Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

World Investment Forum Frankreichs Zentralbankchef droht Klimasündern mit „machtvollen Waffen“

Villeroy de Galhau debattiert mit Nobelpreisträger William Nordhaus über den Klimawandel. Die EZB könnte an verschiedenen Fronten aktiv werden.
1 Kommentar
Dem Gouverneur der französischen Zentralbank bereitet der Einfluss des Treibhauseffektes auf die Wirtschaft Sorgen. Quelle: AFP
Francois Villeroy de Galhau

Dem Gouverneur der französischen Zentralbank bereitet der Einfluss des Treibhauseffektes auf die Wirtschaft Sorgen.

(Foto: AFP)

ParisDer Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus erinnert sich noch gut: „1979 fragte US-Präsident Jimmy Carter seine wirtschaftlichen Berater, ob er beim Weltwirtschaftsgipfel von Venedig den Klimawandel thematisieren solle. Die rieten ihm aber ab: Die Zeit sei noch nicht reif dafür.“ Am Donnerstag diskutierte Nordhaus in Paris mit François Villeroy de Galhau, dem Gouverneur der Banque de France, über den Einfluss des Treibhauseffektes auf die Wirtschaft. Beide waren sich einig: Die Zeit ist reif dafür, dass die Zentralbanken sich einschalten.

„Wir gehören zu denen, die handeln wollen, das ist Teil unseres Mandats“, sagte Villeroy de Galhau, der Mitglied des Zentralbankrats der EZB ist. Der Klimawandel beeinträchtige direkt die Preisbildung und die wirtschaftliche Aktivität, „man denke nur an den niedrigen Pegel des Rheins im vergangenen Jahr und dessen Folgen“.

Die Eurozone werde bis zum Ende des Jahrhunderts zehn Prozent ihres Outputs verlieren, wenn nicht gehandelt werde, warnte der Franzose. Die Wirkungen der Erderwärmung entspreche der einer Stagflation. „Die Aktivität erlahmt, aber die Preise steigen, das ist für die Zentralbanken am schwierigsten zu behandeln.“

EZB möchte bei der Klimapolitik mitmischen

Die EZB werde an verschiedenen Fronten aktiv werden, kündigte Villeroy de Galhau an. Eine betrifft den Kern der Geldpolitik, nämlich die zentralbankfähigen Aktiva, die von der EZB als Sicherheit oder Collateral akzeptiert werden. „Wenn wir die Risiken dieser Papiere messen, werden wir künftig einbeziehen, wie stark ein Finanzinstrument mit dem Klimarisiko zusammenhängt.“ Das sei keine ferne Zukunft, machte Villeroy de Galhau deutlich: „Wir arbeiten daran, das ist eine sehr machtvolle Waffe.“

Nordhaus erwähnte eine weitere Ebene, auf der die Zentralbanken eingreifen können: Klima-Stresstests. Über die Messung der Auswirkung des Klimawandels auf einzelne Branchen könne man zu Stresstests kommen, wie die Zentralbanken sie für große Geldhäuser durchgeführt haben. „Zentralbanken sind Experten für Stresstests“, sagte der Nobelpreisträger.

Villeroy de Galhau griff den Gedanken auf: „Unsere Rolle ist es, langfristige Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, dazu gehören Stresstests und langfristige Modelle.“ Ökonometrische Modelle könnten sich nicht mehr auf Wachstumsprognosen für die nächsten Quartale beschränken, sondern müssten die kommenden Dekaden in den Blick nehmen ergänzte Nordhaus, der 2018 für seine Arbeiten zum Klimawandel mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.  

Der Wissenschaftler und der Zentralbanker diskutierten auf dem World Investment Forum des Vermögensverwalters Amundi. Ihre Aussagen machen klar, dass die Finanzmarkt-Akteure sich noch ernsthafter als bislang mit der Veränderung des Klimas befassen müssen.

Denn es geht nicht nur um Green Bonds oder den einen oder anderen umweltverträglichen Fonds. Wenn die Zentralbanken anfangen, Klimarisiken in die Bewertung der Aktiva einzubeziehen, die sie akzeptieren, könnte es für einige Marktteilnehmer ein böses Erwachen geben.

Lösungsansatz: „Green QE“

Der unter dem Stichwort „Green QE“ diskutierten positiven Diskriminierung oder Höherbewertung von umweltfreundlichen Finanzprodukten erteilte Villeroy de Galhau dagegen eine vorsichtige Absage: „Der Markt ist noch zu klein, wir sollten ihn nicht erschüttern.“ Derzeit gebe es weltweit pro Jahr rund 150 Milliarden Dollar an Green Bonds. Doch der Finanzbedarf für die Milderung des Klimawandels belaufe sich eher auf 900 Milliarden Dollar jährlich. „Da ist noch Spielraum“, sagte der Gouverneur.

