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Zahlungsmittel Weidmann zeigt Skepsis gegenüber dem E-Euro

Pläne für digitales Geld auf Blockchain-Basis liegen weit hinter denen für Wertpapiere zurück. Ein Thema für den Bundesbank-Präsidenten ist die Stabilität bei Krisen.
13.09.2020 - 19:10 Uhr 1 Kommentar
Der Bundesbank-Präsident fordert weitere Analysen. Quelle: dpa
Jens Weidmann

Der Bundesbank-Präsident fordert weitere Analysen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert eine sorgfältige Prüfung der Risiken vor der möglichen Einführung eines elektronischen Euros. Weidmann bezog sich in seinen Ausführungen bei einer hauseigenen Konferenz auf das Konzept, als Ergänzung zu Bargeld und anderen Zahlungsmitteln einen Euro auf Basis einer dezentralen, elektronischen Buchhaltung einzuführen.

Diese Technik, auch DLT abgekürzt, wurde zuerst bei der Schaffung von Bitcoins und der sie tragenden Blockchain-Software entwickelt. Die Variante als Zentralbankgeld ist unter dem Kürzel CBDC bekannt. Weidmann berichtete, dass sich zahlreiche Abteilungen der Bundesbank mit dem Thema beschäftigen, fügte aber hinzu: „Es wäre falsch, das als eine Entscheidung für eine CBDC zu interpretieren.“ Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Zentralbank (EZB) soll in den nächsten Wochen ihre Ergebnisse zu dem Thema der Öffentlichkeit zur Diskussion stellen, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde angekündigt hat.

Seit Jahren wird über Zentralbankgeld auf Basis der Blockchain diskutiert. Einen besonderen Anstoß dazu gaben auch die Pläne von Facebook, unter dem Namen Libra digitales Geld zu schaffen. Für große Transaktionen zwischen Notenbanken und ihren Partnern existiert bereits eine Variante, wie Weidmann anmerkte. Die eigentliche Diskussion dreht sich aber um einen möglichen E-Euro für jedermann.

Diese Form von Geld könnte direkt von der Notenbank ausgegeben werden oder auf dem Umweg über Geschäftsbanken. Denkbar wäre auch, eine Verzinsung zu codieren oder sogar weitere Funktionen durch sogenannte Smart Contracts, die automatisch ablaufen, einzuprogrammieren. In einem Infopapier des Verbands Bitkom, der die deutsche Informationswirtschaft vertritt, heißt es aber, für die weite Verbreitung komme eher eine dem Bargeld ähnliche Ausstattung infrage, also ohne eingebauten Zins.“

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    Vorreiter China

    In einigen Ländern wie Schweden ist das Thema CBDC schon seit Jahren im Gespräch. In China wurde in einigen Städten bereits ein Versuch gestartet. Eine flächendeckende Einführung ist aber zurzeit nirgendwo abzusehen. Bitkom mahnt, Europa dürfe hier nicht den Anschluss verpassen.

    Weidmann warnte bei der Bundesbank-Konferenz ebenso wie François Villeroy de Galhau, der französische Notenbankchef, vor einigen viel diskutierten Risiken. Dabei stehen zwei Fragen im Vordergrund. Wie können Geschäftsbanken weiterhin Kredite vergeben, wenn ihre Kunden Einlagen in elektronisches Geld umschichten? Und was passiert bei einer Finanzkrise?

    Die Refinanzierung durch Sicht- oder Spareinlagen spielt in der Tat eine große Rolle für die Kreditwirtschaft. Weidmann verwies in dem Zusammenhang auf ein Papier des EZB-Ökonomen Ulrich Bindseil. Der hatte vorgeschlagen, die elektronische Währung niedriger zu verzinsen als Bankeinlagen, um ein großes Umschichten zu vermeiden. Angesichts der ohnehin niedrigen Zinsen kein leichtes Unterfangen.

