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Wirtschaftswachstum Für EZB-Chef Draghi hält der Aufschwung trotz Konjunkturdelle an

Trotz gedämpfter Wachstumsdynamik sieht EZB-Präsident den Aufschwung nicht in Gefahr. Dennoch haben die Risiken laut Mario Draghi zugenommen.
Update: 16.11.2018 - 15:54 Uhr Kommentieren
Die Inflation in der Euro-Zone hielt sich im Oktober 2018 den fünften Monat in Folge über dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Die Inflation in der Euro-Zone hielt sich im Oktober 2018 den fünften Monat in Folge über dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEZB-Präsident Mario Draghi sieht trotz der jüngsten Konjunkturdelle den Aufschwung in der Euro-Zone nicht in Gefahr. „Es gibt sicher keinen Grund, warum die Expansion im Euro-Raum abrupt enden sollte“, sagte Draghi am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt. Da die Erholung schon lange anhalte, sei eine graduelle Abschwächung normal. Die Wirtschaft wachse bereits seit fünf Jahren. „Und wir erwarten, dass die Expansion in den kommenden Jahren anhält,“ sagte der Italiener.

Draghi erklärte, eine graduelle Verlangsamung des Wachstums sei normal, wenn der Konjunkturzyklus reife und sich das Wachstum seinem langfristigen Potenzial annähere. Allerdings sei die Wachstumsphase im Euroraum noch relativ kurz und gering in ihrem Ausmaß.

Seit 1975 hätten wirtschaftliche Aufschwünge im Gebiet des Euroraums durchschnittlich knapp acht Jahre angehalten und eine Steigerung der Wirtschaftsleistung um 21 Prozent bewirkt, sagte Draghi. Der gegenwärtige Aufschwung dauere dagegen erst fünfeinhalb Jahre an mit einem Zugewinn an Wirtschaftskraft um zehn Prozent.

Die Wirtschaft im Währungsraum war im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Juli und September nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Das Wachstum halbierte sich damit zum Frühjahr.

Vor allem Schwächen in der größten Euro-Volkswirtschaft Deutschland bremsten die Dynamik. Experten machten dafür insbesondere Probleme der Autobauer mit einem neuen Abgasmessverfahren verantwortlich und rechnen damit, dass es im Schlussquartal wieder bergauf gehen sollte.

Der positive Kreislauf zwischen Beschäftigung, Arbeitseinkommen und Verbrauch sei der Motor der Konjunktur, sagte Draghi. Und dieser sei durch die geringere Wachstumsdynamik in diesem Jahr nicht unterbrochen worden. Die Risiken hätten allerdings zugenommen. Im Dezember, wenn der Europäischen Zentralbank neue Konjunktur-Prognosen der hauseigenen Volkswirte vorlegen, ließen sich die Gefahren für Wachstum und die Inflation besser abschätzen.

Der EZB-Chef setze weiterhin darauf, dass die „heimische Nachfrage, der starke Arbeitsmarkt und Investitionen die Erholung der Euro-Zone in den kommenden Monaten unterstützen wird“, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt von ING Deutschland. Der Zungenschlag sei aber etwas vorsichtiger gewesen.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärte, die Währungshüter sollten nach Jahren des Krisenmanagements wieder zu einer klassischen Geldpolitik zurückkehren. Sie sollten nicht routinemäßig auf Veränderungen der Umstände mit Eingriffen in einer wachsenden Zahl von Marktsegmenten reagieren. Weidmann stand unter anderen den Anleihenkäufen stets skeptisch gegenüber. Diese drohen aus seiner Sicht die Grenzen zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zu verwischen. 

Der EZB-Chef bekräftigte aber, dass die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe voraussichtlich zum Jahresende eingestellt werden. Diese waren in den vergangenen Jahren das wichtigste Kriseninstrument der Währungshüter im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu schwache Inflation.

Doch die Inflation in der Euro-Zone hielt sich im Oktober 2018 den fünften Monat in Folge über dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Die Verbraucherpreise legten binnen Jahresfrist um 2,2 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat am heutigen Freitag eine frühere Schätzung bestätigte. Im September waren es 2,1 Prozent.

Für den Anstieg sorgte vor allem Energie, die sich um knapp elf Prozent verteuerte. Lebensmittel kosteten 2,2 Prozent mehr. Auch die Kerninflation – in der schwankungsreiche Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden – nahm zu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht mittelfristig Werte von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur im Euro-Raum an. Da sie diesen Wert im Jahresschnitt nach eigener Prognose bis mindestens 2020 verfehlen wird, steuern die Währungshüter nur in Trippelschritten auf ein Ende ihrer extrem lockeren Geldpolitik zu.

Die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe will sie am Jahresende zwar einstellen. Der Leitzins soll aber bis mindestens „über den Sommer 2019“ hinweg auf dem Rekordtief von null Prozent verharren. Mit billigem Geld will die EZB Konjunktur und Preise ankurbeln.

In Deutschland ist die nach europäischen Standards berechnete Teuerungsrate derzeit mit 2,4 Prozent überdurchschnittlich hoch. Dabei spielt die gute Konjunktur eine Rolle: Den Unternehmen fällt es leichter, steigende Personalkosten auf ihre Kunden abzuwälzen.

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  • rtr
  • dpa
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