Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Volatilitätsindizes Schwankungen an den Aktienmärkten – Investoren fürchten eine Rezession

Die Schwankungen an den Aktienmärkten erinnern an die Anfänge des Ausverkaufs im vierten Quartal 2018. Unter Investoren kehrt die Angst vor einer Rezession zurück.
Kommentieren
Der neu aufkeimende Handelsstreit ließ die Kurse zu Wochenbeginn stark fallen. Quelle: AFP
Nervosität an der Wall Street

Der neu aufkeimende Handelsstreit ließ die Kurse zu Wochenbeginn stark fallen.

(Foto: AFP)

Frankfurt Ein Schritt vor, zwei zurück – oder sogar drei? Die Investoren an den Märkten stellen sich auf harte Zeiten ein. Die Schwankungen nehmen zu, und die Kursverluste in zwei der vergangenen drei Handelstage wecken böse Erinnerungen an das vierte Quartal des vergangenen Jahres.

Damals stürzten die Börsen weltweit aus Angst vor einer Rezession ab. Erst die US-Notenbank (Fed) konnte sie beruhigen, indem sie zunächst einen Verzicht auf weitere Zinserhöhungen in Aussicht stellte.

Doch jetzt kehrt die Nervosität zurück. Die Fed versuchte zwar in der vergangenen Woche, mit einer Zinssenkung für Stabilität zu sorgen, enttäuschte die Investoren aber, die immer noch mehr sehen wollten. Die große Erschütterung schaffte danach die Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit.

Am Dienstag gab es zwar zwischenzeitlich Anzeichen für eine Erholung. Aber das Risiko eines ausufernden, möglicherweise in einen Währungskrieg übergehenden Konflikts scheint zu wachsen und wird die Märkte weiter beherrschen.

Nachdem US-Präsident Donald Trump Ende vergangener Woche auch Zölle auf die bis dato noch nicht betroffenen chinesischen Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar angekündigt hatte, gaben zunächst vor allem die Börsen in Europa nach. Der Dax – die wichtigste Leitbörse für ausländische Investoren – verlor am Freitag gut drei Prozent und verzeichnete den größten Tagesverlust seit Anfang Dezember 2018.

Am Montag reagierte China auf die Trump‘sche Provokation und forderte chinesische Staatsunternehmen auf, Importe von US-Agrarprodukten zu stoppen. Gleichzeitig ließ die chinesische Zentralbank den Yuan so deutlich abwerten, dass der Dollar zum ersten Mal seit dem Jahr 2008 über die Marke von sieben Yuan stieg.

Der Kurs des Yuans ist an einen Referenzkurs gekoppelt, den die Notenbank täglich festlegt. Sieben Yuan waren dabei bislang eine Marke, die als „rote Linie“ für die Notenbanker in Peking galt. Trump bezeichnete China daraufhin als „Währungsmanipulator“, offiziell hat dies keine Regierung seit dem Jahr 1994 getan. Auch das traf die Börsen ins Mark.

Grafik

Am Montag gab der Dax knapp zwei Prozent nach, die US-Börsen traf es noch härter. Hier brach der S&P 500 um drei Prozent ein und damit ebenfalls so deutlich wie zuletzt im vergangenen Dezember. Am Dienstag erholten sich die Börsen in Europa zunächst, konnten ihre Kursgewinne aber nicht halten.

Die Wall Street startete mit Aufschlägen in den Handel. Grund dafür war, dass die chinesische Zentralbank den Mittelkurs für den Yuan wieder leicht unter sieben Dollar festsetzte. Doch Entwarnung geben Strategen deshalb noch lange nicht. „Wir sollten uns nun auf eine verschärfte Korrektur der US-Aktienmärkte einstellen“, warnt Seema Sha, Chefstrategin des US-amerikanischen Asset-Managers Principal Global Investors.

Der Harvard-Ökonom und frühere US-Finanzminister Larry Summers warnt: „Wir sind vielleicht am gefährlichsten Punkt seit der Finanzkrise 2009.“ Auch Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, fürchtet: „Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskriegs zwischen den beiden Ländern sein.“

„Wer sein Geld in den nächsten Jahren braucht, sollte jetzt Gewinne mitnehmen“

Die Angstbarometer steigen

Wie nervös die Märkte sind, zeigt sich auch an den Volatilitätsindizes. Sie messen abgeleitet aus Optionspreisen, welche Schwankungen Investoren an den Märkten in der nächsten Zeit erwarten. Hohe Volatilitätsindizes gelten als Zeichen für drohende Kursverluste.

Und die Zeichen sind deutlich: Der Vix für den US-Leitindex S&P 500 in den USA hat sich in etwa verdoppelt, der VDax new auf den deutschen Leitindex ist in den vergangenen Tagen um bis zu 45 Prozent gestiegen. Diese auch „Angstbarometer“ genannten Indizes notieren auf Niveaus vom Jahresanfang.

Die zunehmenden Schwankungen und andere „markttechnische Faktoren könnten einen Ausverkauf an der Börse beschleunigen“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Fonds mit Grenzen für maximale Schwankungsbreiten hätten bereits vergangene Woche mit dem Verkauf begonnen.

