Volksinitiative Schweizer sagen klar „Nein“ zum Vollgeld

Die Vollgeldinitiative wollte das Schweizerische Geldsystem reformieren. Doch rund drei Viertel der Schweizer stimmten dagegen.
Update: 10.06.2018 - 15:37 Uhr Kommentieren
Die Vollgeldinitiative wollte der Nationalbank die Geldschöpfung vorbehalten und Spareinlagen sicherer machen. Quelle: dpa
Vollgeldinitiative

Die Vollgeldinitiative wollte der Nationalbank die Geldschöpfung vorbehalten und Spareinlagen sicherer machen.

(Foto: dpa)

ZürichDie Finanzrevolution in der Schweiz fällt aus: Rund 76 Prozent der Schweizer stimmten gegen die Vollgeld-Initiative, die sich für einen grundlegenden Umbau des Geldsystems in der Schweiz einsetzt. Das Vorhaben wurde in sämtlichen Kantonen abgelehnt. Insgesamt konnte sich nur ein knappes Viertel der Schweizer für das Vorhaben begeistern. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatte sich eine Niederlage für die Vollgeldinitiative abgezeichnet.

Die „Initiative für krisensicheres Geld“ wollte, dass alleine die Nationalbank Geld schöpfen darf. Das sollte die Kreditvergabe der Banken beschränken und die Ausweitung der Geldmenge eindämmen.

Die Gegner der Initiative begrüßten das deutliche Ergebnis: „Wir sind darüber froh“, sagte Heinz Karrer, Präsident des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, im Schweizer Fernsehen. „Nach unserem Dafürhalten wäre die Initiative sehr schädlich gewesen.“ Die Mehrheit der Schweizer habe sich nicht auf das „internationale Experiment“ einlassen wollen.

Auch Vertreter der Bankenbranche begrüßten die Entscheidung: „Die Argumente, die wir gegen diese Initiative hatten, haben die Bevölkerung schlussendlich überzeugt“, sagte Herbert Scheidt, der Präsident der Bankiersvereinigung und Verwaltungsratschef der Bank Vontobel. „Die Initiative hätte das ganze Finanzsystem auf den Kopf gestellt.“

Die Initiatoren wollten das Geldsystem der Schweiz grundlegend reformieren: Bislang hat die Notenbank nur ein Monopol auf Banknoten. Diese machen jedoch lediglich rund ein Zehntel der so genannten breiten Geldmenge aus. 90 Prozent, das so genannte Buchgeld, werden durch die Banken geschaffen, wenn diese Kredite vergeben. Die Initiative wollte festschreiben, dass in Zukunft alleine die Notenbank Geld schaffen darf. Ihr Versprechen: Die Reform sollte das elektronische Geld auf dem Girokonto genauso sicher machen wie das Bargeld im Portemonnaie. Damit war die Vollgeldinitiative auch eine Antwort auf die Finanzkrise.

Die Schweizerische Regierung, die Nationalbank, Banken- und Wirtschaftsverbände hatten das Vorhaben abgelehnt. Die Initiative sei „riskant, teuer und schädlich“, warnte das überparteiliche Komitee „Vollgeld Nein“. So drohe eine erschwerte Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte, wenn Banken zur Refinanzierung der Darlehen nicht mehr auf die Sichteinlagen der Kunden zurückgreifen dürften. Von der Ablehnung der Initiative zeigte sich das Komitee denn auch erfreut: „Kein Land hat jemals ein Vollgeld-System eingeführt. Und die Stimmbevölkerung möchte es auch in der Schweiz nicht“.

Viele Schweizer dürfte überzeugt haben, dass auch Notenbankpräsident Thomas Jordan vor den Folgen der Reform gewarnt hatte: „Vollgeld wäre wie Sand im Getriebe des Kreditwesens“, sagte der SNB-Chef. Es würde den Konsum, die Investitionen und damit den Wohlstand in der Schweiz mindern.

Die Vollgeld-Befürworter sprachen am Sonntag von einer „massiven Verwirrungs- und Angstkampagne“ und warfen Bundesrat und der Nationalbank Fehlinformationen vor. Auch aufgrund der beschränkten Mittel und der komplexen Materie sei es nicht gelungen, die Bevölkerung ausreichend über die Reform aufzuklären. Dass sich dennoch immerhin rund ein Viertel der Schweizer für die Initiative begeistern konnten, werten die Befürworter als „Achtungserfolg“. Dass sich die Schweizer mit dem Thema schwertaten, ließ sich auch an der insgesamt niedrigen Wahlbeteiligung ablesen. Sie lag bei niedrigen 34 Prozent.

Die Vollgeld-Fans konnten dem Ergebnis auch einen positiven Aspekt abgewinnen: Sie sensibilisierten die Bevölkerung für das schwierige Thema der Geldschöpfung. „Das Volk wollte unseren Vorschlag nicht, aber die Diskussion wird weitergehen“, sagte Reinhold Harringer, einer der Initiatoren.

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