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Bitcoin und iPhone

B wie Bitcoin: Willkommen in der virtuellen Welt.

(Foto: E+/Getty Images)

Zehn Jahre Kryptowährung Bitcoins haben die Welt verändert – aber noch ist offen, ob zum Guten oder Schlechten

Seit zehn Jahren gibt es mittlerweile die Digitalwährung. Sie hat der Menschheit ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, ist aber zugleich hochgefährlich.
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Vor zehn Jahren veröffentlichte Satoshi Nakamoto ein neunseitiges Konzept mit der Überschrift „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“. Am besten lässt sich das vermutlich so übersetzen: ein hierarchieloses elektronisches Bezahlungssystem. Nakamoto verriet auch seine E-Mail-Adresse „[email protected]“ und gab die zugehörige Webseite mit www.bitcoin.org an.

Dieses Konzept, auch White Paper genannt, hat eine neue Zeit eingeleitet. Eine Zeit, in der zuvor ungeahnte Dinge – zumindest zum Teil – möglich geworden sind. Aus Bitcoin wurde eine Bewegung, ein System, ohne Chef und ohne Zentrale. Es wurde aufgebaut von Leuten, die oft nur elektronisch Kontakt hatten und sich nicht kannten.

Die Vision eines neuen Internets entstand, in dem nicht nur Informationen, sondern auch Werte weltweit verschickt werden können. Das System basiert auf einer Software, die verstreut in unzähligen identischen Kopien existiert. Die Utopie einer Welt ohne Banken und Notenbanken schien zum Greifen nah zu sein und war mitten in der Finanzkrise äußerst verlockend.

Wer die neuen, virtuellen Münzen kaufte, wurde mitunter in wenigen Monaten steinreich. Riesige Computerfarmen entstanden, die zusammen so viel Strom verbrauchen wie ganze Länder. Über tausend andere virtuelle Währungen wurden geschaffen, gänzlich neue Geschäftsmodelle entworfen. Neue Firmen refinanzieren sich mittlerweile, indem sie weltweit virtuelles Kapital aufnehmen.

Aber auch ein El Dorado für Betrüger und Drogenhändler tat sich auf. Es ist möglich, Unternehmen zu gründen, die allein im virtuellen Raum existieren und durch Algorithmen gesteuert werden. Und, ganz wichtig: Vieles wird ins Leben gerufen, das niemand mehr stoppen kann. Weil es keine Zentrale gibt, in der sich ein Stecker ziehen ließe.

Die Welt, zu der Nakamoto den Anstoß gegeben hat, ist faszinierend, absurd, revolutionär, bietet ungeahnte Möglichkeiten und ist zugleich hochgefährlich. Vor allem, weil mit der Auswertung riesiger Datenmengen und künstlicher Intelligenz zugleich andere, ähnlich verrückte Bereiche entstehen. Werden wir in einer Zukunft leben, in der autonome, dezentral existierende und damit weder zu kontrollierende noch zu stoppende Systeme in unser Leben eingreifen?

Nakamotos Idee kam nicht aus dem Nichts. Vor ihm haben andere versucht, ein dezentrales elektronisches System zu schaffen, mit dem man Geld verschicken kann. Aber immer blieb ein Problem ungelöst: zu verhindern, dass jemand sein Geld zugleich an mehrere Empfänger verschickt, also doppelt ausgibt. Hierfür hat Nakamoto eine Lösung gefunden, die offensichtlich bis heute funktioniert.

In dem White Papier liest sich das, frei übersetzt, etwa so: „Wir schlagen für das Problem der doppelten Geldausgabe eine Lösung vor, die auf einem hierarchielosen Netzwerk beruht. Dieses Netzwerk ordnet Transaktionen in eine zeitlich gerichtete Kette von verschlüsselten Nachweisen einer bestimmten Rechnerleistung. So wird eine Dokumentation geschaffen, die nicht verändert werden kann, ohne die jeweilige Rechnerleistung zu wiederholen.“

Zugegeben: Das ist nicht gerade allgemein verständlich formuliert, und das gilt umso mehr für die folgenden technischen Details. Auf der anderen Seite zeigt sich aber: Die meisten Versuche, die Blockchain, also die Technik hinter den Bitcoins, zu erklären, halten sich recht eng an Nakamotos Vorlage – wenn sie überhaupt etwas erklären.

