunkte nach unten verzerrt sein.

    Preise für Pauschalreisen kennzeichnen starke Schwankungen über den Jahresverlauf. So stiegen die Preisen für Pauschalreisen im April um mehr als 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während sie im Mai wieder um neun Prozent fielen. Da die deutsche Volkswirtschaft mit einem Gewicht von 28 Prozent in den HVPI eingeht, haben die starke Preisänderungen auch einen direkten Einfluss auf die gesamteuropäische Inflationsarte.

    Bereits im März hatte die Bundesbank darauf hingewiesen: „Solche auf rein statistische Effekte zurückzuführende Änderungen in einer für die Geldpolitik wichtigen Größe sind äußerst unbefriedigend und sollten vermieden werden.“

    Mehr: Die Bundesregierung fürchtet politischen und ökonomischen Schaden durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik. EZB-Präsident Draghi ärgert sich über Berlins Untätigkeit.

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