„Wirtschaftliche und geopolitische Risiken“ Russland hat in großem Stil US-Staatsanleihen verkauft

Russland hegte kaum Hoffnungen auf Ergebnisse beim Treffen zwischen Trump und Putin. Die russische Zentralbank stieß schon vorher die meisten ihrer US-Anleihen ab.
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Russlands Zentralbankchefin bezeichnete die Verkäufe von US-Staatsanleihen als „Politik der Diversifizierung von Reserven“. Quelle: Reuters
Elvira Nabiullina

Russlands Zentralbankchefin bezeichnete die Verkäufe von US-Staatsanleihen als „Politik der Diversifizierung von Reserven“.

(Foto: Reuters)

MoskauRussland gehört nicht mehr zu den wichtigsten Besitzern amerikanischer Staatsanleihen. In der entsprechenden Liste des US-Finanzministeriums, wo Russland zuvor an Platz 22 geführt wurde, taucht es nicht mehr auf. Grund sind aggressive Verkäufe der Obligationen in den letzten Monaten.

Im April stieß die russische Zentralbank Papiere im Wert von 47,5 Milliarden Dollar ab, im Mai von 33,8 Milliarden. Damit ist der Bestand an US-Staatspapieren in russischem Besitz auf 14,9 Milliarden Dollar gesunken – das ist der tiefste Stand seit 2007.

Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hatte die Verkäufe im Juni als „Politik der Diversifizierung von Reserven“ bezeichnet. Damit würden „wirtschaftliche und geopolitische Risiken berücksichtigt“, begründete sie die Maßnahme. Kurzfristig hat der Schritt Moskau Verluste eingebracht. Die Gold- und Währungsreserven der Zentralbank schrumpften zunächst, weil Gold, Euro und Yuan – die Werte, in die die Zentralbank ihre Reserven umgeschichtet hat – abwerteten.

Inzwischen (letzte Zahlen der Zentralbank stammen vom 6. Juli) ist der Rückgang aber fast wieder ausgeglichen. Mit knapp 460 Milliarden Dollar hat die Zentralbank weiterhin ein dickes Sicherheitspolster, das durch die sprudelnden Öleinnahmen weiterwächst.

Auch wenn Nabiullina wirtschaftliche Risiken bei der Begründung an erste Stelle setzte, stimmen Experten dies- und jenseits des Atlantiks darin überein, dass sich der Kreml damit vor allem gegen weitere Sanktionen absichern wolle. „Wir gehen davon aus, dass die Zentralbank sich aus politischen Gründen von den US-Staatsanleihen verabschiedet.

„Die Beziehungen zwischen beiden Staaten verschärfen sich, und jedwede finanzielle Beziehung kann zulasten Russlands gehen“, meinte die Chefanalystin des Investmentgruppe Alpari, Anna Kokorjewa.

Konstantin Ordow, Professor für Finanzmanagement an der Moskauer Plechanow-Universität, spricht von der „Vorbereitung auf die verstärkte Konfrontation mit den USA und die Einführung neuer Sanktionen“.

US-Finanzministerium sendete deutlichen Warnschuss

Zur Erinnerung: Im April hatte das US-Finanzministerium speziell das Imperium des kremlnahen Oligarchen Oleg Deripaska ins Visier genommen. Dessen Aluminiumgigant Rusal erschien auf der schwarzen Liste. Das kam in der Praxis einem Exportverbot für russisches Aluminium gleich. Folge waren ein beispielloser Absturz an der Börse und ein Produktionseinbruch. Gleichzeitig stieg an den Weltmärkten der Aluminiumpreis deutlich. Erst als das Finanzministerium mit einer Fristenverlängerung die Sanktionen abmilderte, beruhigten sich die Märkte.

Der Kreml hingegen war alles andere als beruhigt. Der Warnschuss war deutlich. Auch wenn im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für den Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin liefen, war der Glaube an eine fundamentale Verbesserung der bilateralen Beziehungen gering.

Zwar verkündete Trump beim Treffen, dass sich das „noch nie schlechter gewesene Verhältnis innerhalb von vier Stunden“ deutlich verbessert habe. Doch dass der US-Präsident nicht im Alleingang die Außenpolitik seines Landes um 180 Grad wenden kann, dürfte auch in Moskau erkannt worden sein.

Tatsächlich hat das Treffen in Washington massiven Wirbel verursacht. Trumps Haltung gegenüber Putin wurde als schwach und unterwürfig kritisiert. Mehrere Senatoren seiner eigenen Partei, der Republikaner, haben eine Gesetzesinitiative vorbereitet, um weiter an der Sanktionsschraube zu drehen. Erstes Ziel ist die Pipeline Nord Stream 2. Auch weitere Restriktionen auf dem Finanzmarkt sind nicht ausgeschlossen.

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