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Zentralbankgeld Wie der EZB-Tender funktioniert

Heute können sich Europas Banken erneut unbegrenzt günstiges Geld bei der Europäische Zentralbank leihen - für eine Laufzeit von drei Jahren. Wie der Tender funktioniert und was er für geldpolitische Folgen hat.
5 Kommentare
Die Maßnahmen der EZB gegen die europäische Schuldenkrise sind in vollem Gange. Quelle: dpa

Die Maßnahmen der EZB gegen die europäische Schuldenkrise sind in vollem Gange.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist nicht das erste Mal, dass die Europäische Zentralbank (EZB) jede Menge Geld in den Markt pumpt. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers gab es solche Tender -  regelmäßige Transaktionen der Zentralbank, um die Finanzmärkte zu stabilisieren - immer wieder. Und trotzdem: „Dieser Tender ist auch für Europa einzigartig“, sagt Björn van Roye vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW). Der Grund: die Laufzeit. Bisher waren Tender zwar auch durchaus mal längerfristig, die maximale Laufzeit betrug jedoch ein Jahr. Üblich sind auch die wöchentlichen Tender-Ausschüttungen der EZB zu festen Terminen mit einer Laufzeit von einer Woche. Banken können die jeweils gewünschte Geldmenge bei der EZB abrufen. Monatlich werden zusätzlich sogenannte Basistender mit dreimonatiger Laufzeit ausgeschüttet. Auch der Zinssatz wird bei jedem Tender individuell festgelegt, mal richtet er sich nach der Anzahl der Gebote, mal wird er im Voraus bestimmt.

Im Dezember aber hatte die EZB zum ersten Mal einen Tender mit ungewöhnlich langer Laufzeit aufgelegt - den Dreijahrstender. Der Zinssatz liegt zurzeit bei lediglich einem Prozent, er richtet sich nach dem jeweils aktuellen Leitzins. Steigt der in Zukunft an, werden auch höhere Zinsen für das Tender-Geld fällig. 523 Banken liehen sich rund 489 Milliarden Euro. Laut aktuellen Daten der EZB gaben sie einen Großteil des Geldes für Staatsanleihen aus. Zusätzlich floss viel Geld in die eigenen fällig gewordenen Bonds der Banken. Nun gibt es davon eine Neuauflage. Einmalig für Europa, in normalen Zeiten jedoch „undenkbar, gerade zu absurd“, sagt van Roye.

Einzigartig an diesem Tender ist auch, dass die Sicherheiten, die die Banken vorweisen müssen, aufgeweicht wurden: Jede Bank darf so viel Geld nachfragen wie sie will. Sie muss dafür lediglich bei der EZB Sicherheiten in Form von Wertpapieren und Anleihen hinterlegen: Van Roye: „Nie ist es für die Banken so einfach gewesen, unbegrenzt an Geld zu kommen.“

Die Ziele der EZB
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5 Kommentare zu "Zentralbankgeld: Wie der EZB-Tender funktioniert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ...die nächste frage wäre dann: was will die union mit 500 kaputten banken anfangen - darüber macht man sich dann in 2 jahren und 11 monaten gedanken.
    vielleicht leidet draghi ja einfach nur unter diesem unglaublich schmalzigen ohrwurm: "ich will doch nur spielen..."

  • ist das vielleicht eine verstaatlichung von banken durch die hintertür?
    die ezb gibt den banken geld, die davon staatsanleihen kaufen, die zu großen teilen ausfallen werden - gut, die bänker glauben das nicht, aber es gibt da etwas, das "unrealistischer optimismus"[eine dysfunktion des stirnlappens] heißt.
    können die staaten ihre gelder dann nicht an die banken zurückzahlen, können wiederum die banken nicht an die ezb zurückzahlen.
    dann kommt der draghi und sacht: "drei, zwei, eins, meins!" ...oder besser unseres ;)

  • ...und wieder ab in die Bankenkrise, ob sich Schrottpapiere aus staatlichen oder privaten Titeln zusammenstzen ist letztendlich egal.

  • Ich kann mir nur an den Kopf fassen. Die EZB schüttest frisches Billiggeld über die Banken, weil diese sich noch immer misstrauen.
    Die Banken greifen zu, kaufen davon (Schrott-)staatsanleihen und geben diese dann als Sicherheit an die EZB für das Billiggeld. Die Zinsdifferenz kassieren sie aber, solange es gut geht.
    Die kranken Staaten bekommen auf diese Weise Ihre sonst unverkäuflichen Staatspapiere weg und an frisches Geld.

    Geht es nicht mehr gut, haften die hinterlegten Staatsanleihen, die aber dann ebenso nichts mehr wert wären.

    Das ist schlicht eine Geldschwemme und nichts anderes, warum nicht gleich den Staaten von der EZB das Geld direkt geben, das wäre ehrlicher.
    So verdienen als Makler noch die Banken zwischendurch.
    Wobei im Endeffekt ist es egal, diese Summen können NIE zurückgezahlt werden, nur über eine Insolvenz oder Inflation.

  • "Schließlich wurde bereits die Internetblase Anfang 2000 durch im Übermaß vorhandene billige Liquidität ausgelöst."
    Nicht nur die!
    Auch die Immobilienblase 2007/08

    http://www.youtube.com/watch?v=FtO8w1QAJSo

    (..auch Teil 2 und 3 schauen!)

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