    Weidmann gab aber einen anderen Punkt zu bedenken: „Wenn es eine Krise des Bankensystems gibt, dann würde sogar ein hoher Strafzins kaum gegen plötzliche Verlagerung helfen – gegen einen digitalen Run auf die Banken, wenn man so will.“ Dieses Argument taucht immer wieder auf: Digital ließe sich Geld noch schneller „abheben“ als in einer langen Schlange beim Geldautomaten. Weidmann schließt daher: „Es müssen noch eine Menge Probleme rund um CBDC näher analysiert werden.“

    Entwurf für Krypto-Assets

    Bei einem anderen wichtigen Zukunftsprojekt der EU gibt es unterdessen Fortschritte: der Regulierung des Markts für Krypto-Anlagen. Unter diese auf Basis der Blockchain ausgegebenen Anlagen fallen etwa Kryptowährungen wie Bitcoin oder sogenannte Utility-Token, die den Zugang zu digitalen Dienstleistungen ermöglichen.

    Dem Handelsblatt liegt der noch unveröffentlichte Entwurf für eine EU-Verordnung über „Markets in Crypto Assets (MiCA)“ vor. Dieser schlägt auf knapp 170 Seiten ein eigenständiges aufsichtsrechtliches Regime für die Emission und den Handel verschiedener Token-Arten vor. Sogenannte Security Token, also wertpapierähnliche Token, die bereits laut der Mifid-Richtlinie als Finanzinstrumente gelten, werden dort aber nicht geregelt.

    Hier gelten die Mifid-Regeln, die von den EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umzusetzen sind. Deutschland hat hier mit dem Entwurf eines Gesetzes über elektronische Wertpapiere zuletzt Neuland betreten, das die Ausgabe von Blockchain-Anleihen regeln soll.

    Dafür nimmt MiCA erstmals auch sogenannte Stablecoins in den Fokus, also Kryptowährungen, die mit realen Währungen, Rohstoffen oder anderen Anlagen unterlegt sind. Die EU-Kommission sieht vor allem „signifikante“ Stablecoins kritisch, was sich besonders auf Facebooks Libra-Projekt beziehen dürfte. Diese dürften keine Bedrohung für die Finanzstabilität und die geldpolitische Hoheit der Notenbanken darstellen.

    Sven Hildebrandt, Chef der Beratung Distributed Ledger Consulting, bewertet den Entwurf positiv. Dieser schaffe „durch die Wahl des Instruments der Verordnung europaweit einheitliche Regelungen“. „Interessant wird die Reaktion der professionellen Marktteilnehmer sein, die ja zumindest in Deutschland schon länger rechtssicher in Krypto-Assets wie beispielsweise Bitcoin investieren können“, so Hildebrandt. Wahrscheinlich sei „ein exponentielles Wachstum von digitalen Assets in institutionellen Portfolien“.

    Der CSU-Finanzexperte im Europaparlament, Markus Ferber, ist kritischer: „Der Vorstoß der Kommission geht in die richtige Richtung, er kommt jedoch reichlich spät. Seit Jahren herrscht bei der Regulierung von Crypto Assets ein großes Vakuum.“

    Mehr: Fünf große EU-Länder notfalls für Verbot von Kryptowährungen

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    1 Kommentar zu "Zahlungsmittel: Weidmann zeigt Skepsis gegenüber dem E-Euro"

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    • Ein erster Schritt wäre, dass ein jeder Bürger ein Konto bei der EZB hat. Ein Bank-Run ist lächerlich, denn die EZB kann jeden Betrag schaffen, der notwendig ist. Eine Pleite von Notenbanken gibt es nicht, da sie die Hoheit über Geldschöpfung haben. Sozial-Leistungen sollte man über ein Konto bei der EZB laufen lassen, verknüpft mit einem Konto bei einer Geschäftsbank. So könnte man im Notfall auch Helikopter-Ged schnell unter die Leute bringen, in ökonomischen Notfällen, z.B. ausgelöst durch Pandemien oder sonstigen Katastrophen.

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