Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zentralbank Ratsmitglied: EZB kann trotz mauer Konjunktur vorerst Kurs halten

Die lockere Geldpolitik der EZB zeigt erste Spuren. Trotzdem hält Ratsmitglied Bostjan Vasle an den Maßnahmen der Zentralbank weiterhin fest.
18.11.2019 Update: 18.11.2019 - 15:59 Uhr Kommentieren
Der EZB-Vize beobachtet mehr Nebeneffekte auf Grund der Geldpolitik. Quelle: dpa
Luis de Guindos

Der EZB-Vize beobachtet mehr Nebeneffekte auf Grund der Geldpolitik.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Main Trotz trüber Konjunkturaussichten kann die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht ihres Ratsmitglieds Bostjan Vasle vorerst Ruhe walten lassen. „Was wir im September beschlossen haben wirkt“, sagte Sloweniens Notenbank-Chef in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein Nachlegen sei derzeit nicht nötig. Alles hänge aber von der Entwicklung der Konjunktur im Euro-Raum ab. „Falls sich die Situation erheblich ändert, dann müssen wir neu über unsere Maßnahmen nachdenken.“ Beispielsweise gebe es noch Spielraum für noch tiefere Zinsen.

Die EZB hatte im September ein großes Maßnahmenpaket zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft beschlossen. Dazu gehörten eine erneute Verschärfung der Strafzinsen für Banken und zugleich eine Entlastung der Geldhäuser sowie die Neuauflage der insbesondere in Deutschland kritisierten Anleihenkäufe. Vor allem der Neustart der Anleihenkäufe, die bis Ende 2018 bereits ein Volumen von mehr als 2,6 Billionen Euro erreicht hatten, war unter den Währungshütern umstritten. Rund ein Drittel scherte bei der Abstimmung aus.

Vasle zufolge entwickelt sich die Konjunktur momentan so wie in den jüngsten Prognosen der Euro-Notenbank unterstellt. „Die Lage verschlechtert sich, aber das ist das, was wir in unserer September-Projektion vorausgesagt hatten, daher sind wir im Augenblick in der Spur.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die jüngsten Signale aus der Wirtschaft seien gemischt. Einige legten nahe, dass die Phase des niedrigen Wachstums in den kommenden Monaten andauere und wahrscheinlich in das erste Halbjahr 2020 hineinreiche. Die Zeichen aus dem Dienstleistungssektor und vom Arbeitsmarkt seien positiver. Das Kreditumfeld für Haushalte und Unternehmen stuft Vasle positiv ein. „Ich glaube, dass insgesamt die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig sind und unsere Intentionen widerspiegelt.“

    Die in Aussicht gestellte Überprüfung der geldpolitischen Strategie unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält Vasle für angebracht. Die Instrumente der Notenbank hätten sich seit der letzten Überarbeitung vor 16 Jahren deutlich verändert. Die seit 1. November amtierende Lagarde hatte bereits vor ihrem Amtsantritt deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Lagarde hatte aber auch gesagt: „Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten.“ Die Sorgen der Menschen müssten beachtet werden. Außerdem wolle sie die Entscheidungen der Notenbank künftig besser erklären.

    Vasle plädierte für eine Überprüfung ohne Vorbedingungen und Vorurteile. „Ich habe keine roten Linien bei dieser Diskussion“, sagte der Notenbanker. Die EZB hatte letztmalig im Jahr 2003 ihre Strategie auf den Prüfstand gestellt.

    Der Chefvolkswirts der Philip Lane betonte sogar, dass die EZB ihr geldpolitisches Pulver noch nicht verschossen habe. „Lassen Sie mich betonen, wir denken nicht, dass wir schon an einer Grenze angelangt sind,“ sagte Lane am Montag auf einer Veranstaltung in Paris. Allerdings sollte auch die Politik ihren Beitrag leisten, damit die Frage nach den Spielräumen der Notenbank weniger relevant wird.

    Nebeneffekte auf dem Vormarsch

    Gleichzeitig sieht die EZB jedoch auch die zunehmenden Nebeneffekte der Nullzinspolitik im Euroraum. „Wir sind uns voll und ganz bewusst, dass unsere Geldpolitik einige Nebeneffekte verursacht hat und dass die Nebeneffekte auf dem Vormarsch sind“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos am Montag bei einer Konferenz in Frankfurt.

    Der Deutsche-Bank-Vizechef Karl von Rohr kann den anhaltend niedrigen Leitzinsen auch etwas Positives abgewinnen. „Ich glaube, am Ende hilft es, dass wir uns ernsthaft darüber Gedanken machen müssen, wie wir unser Geschäftsmodell ändern können“, sagte von Rohr am Montag auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt. „Ich finde das gar nicht so schlecht.“ Banken seien dadurch gezwungen, sich intensiver damit zu befassen, wo sie alternative Erträge herbekommen könnten.

    Lagardes Vorgänger Mario Draghi hatte im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Währungsraum alle Register gezogen: Der Leitzins liegt seit Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen inzwischen 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, zudem steckt die EZB seit diesem November frische Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen. De Guindos sieht dabei noch ausreichend Spielraum für den Kauf von Wertpapieren. Banken und Sparern macht das Zinstief zu schaffen.

    Mehr: Nach dem Ende der Ära Draghi gibt es Redebedarf im EZB-Rat. Die neue EZB-Chefin hat sich informell mit den Ratsmitgliedern der Notenbank getroffen.

    • dpa
    • rtr
    Startseite
    Mehr zu: Zentralbank - Ratsmitglied: EZB kann trotz mauer Konjunktur vorerst Kurs halten
    0 Kommentare zu "Zentralbank: Ratsmitglied: EZB kann trotz mauer Konjunktur vorerst Kurs halten "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%