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Weidmann stellt Jahresabschluss vor Bundesbank hilft dem Staatshaushalt mit Milliardengewinn

Mehr als zwei Milliarden Euro kann Jens Weidmann an den Bund überweisen. Das liegt vor allem an den Negativzinsen für Geschäftsbanken. Nun muss sich die Bank gegen die Zinswende absichern.
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Der Präsident stellte am Mittwoch den Jahresabschluss der Bundesbank vor. Der Gewinn stieg deutlich, aber auch die Wagnisrückstellungen mussten erhöht werden. Quelle: Reuters
Jens Weidmann

Der Präsident stellte am Mittwoch den Jahresabschluss der Bundesbank vor. Der Gewinn stieg deutlich, aber auch die Wagnisrückstellungen mussten erhöht werden.

(Foto: Reuters)

Bundesfinanzminister Olaf Scholz kann sich in diesem Jahr über einen Scheck in Höhe von 2,4 Milliarden Euro von der Bundesbank freuen. Das ist etwas mehr als im vergangenen Jahr, als die Bundesbank 1,9 Milliarden Euro an den Bund überwiesen hat, aber etwas weniger als die im Bundeshaushalt seit Jahren traditionell eingeplanten 2,5 Milliarden Euro.

„Ausschlaggebend für den Anstieg sind die höheren Zinserträge aufgrund der Negativverzinsung der gestiegenen Einlagen“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresabschlusses. Er verwies auf die geldpolitischen Ankaufprogramme und Mittelzuflüsse aus dem Ausland, die wie in den Vorjahren zu einer deutlichen Ausweitung der Bilanz führten.

Anders als eine Geschäftsbank verfolgt die Bundesbank ebenso wie die EZB nicht das Ziel, mit ihrer Geldpolitik Gewinne zu erwirtschaften. Als Maßstab für den Erfolg der Geldpolitik der EZB und der ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken gilt vor allem, ob es ihr gelingt, ihr primäres Mandat der Preisstabilität im Euro-Raum zu erfüllen.

Um die Inflation im Euro-Raum anzuschieben, haben die EZB und die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken in den vergangenen Jahren Anleihen und Wertpapiere der Euro-Länder für etwa zwei Billionen Euro gekauft. Dies hat deutliche Folgen für die Bilanzen der Bundesbank und EZB, die dadurch größer geworden sind. Seit Beginn dieses Jahres kaufen die EZB und die nationalen Notenbanken keine zusätzlichen Anleihen mehr. Sie halten ihren Anleihebestand jedoch konstant, indem sie auslaufende Papiere ersetzen.

Auch finanziell schlagen sich die Anleihekäufe nieder, indem sie den Notenbanken Zinseinnahmen einbringen. Andererseits hat sich dadurch in den vergangenen Jahren auch die Struktur der Bundesbank-Bilanz verändert.

Die Notenbank hat sehr viele Ausstände, deren extrem niedrige Zinsen für sehr lange Laufzeiten fixiert sind. Auf der anderen Seite würde sie steigende Zinsen schnell merken. So müssen Banken, die bei ihr über Nacht Geld parken, derzeit einen Zins von minus 0,4 Prozent zahlen. Wenn die Zinsen dagegen wieder positiv werden, müsste die Bundesbank dafür zahlen. Daher hat die Bundesbank ihre Wagnisrückstellungen zuletzt deutlich erhöht.

Auch in diesem Jahr stockte sie diese das dritte Geschäftsjahr in Folge auf, diesmal um etwa 1,5 Milliarden Euro auf nunmehr 17,9 Milliarden Euro auf. „Traditionell werden mit der Wagnisrückstellung Wechselkursrisiken abgesichert, infolge der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen aber auch Ausfall- und Zinsänderungsrisiken“, sagte Weidmann.

Aktuell liegt der Einlagenzins jedoch weiterhin bei minus 0,4 Prozent. Das heißt Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine Art Strafzins in Höhe von 0,4 Prozent. Im europäischen Vergleich verfügen deutsche Banken über eine besonders hohe Überschussliquidität. Die Erträge der Bundesbank aus der Negativverzinsung der Einlagen erhöhten sich 2018 um 0,6 auf 3,8 Milliarden Euro.

Eine baldige Zinserhöhung im Euro-Raum ist derzeit eher unwahrscheinlich. Die EZB hat sich darauf festgelegt, dass sie die Zinsen mindestens über den Sommer dieses Jahres hinaus auf dem bisherigen Niveau belassen will. Viele Ökonomen gehen aber davon aus, dass sie auch danach die Zinsen nicht antastet. An den Märkten ist eine Zinserhöhung für Ende 2020 eingepreist.

Mehr: Das Bundeskabinett hat sich entschieden, den Vertrag von Jens Weidmann zu verlängern.

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1 Kommentar zu "Weidmann stellt Jahresabschluss vor: Bundesbank hilft dem Staatshaushalt mit Milliardengewinn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Das liegt vor allem an den Negativzinsen für Geschäftsbanken."
    So wie man auf die Automobilindustrie einschlägt und deren Geschäft behindert, so auch auf die Banken. Negativzinsen sind grotesk!
    - Ein Unding! Die Banken werden zudem extrem stark reguliert, müssen für diese Regulierung die enormen Kosten dafür tragen, dass ihr Geschäftsmodell massiv eingeschränkt wird. Es handelt sich hierbei um eine gigantische Bürokratie, die enorme Ressourcen verschlingt und nichts, absolut nichts bringt!
    Wer zahlt dafür? Der Kunde, der Mitbürger, die Oma, die keine Zinsen mehr für ihr Erspartes bekommt!

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