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Zinsentscheid Die Türkische Zentralbank ist gefangen zwischen Rezession und Inflation

Die Währungshüter in Ankara lassen den Leitzins bei 24 Prozent. Das zeigt auch: Den drohenden Abschwung der Wirtschaft können sie nicht aufhalten. Die türkische Börse legt aber eine Rally hin.
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Bereits im vergangenen Jahr verlor die türkische Lira im Vergleich zum Dollar 30 Prozent ihres Wertes. Quelle: dpa
Eine Kurstafel in Istanbul

Bereits im vergangenen Jahr verlor die türkische Lira im Vergleich zum Dollar 30 Prozent ihres Wertes.

(Foto: dpa)

Istanbul Die Türkische Zentralbank hat den Leitzins zum dritten Mal in Folge unverändert hoch bei 24 Prozent belassen. Das geldpolitische Komitee unter Leitung von Notenbankchef Murat Cetinkaya erklärte am Mittwoch in einem Statement, es würde „wenn nötig die Zinspolitik weiter straffen“. Die Lira legte anschließend um einen Prozent zu und stand am Mittwochnachmittag laut Bloomberg bei 5,3945 Lira pro US-Dollar.

Die Entscheidung der Notenbanker war aufgrund der akuten Probleme der türkischen Wirtschaft mit Spannung erwartet worden. Die Währung leidet derzeit unter einer hohen Inflation, die ebenfalls zuletzt rund 24 Prozent betragen hatte. Außerdem beobachten Wirtschaftsexperten, etwa von der OECD, ein Abkühlen der Weltwirtschaft. Der Türkei droht gleich eine Rezession.

Die Entscheidung der Währungshüter, am Leitzins nichts zu ändern, zeigt daher auch: Sie kann mit einer Änderung des Leitzinses weder die Inflation eindämmen, noch neues Wirtschaftswachstum erzeugen.

Dem Statement zufolge hätten sich Importprodukte leicht verbilligt, auch der Konsum sei zurückgegangen. Beides mildert in einer Volkswirtschaft für gewöhnlich die Inflation. Dennoch blieben Risiken, heißt es. „Deswegen hat das Komitee entschieden, die Zinspolitik straff zu halten, bis sich der Inflationsausblick signifikant verbessert.“

Die türkische Lira hat zum US-Dollar alleine in diesem Jahr zwischenzeitlich zehn Prozent an Wert verloren. Inzwischen liegt der Verlust bei rund zwei Prozent seit Jahresbeginn.

Den Währungsschub am Mittwoch erklärt Rabobank-Analyst Piotr Mayr damit, dass Anleger die Entscheidung der Zentralbank unterstützten. „Der volatile Start der Lira in diesem Jahr sollte die Zentralbank zur Vorsicht mahnen“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Bereits im vergangenen Jahr verlor die türkische Währung im Vergleich zum Dollar 30 Prozent ihres Wertes. Quelle: Reuters
Türkische Lira

Bereits im vergangenen Jahr verlor die türkische Währung im Vergleich zum Dollar 30 Prozent ihres Wertes.

(Foto: Reuters)

Die türkische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr gewachsen, in diesem Jahr droht ihr jedoch eine Rezession. Dafür gibt es einige Indikatoren: So sank der Einkaufsmanagerindex auf ein Rekordtief.

Außerdem ist die industrielle Produktion seit drei Monaten rückläufig. Auch wurden 2018 deutlich weniger Autos verkauft als im Vorjahr, obwohl die Regierung den Kauf von Fahrzeugen mit Steuererleichterungen angekurbelt. „Das zeigt, dass der Konsum stark rückläufig ist“, erklären die Berater der türkischen Agentur Ceen.

Die Inflation ist derzeit leicht rückläufig, liegt aber immer noch bei über 20 Prozent. Der Preis mancher Produkte hat sich gleich vervielfacht, auch bei Lebensmitteln. Wegen der schwachen Währung sind vor allem Importgüter aus Europa und den USA immer teurer geworden. Auch Firmen, die zur Produktion sogenannte Zwischengüter importieren müssen, bezahlen dafür nun in Lira gerechnet deutlich mehr.

Die Ängste um Rezession und Inflation scheinen an der türkischen Börse derzeit keine Rolle zu spielen. Seit acht Tagen in Folge legte der Istanbuler Index BIST100 um insgesamt 6,6 Prozent zu. Zum letzten Mal hatte die Istanbuler Börse im März 2016 eine derartige Rallye hingelegt.

Dem Analysten Nusret Altinbas von Alnus Yatirim zufolge liege das auch daran, dass Ausländer ihren Anteil an den BIST100-Aktien um vier Prozentpunkte auf 65,5 Prozent aufgestockt hätten. Außerdem seien die Bedingungen derzeit gut: So sei nach zwei Anleiheemissionen der türkischen Schatzkammer der Zins für zweijährige Anleihen auf ein temporäres Tief von unter 18 Prozent gefallen. Altinbas zufolge könne dies auch für die türkische Zentralbank ein Zeichen der Zuversicht dargestellt haben.

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