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Zahlungsverkehr Wie Bargeld die eigene Privatsphäre und das Vermögen schützt

Eine Untersuchung zeigt, wie schwach der Datenschutz bei elektronischen Zahlungen ist. Eine mögliche Lösung: Bar zahlen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
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Zahlreiche Banknoten und Bankkarten liegen in einer Geldbörse. Eine Studie zeigt die möglichen Nebenwirkungen des elektronischen Zahlungsverkehrs auf. Quelle: dpa
Bargeld oder Kreditkarten

Zahlreiche Banknoten und Bankkarten liegen in einer Geldbörse. Eine Studie zeigt die möglichen Nebenwirkungen des elektronischen Zahlungsverkehrs auf.

(Foto: dpa)

Frankfurt Deutsche legen besonderen Wert auf ihre Privatsphäre. Dabei mag auch die historische Erfahrung mit Diktaturen eine Rolle spielen, schließlich können dort Daten zur Waffe werden. Ein möglicher Schutz: Bares.

Die Research-Abteilung der Deutschen Bank bringt in einer neuen Studie starke Argumente für Bargeld und fordert dabei „den Schutz der eigenen Position im Umgang mit Organisationen, die mächtiger sind als das Individuum“. Sie zeigt Skepsis gegenüber auf Algorithmen basierenden Angeboten und Informationen, die, so heißt es dort, gezielt „auf die jeweiligen (vermuteten) Bedürfnisse abgestimmt sind“.

Das gilt nicht nur für den Einkauf im Netz, sondern auch auf politischer Ebene. „Politische Parteien können Botschaften an ihre Wähler senden, denen diese wahrscheinlich zustimmen“, heißt es weiter. Der Zugriff auf persönliche Datenprofile ermögliche stets neue Erkenntnisse über potenzielle Zielgruppen.

Etwas abstrakter gesprochen geht es den Experten darum, bestehende Informationsasymmetrien zwischen Verbrauchern und Unternehmern zu begrenzen und zu lindern, ebenso zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen.

Damit sprechen sie ein Thema an, dass Ökonomen schon lange umtreibt. In einer perfekten kapitalistischen Modellwelt gäbe es umfassende Transparenz und vollständige Kenntnis aller Informationen. Ein Wunschdenken, denn tatsächlich wissen Verkäufer fast immer mehr über ihr Produkt als die Käufer.

In der modernen Datenwelt ist der Informationsvorsprung der Anbieter noch größer – und zwar viel größer, als es die Kunden vermuten. Mehr und mehr unterschiedlichen Kunden setzen die Anbieter verschiedene Preise vor. Sie entwickeln immer neue Strategien der Preisdiskriminierung – und zwar branchenübergreifend.

Obwohl das Internet zunächst in vielen Bereichen die Transparenz stärkte, droht es jetzt zum Mittel der Vernebelung zu werden. Die Folge: Weiß der Anbieter, dass der Kunde viel Geld und starke Vorlieben hat, kann er bestimmte Waren verteuern.

Missbrauchsgefahr steigt

Anfänglich, so heißt es in dem Papier, wurden Details elektronischer Zahlungen nur für die Zwecke des Zahlungsverkehrs genutzt. Inzwischen können sie mit anderen Daten, etwa aus sozialen Netzen, kombiniert und ausgewertet werden.

Neben der eigentlichen Verwendung kommt die Gefahr des Missbrauchs persönlicher Daten hinzu. Tatsächlich sei es bei einem wissenschaftlichen Versuch gelungen, 90 Prozent von 1,1 Millionen anonymisierten Kreditkarteninhabern zu identifizieren, vor allem durch Tag und Ort der jeweiligen Transaktionen, heißt es. Anders gesagt: Datenprofile verraten so viel über Personen, dass sie daran erkannt werden können.

Mit Bargeld treten diese Probleme nicht auf. Für Anbieter ist es hinreichend schwieriger, einen möglichen Informationsvorteil zu ihrem Vorteil zu nutzen. Klar ist aber auch, dass Bargeld für manche Zwecke, etwa Käufe im Internet, schlicht nicht verwendet werden.

