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Zinsentscheid Das gefährliche Kunststück der japanischen Notenbank

Eigenwillig und erfolgreich – noch: Japans Notenbank leitet kleine Kurskorrekturen ein, Schwankungen an den Märkten bleiben aus. Doch die Preise bleiben unter dem erklärten Inflationsziel.
Update: 31.07.2018 - 10:38 Uhr Kommentieren
Japan: Das Kunststück der Notenbank Quelle: AP
Bank of Japan

Die Notenbankzentrale in Tokio.

(Foto: AP)

Tokio Selten in den vergangenen Jahren ist eine geldpolitische Entscheidung der japanischen Notenbank mit großer Spannung erwartet worden: Mehr als eine Woche lang spekulierten Anleger nach einer Serie von Medienberichten über eine Kurswende des globalen Pioniers der Nullzinspolitik, um die negativen Begleiterscheinungen der ultralockeren Geldpolitik zu mildern.

Doch nach der Entscheidung schlugen weder Anleihe- noch Devisen- oder Aktienkurse aus. Denn bei der Bank of Japan bleibt alles beim Alten – fast. Wie die Notenbank am heutigen Dienstag mitteilte, hält sie grundsätzlich an den geldpolitischen Stellschrauben fest, justiert sie aber etwas neu und signalisiert Flexibilität bei den Zinssätzen für zehnjährige japanische Staatsanleihen (JGBs).

Damit verspricht die Notenbank trotz sinkender Inflation, ihren „Rahmen für fortgesetzte kraftvolle geldpolitische Lockerung zu stärken“. Die neuen Maßnahmen betreffen dabei erstens ihre Politik der Zinskurvenkontrolle und zweitens den Kauf von Vermögenswerten wie börsengehandelte Aktien- und Immobilienfonds.

Das hat die Notenbank beschlossen

Seit 2016 geben Japans Notenbanker nicht mehr allein den Leitzins für zehnjährige JGBs vor, sondern kontrollieren die gesamte Zinskurve. Heißt konkret: Durch gezielte Großeinkäufe von Anleihen hält die japanische Notenbank die Renditen für ihre Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten im Minus, für zehnjährige Bonds um null Prozent. Experten hatten spekuliert, dass die Notenbanker diese Marke anheben.

Vielmehr beschloss die Notenbank nun, eine „vorausschauende Orientierung für Zinsraten einzuführen“. Das heißt: Sie gibt in Zukunft verstärkt Hinweise auf wichtige Indikatoren bei der Bewertung von Zinsraten, ähnlich dem Forward-Guidance-Prinzip der EZB. Zudem sollen die Zinsen „zu einem gewissen Grad“ je nach wirtschaftlicher Lage und Preisentwicklung nach oben oder unten abweichen können.

Wenn Banken kurzfristige Einlagen bei der Zentralbank parken, zahlen sie weiter einen Strafzins von 0,1 Prozent. Allerdings hat die BoJ nun auch die Höhe der Einlagen reduziert. Diese ultralockere Geldpolitik soll fortgesetzt werden, bis das Inflationsziel von zwei Prozent aus dem Jahr 2013 dauerhaft übertroffen wird.

Außerdem will das Institut seine Käufe von börsengehandelten Fonds (ETFs) umgewichten. Bislang hatte es sich auf ETFs konzentriert, die auf dem Nikkei basieren. Dadurch ist die Notenbank in vielen Großkonzernen, die den Nikkei-Index ausmachen, de facto zum größten Aktionär aufgestiegen. In Zukunft soll der Anteil von ETFs, die dem breiter gefassten Topix-Index der Tokioter Börse folgen, mehr als verdoppelt werden.

Darum hat die Notenbank reagiert

Obwohl die Zentralbank seit 2013 durch Anleihekäufe massiv Geld in die Wirtschaft pumpt, wollen sich die Preise einfach nicht dem erklärten Inflationsziel von zwei Prozent nähern. Derzeit liegt die Inflation sogar unter der Marke von einem Prozent. Das überrascht, schließlich wird erwartet, dass die Wirtschaft bis 2020 weiterhin kontinuierlich wächst. Mit einer Arbeitslosenrate von 2,4 Prozent herrscht de facto Vollbeschäftigung.

Wieso ist die Inflation also derart niedrig? Die BoJ macht dafür mehrere Faktoren verantwortlich: Die Firmen zögerten, Gehälter und Preise anzuheben. In einigen Sektoren drückt hoher Wettbewerb auf die Preise, so dass auch Mieten nicht steigen. Die Notenbank erwartet, dass dieser Trend auch im kommenden Jahr anhalten wird.

Diese Entwicklung wird immer mehr zum Problem. Schon jetzt fragen sich Beobachter, wie lange die Notenbank noch Anleihen kaufen will, ohne den gesamten Markt zu besitzen. Durch die Politik des billigen Geldes bleiben auch immer weniger Möglichkeiten, bei einer erneuten Krise mit geldpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Ein drohender Handelskrieg zwischen den USA und China macht dieses Dilemma noch akuter.

Das erste Fazit

Die Notenbank hat ein kleines Kunststück vollbracht: Sie hat vorsichtige Kurskorrekturen signalisiert, ohne starke Reaktionen an den Märkten auszulösen. Gleichwohl hält sie an ihrem Ziel fest, jährlich Anleihen im großen Stil zu kaufen. Beobachter hatten erwartet, dass zumindest dieses Prinzip gekippt wird.

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