Nordhaus stellte in nüchternen Worten dar, warum auch die Regierungen aktiver werden müssten: „Der Klimawandel ist ein Phänomen, das die Marktwirtschaft destabilisiert“.  Er beeinträchtige direkt die Versicherungen, die küsten- und flussnahen Regionen, Immobilien, die Land- und Forstwirtschaft. Es sei illusorisch, allein auf neue Technologien und erneuerbare Energien zu hoffen: „Keine davon wird sich durchsetzen, wenn die fossilen Energien nicht bestraft werden.“

Die EU sei ein Vorreiter mit ihrem Handel für CO2-Zertifikate. „Aber außerhalb der EU ist der Preis für CO2 gleich Null, damit ist der Preismechanismus der Marktwirtschaft gestört.“ Notwendig sei eine weltweite kollektive Aktion: ein Preis für CO2 sowie Subventionen für Forschung und Investitionen gegen das Aufheizen der Atmosphäre.

Handeln müsse laut Nordhaus auch jedes Unternehmen: „Es muss seinen Kohlendioxid-Fußabdruck analysieren und bewerten, das betrifft vor allem die Fluggesellschaften und die Schwerindustrie.“ Beide gehören zu den Branchen, die eine CO2-Steuer heftig bekämpfen.

Villeroy de Galhau verwies auf eine weitere Notwendigkeit: „Wir müssen die diversen Green Labels ordnen und harmonisieren.“ Es entwickelten sich immer mehr Nischen für grüne, sozial- und umweltverträgliche Finanzinstrumente. Da müsse für Übersicht und Vergleichbarkeit gesorgt werden, die EU-Kommission habe dazu eine Initiative ergriffen. „Die Finanzindustrie sollte das nicht als neue Auflage fürchten, im Gegenteil: Europa ist hier in einer wichtige Frage vorne dran, vor den USA.“

Amundi-Chef Yves Perrier scheint auf der Linie des Zentralbankers zu liegen: „Unsere erste Priorität ist die Berücksichtigung des Klimawandels“, sagte er zur Eröffnung des Kongresses.

Mehr: Norwegens Staatsfonds will Aktien im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro verkaufen. Großkonzerne wie BP, Chevron, Exxon und Shell sind davon aber nicht betroffen.

Startseite

Mehr zu: World Investment Forum - Frankreichs Zentralbankchef droht Klimasündern mit „machtvollen Waffen“

1 Kommentar zu "World Investment Forum: Frankreichs Zentralbankchef droht Klimasündern mit „machtvollen Waffen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier zeigt sich wie kriminell die EZB ist, indem sie ohne rechtliche Grundlage Politik mit Zwang machen will. Deutlicher kann man den Machtmißbrauch der EZB nicht verdeutlichen. So eine EZB wäre eine kriminelle Organisation die wirtschaftspolitischen Einfluß auf freie demokratische Länder nehmen will. Aber wie hat es einst die französische Finanzmisnisterin gesagt: " Wir mussten die Verträge brechen“, erklärte die damalige französische Finanzministerin Christine Lagarde nach der Verschrottung der Maastricht-Kriterien." Siehe die Aussagen von Frankreichs Zentralbankchef. Jetzt verschrottet die EZB alle gesetzlichen Grundlagen die für sie gilt:
    "Die EZB werde an verschiedenen Fronten aktiv werden, kündigte Villeroy de Galhau an. Eine betrifft den Kern der Geldpolitik, nämlich die zentralbankfähigen Aktiva, die von der EZB als Sicherheit oder Collateral akzeptiert werden. „Wenn wir die Risiken dieser Papiere messen, werden wir künftig einbeziehen, wie stark ein Finanzinstrument mit dem Klimarisiko zusammenhängt.“ Das sei keine ferne Zukunft, machte Villeroy de Galhau deutlich: „Wir arbeiten daran, das ist eine sehr machtvolle Waffe.“"
    Gesetze und Recht gelten scheinbar für die Obrikeit in der EU nicht mehr. Nur der dumme kleine Bürger soll sich an Recht und Ordnung halten. Für wie dumm halten die uns eigentilch.
    Der franz. Nationalbänker hat in Frankreich das beste Beispiel, die "Gelbwesten", wenn sich diese Gelbwestenbewegung auf ganz Europa ausdehnt können sich diese Rechtsbrecher ganz warm anziehen und das zurecht.

Serviceangebote