Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zinsentscheid in den USA Fed-Chef Powell beflügelt Aktienmärkte und den Euro

Der Notenbankchef legt bei der Zinspolitik eine Pause ein, die angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft eine Weile andauern könnte. Damit handelt er ganz nach dem Geschmack der Investoren.
Kommentieren
Fed-Chef Jerome Powell beflügelt Aktienmärkte und den Euro Quelle: AP
Federal Reserve

Die Notenbank ließ den Leitzins wie erwartet bei der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent.

(Foto: AP)

New York„Nichts überstürzen“, das war die klare Botschaft, die Jerome „Jay“ Powell, der Chef der US-Notenbank Federal Reserve, am Mittwoch den Märkten signalisierte. „Die Argumente für höhere Zinsen haben sich etwas abgeschwächt“, sagte er auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Fed-Sitzung.

Die Notenbank ließ den Leitzins wie erwartet bei der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, lieferte jedoch gleichzeitig ein starkes Anzeichen dafür, dass die regelmäßigen Zinsschritte erst einmal vorbei sein könnten. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) steigen in den USA die Zinsen bereits seit Ende 2015 wieder. Allein im vergangenen Jahr hob Powell vier Mal die Zinsen an.

Powells neue Zurückhaltung war in den vergangenen Wochen laut von Investoren und von US-Präsident Trump gefordert worden. Nach unerwartet hohen Marktturbulenzen im Dezember hatte er bereits im Januar auf einer Veranstaltung mehr Geduld signalisiert. Das Wort hat die Fed am Mittwoch auch in ihr Statement aufgenommen.

Die Notenbanker würden „angesichts der globalen wirtschaftlichen Entwicklungen und dem geringen Inflationsdruck geduldig sein“, bevor sie entscheiden, welche zukünftigen Anpassungen sie am Leitzins vornehmen werden. Powell geht davon aus, dass schwächeres Wachstum in China und in Europa, sowie Unsicherheiten wegen des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China der heimischen Wirtschaft noch eine Weile Gegenwind bieten werden.

Für den Fed-Chef ist das eine deutliche Kehrtwende. Noch im Oktober sagte er, die US-Wirtschaft sei noch weit von dem neutralen Zinssatz entfernt, bei dem die Wirtschaft weder gefördert noch gebremst wird. Ob seine geduldigere Haltung nun bedeutet, dass die Wirtschaft einen deutlich niedrigeren neutralen Zinssatz erreicht habe, wollte er am Mittwoch auf der Pressekonferenz nicht beantworten.

In der Pressemitteilung zum Zinsentscheid fehlte dieses Mal der Hinweis darauf, dass die Fed plane, die Zinsen in Zukunft weiter anzuheben. Das ist das erste Mal seit der Zinswende Ende 2015. „Noch im vergangenen Dezember erwartete die Fed noch mehrere Steigerungen in diesem Jahr, jetzt wissen sie nicht, in welche Richtung sich die Zinsen als nächstes bewegen werden“, schrieb Michael Feroli, Chefökonom bei JP Morgan Chase, in einer aktuellen Analyse.

Die Märkte bejubelten die neue Zurückhaltung der Fed. Der Leitindex Dow Jones schloss zum ersten Mal seit Anfang 2018 wieder bei über 25.000 Punkten und legte insgesamt 1,8 Prozent zu. Der Euro stieg gegenüber des Dollars und kostete 1,1485 Dollar.

Nicht überall kam Powells Haltung gut an. „Es sieht so aus, als habe der Fed-Chef nicht mehr nur die Aufgabe, für Vollbeschäftigung und stabile Inflation zu sorgen, sondern auch für einen soliden Aktien-Markt“, lästerte der unabhängige Ökonom Joel Naroff. „Kinder, esst so viele Süßigkeiten wie ihr wollt“, überschrieb Peter Boockvar, Investmentchef des Vermögensverwalters Bleakley seine Analyse. Feroli titelte: „Weihnachten im Januar“.

Anleger begrüßten noch ein weiteres Signal der Notenbanker. In einer gesonderten Pressemitteilung ging die Fed auf den Abbau der Bilanzsumme ein, die nach der Finanzkrise auf 4,5 Trillionen Dollar angeschwollen war und die seit 16 Monaten schrittweise zurückgefahren wird. Auch hier hatte Powell zunächst für Verwirrung im Markt gesorgt.

Der Abbau der Bilanzsumme laufe „auf Autopilot“, hatte der Fed-Chef im Dezember betont, damit aber zusätzliche Angst bei den Anlegern geschürt, die Notenbank könne zu stur an alten Plänen festhalten. Davon hat sich Powell nun klar distanziert. Zwar sei der Leitzins nach wie vor das Hauptinstrument zur Steuerung der Geldpolitik. Doch die Fed sei bereit, den Abbau der Bilanzsumme anzupassen, „falls die Lage in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten das nötig machen sollte“, heißt es in der Mitteilung.

Zudem erklärte die Fed, dass der Abbau der Bilanzsumme schon bald beendet sein könnte. Die Notenbanker würden derzeit intensiv über die Details diskutieren. Allerdings seien sie sich einig darüber, dass die Bilanz der Fed am Ende deutlich größer sein könnte, als zunächst angenommen. Branchenschätzungen gehen von 3,5 Billionen Dollar aus.

Eine genaue Zahl nannte Powell nicht. Sie ergebe sich jedoch auch durch die Nachfrage nach Bankreserven sowie einem üppigen Puffer, den der Notenbank-Chef vorhalten wolle. Nach der Finanzkrise müssen Finanzinstitute deutlich mehr liquide Mittel vorhalten und die Guthaben, die die Banken bei der Fed parken, gelten als die sichersten.

Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank in New York, geht davon aus, dass die Fed schon zum dritten Quartal den Abbau beenden könnte. Derzeit lässt die Fed monatlich Staatsanleihen und Hypothekenbonds im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar auslaufen, statt das Geld zu reinvestieren.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Zinsentscheid in den USA - Fed-Chef Powell beflügelt Aktienmärkte und den Euro

0 Kommentare zu "Zinsentscheid in den USA: Fed-Chef Powell beflügelt Aktienmärkte und den Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%