Statt eines neuerlichen Erklärungsversuchs hier nur ein paar Hinweise: Die Software existiert in unzähligen identischen Kopien, die sich untereinander abgleichen. Der Clou des Systems ist, dass jeweils die Übermacht an Rechnerkapazität das Sagen hat.

Damit, so hoffte Nakamoto, sollte es für Betrüger unmöglich sein, die Herrschaft zu übernehmen. Zumal man davon ausgehen kann, dass die Mehrheit der Nutzer ein ordentlich funktionierendes System will.

Um der Übermacht der Computerkapazität die Kontrolle zu sichern, ist das System so konstruiert, dass bei jeder neuen Buchung künstlich sehr hohe Rechnerleistungen verlangt werden. Dieses Konzept ist unter dem Schlagwort „Proof-of-Work“ bekannt – und es ist verantwortlich für den hohen Energieverbrauch.

Sektenhafte Züge

Niemand weiß, wer Nakamoto ist. Das ist ein Grund für die mitunter sektenhaften Züge der Bitcoin-Bewegung. Er selber hat angeblich behauptet, er sei am 5. April 1975 geboren und lebe in Japan. Auffällig ist aber sein perfektes Englisch, was immer wieder die Vermutung nährt, seine japanische Identität, samt dem entsprechenden Namen, sei nur vorgeschoben. Immer wieder sind Ideen aufgetaucht, wer Nakamoto wirklich sein könnte, meist gefolgt von berechtigten Zweifeln.

Ein kalifornischer Physiker mit dem Namen Dorian Nakamoto sagte 2014 in einem Interview, er habe nie was von Bitcoins gehört. Der australische Geschäftsmann Craig Steven Wright nährte 2015 offenbar selbst den Eindruck, er sei Nakamoto, stieß aber überwiegend auf Skepsis.

Immer wieder neue Namen kamen ins Spiel, aber sie verschwanden auch wieder. So umgibt Bitcoin eine quasi-religiöse Aura: Das System ist überall und nirgends zu Hause, und der Gründer verschwunden in geheimnisvoller Anonymität.

Er hat nach der Vorstellung seines Konzepts auch die entsprechende Software veröffentlicht. Danach hat er daran weiter gearbeitet und war noch eine Weile per E-Mail für seine Fans zu erreichen, die das Bitcoin-Projekt weiterentwickelt haben. Mitte 2010 zog er sich aus dem Projekt zurück. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört.

Bei aller Faszination fällt die Bilanz nach zehn Jahren gemischt aus. Die Digitalwährung Bitcoin selbst funktioniert immer noch ähnlich wie am Anfang, aber nicht sehr gut. Die Zahlungen sind oft langsam und teuer. Die virtuellen Münzen sind zu einem Spielball der Spekulation geworden.

Der faszinierendste Ableger vom Bitcoin ist Ethereum – ein System, das automatisierte Verträge erleichtert und eine wichtige Rolle bei neuen Unternehmen spielt, die Kapital in virtueller Währung einsammeln und dafür Beteiligungsrechte ausgeben. Die Technik hinter den Bitcoins, die Nakamoto entworfen hat, wurde als Blockchain bekannt und in zahlreichen Pilotprojekten rund um die Welt eingesetzt, vor allem in der Finanzbranche.

Was bisher fehlt, ist der große Durchbruch, ein Bereich, wo die Blockchain zu einer tief greifenden Veränderung geführt hat. Was es auf der anderen Seite gibt, ist eine ungeheure Energieverschwendung wegen der hohen Rechnerleistungen, die das System erfordert.

Und immer wieder werden Bitcoins kriminell genutzt, außerdem werden Bitcoin-Börsen häufig gehackt, wobei oft große Summen abhandenkommen. Noch ist nicht entschieden, ob das Ganze am Ende eine große Spielwiese bleibt. Oder ob sich, vielleicht über Zwischenstufen, doch die Vision eines Internets der Werte realisiert, das die gesamte Finanzbranche revolutioniert.

Sind Bitcoins eine verrückte Idee? Ein geniales Konzept? Ein energiefressendes Monster, das niemand mehr stoppen kann? Ein bequemer Bargeldersatz für Drogenhändler und Erpresser? Der Ausdruck einer, von der Finanzkrise geprägten, anarchistischen Weltsicht? Der Vorbote einer stärker dezentralen, automatisierten technologischen Welt?

Wahrscheinlich alles.

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