Und dass auch Geldscheine keinen vollständigen Schutz bieten, ist in Deutschland wesentlicher Teil von nahezu jeder Bargeld-Diskussion. So erwähnt die Autorin der Studie etwa nicht, dass auch bei Bargeldautomaten Daten erhoben und Kunden womöglich gefilmt werden.

Ein weiteres Argument gegen Bargeld findet Äußerung in der Sorge, es könne für kriminelle Machenschaften verwendet werden, angefangen von Steuerhinterziehung bis hin zu Lösegeldzahlungen. Das war auch ein Grund, warum im Euro-Raum die Produktion des 500-Euro-Scheins eingestellt worden ist. Die alten Scheine sind weiter gültig, werden aber nicht mehr ersetzt.

Die Deutsche Bundesbank, weitgehend für Bargeld zuständig und deshalb mit großem Interesse bei diesem Thema dabei, hat dies untersucht. Besser gesagt: sie hat es versucht. Denn das Ergebnis ist relativ offen. Es kann nicht nachgewiesen werden, dass Bargeld Kriminalität erleichtert. Das Gegenteil ist allerdings auch nicht deutlich erkennbar.

Bares bleibt Wahres

Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass für die Zwecke von Kriminellen auch Kryptowährungen wie Bitcoins verwendbar sind. Sie hinterlassen zwar auch eine Datenspur, jedoch ohne Zusammenhang zu einer bestimmten Person. Ermittler können Datenspuren nur verwenden, wenn klar ist, wer eine bestimmte Zahlung getätigt hat.

An der Popularität von Bargeld perlen all die Negativschlagzeilen weiter ab. Der Monatsbericht der Bundesbank vom Juni offenbart: Der deutsche Einzelhandel hat 2018 rund 20 Milliarden Zahlungen abgewickelt, davon 76 Prozent mit Bargeld. Gemessen am Umsatz liegt der Bargeldanteil bei knapp 50 Prozent. Das zeigt: Kleine Summen werden noch immer gerne bar bezahlt.

Die Notenbank vergleicht dabei auch die Kosten für den Einzelhandel und kommt dabei auf interessante Durchschnittswerte. Demnach ist die Barzahlung mit 24 Cent pro Stück am billigsten. Bei der Geldkarte sind dagegen 33 Cent, bei Lastschriftzahlungen 34. Am teuersten sind Kreditkarten mit einem Euro pro Zahlung.

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Bezogen auf den Umsatz sind Karten billiger als Bargeld, besonders günstig ist die Geldkarte. Auch spielt die unterschiedliche Höhe der Umsätze eine Rolle. In der Aufstellung sind kontaktlose Zahlungen noch nicht einbezogen, weil sie in Deutschland noch relativ neu und bisher schlecht erfasst sind.

Interessant in dem Zusammenhang: In die Berechnung fließen auch die Zeiten ein, die die Abwicklung an der Kasse kostet. Und hier dürfte das kontaktlose Zahlen, wenn sich Käufer mal dran gewöhnt haben, durch Schnelligkeit bestechen.

Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins hat in Deutschland bereits einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. An anderen Stellen wird lebhaft darüber diskutiert, ob die komplette Abschaffung von Bargeld es der Geldpolitik erleichtern würde, noch tiefer in die Minuszinsen zu gehen. Denn bisher könnten Sparer ja Geldscheine horten, wenn die Banken dazu übergehen sollten, Minuszinsen an sie weiterzureichen.

Hierzu gibt es tatsächlich Überlegungen, etwa vom US-Ökonomen Kenneth Rogoff. Eine komplette Abschaffung dürfte selbst in den USA auf heftigen Widerstand treffen - von den Reaktionen in Deutschland mal ganz zu schweigen.

Mehr: Immer wieder ärgert sich unser Autor Frank Wiebe über den 100-Euro-Schein. Er glaubt: Diese Banknote ist ein Problem und gehört abgeschafft.

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