Dazu kommen andere systematische Anlagestrategien, die auf Basis von computergestützten Modellen funktionieren. „Die Aktienquoten solcher US-Fonds liegen derzeit so hoch wie selten in der Vergangenheit“, sagt Stephan. Deshalb sieht er ein hohes Risiko, dass automatisierte Anleger wegen des Ausverkaufs von Freitag und Montag gezwungen sein werden, Aktien zu verkaufen, wenn die Algorithmen entsprechende Signale geben: „Diese technischen Faktoren könnten den Rücksetzer an den Aktienmärkten intensivieren.“

Dafür, dass ein eskalierender Handelskrieg die Wirtschaft und damit die Märkte hart treffen könnte, gibt es in der eng verflochtenen globalen Wirtschaft aber auch viele fundamentale Gründe. Das Hin und Her bei den Verhandlungen werde dafür sorgen, dass Unternehmen sich mit Investitionen zurückhalten, meint Jing Ning, Fondsmanagerin für chinesische Aktien beim Fondshaus Fidelity.

Grafik

Nicht nur in China, sondern weltweit sinken Indikatoren für die Stimmung bei den Unternehmen, vor allem in der Industrie. „Wesentliche Teile des US-Technologiesektors haben über ihre Lieferketten enge Verbindungen nach China“, meint Sha von Principal Global Investors. Zudem erzielen die Tech-Unternehmen im S&P 500 60 Prozent ihres Umsatzes außerhalb der USA und werden deshalb laut Sha am stärksten leiden.

Dabei gilt: „Wenn der Tech-Sektor stolpert, stolpert auch der breite Markt.“ In den vergangenen Jahren hat die Technologiebranche den Großteil zum Aufschwung an den US-Börsen beigetragen.

Anfällig sind die Börsen auch deshalb, weil sie in diesem Jahr unter dem Strich massiv gestiegen sind und sich damit von der nachlassenden wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt haben. Das gilt sowohl für die Konjunktur als auch für die Gewinne der Unternehmen.

Grafik

Bislang sind die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im zweiten Quartal laut Datenanbieter Refinitiv um lediglich 2,7 Prozent gestiegen. Die Unternehmen setzen darauf, dass sich der Handelsstreit entschärft. „60 Prozent der US-Unternehmen hoffen auf bessere Ergebnisse im dritten Quartal, sagt Michael Bissinger, Aktienstratege bei der DZ Bank.

Aber: „Wenn sich der Handelskonflikt weiter und weiter hinzieht, besteht die Gefahr, dass irgendwann ein Punkt überschritten wird, ab dem keine Erholung mehr möglich ist.“ In Europa und Deutschland ist die Lage noch brisanter, weil sich hier für das zweite Quartal mit 0,6 Prozent ein noch magereres Gewinnwachstum als in den USA abzeichnet. Von daher ist auch Bissinger für die Entwicklung der Märkte kurz- bis mittelfristig „eher vorsichtig“ gestimmt.

Rohstoffmärkte unter Druck

Die Vorsicht mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich auch an anderen Märkten. So stehen die Preise für konjunktursensible Rohstoffe seit Trumps jüngster Zolldrohung massiv unter Druck. Der Preis für Brent-Öl, der wichtigsten Referenz für den Ölmarkt, notierte am Dienstag zeitweise unter der Marke von 60 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter).

Eine Tonne des Industriemetalls Kupfer verbilligte sich auf rund 5.700 Dollar, ein Zweijahrestief. Gold ist dagegen als sicherer Hafen in Krisenzeiten gefragt: Mit 1.475 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) markierte das Edelmetall ein neues Sechsjahreshoch. In Euro gerechnet liegt Gold sogar auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren.

Gleichzeitig fliehen Investoren in als sicher geltende Staatsanleihen und drücken deren Renditen immer weiter nach unten. Sehr beunruhigende Signale sendet auch die Zinskurve in den USA. Sie bildet die Renditen von kurz und lang laufenden US-Staatspapieren ab. Aktuell ist die Rendite für dreimonatige Geldmarktpapiere um 0,3 Prozentpunkte höher als die Rendite zehnjähriger US-Anleihen.

Fachleute sprechen von einer Inversion der Zinskurve. Sie zeigt, dass Investoren langfristig mit einem schwächeren Wachstum und daher auch mit niedrigeren Zinsen rechnen. Eine invertierte Drei-Monats-/Zehn-Jahres-Zinskurve gilt beispielsweise der New Yorker Dependance der US-Notenbank Fed als Rezessionssignal – und die Inversion ist aktuell so stark wie zuletzt 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Allerdings stellen manche Experten die aktuelle Aussagekraft der Zinskurve infrage: Weil die Anleihekaufprogramme der Fed die Renditen über sämtliche Laufzeitbereiche gedrückt haben, komme es leichter zu einer Inversion. Dennoch: Die konjunkturellen Risiken, das zeigt jede Twitter-Attacke von Trump, sind real.

Mehr: Trump wirft China „Manipulation vor. Warum es dem US-Präsidenten trotzdem nicht gelingt, den Dollar zu schwächen.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Volatilitätsindizes - Schwankungen an den Aktienmärkten – Investoren fürchten eine Rezession

0 Kommentare zu "Volatilitätsindizes: Schwankungen an den Aktienmärkten – Investoren fürchten eine Rezession"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote