Zinsentscheidung Russische Notenbank erhöht Leitzins – Rubel verliert zehn Prozent an Wert innerhalb eines Monats

Die russischen Währungshüter folgen dem türkischen Vorbild. Premierminister Medvedev will eine lockere Geldpolitik - doch die Notenbank hebt die Zinsen an.
Update: 14.09.2018 - 18:26 Uhr Kommentieren
In vielen Schwellenländern sind die Währungen jüngst in Turbulenzen geraten. Quelle: dpa
Rubel

In vielen Schwellenländern sind die Währungen jüngst in Turbulenzen geraten.

(Foto: dpa)

Moskau, DüsseldorfDie russische Notenbank hat den Leitzins überraschend angehoben. Sie erhöhte den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Freitag um einen Viertelpunkt auf 7,5 Prozent. Die Währungshüter in Moskau folgen damit tendenziell dem Vorbild der Zentralbank des Schwellenlandes Türkei. Diese hatte am Donnerstag den Leitzins jedoch weit kräftiger angehoben. Die russische Notenbank kündigte zugleich an, zu prüfen, ob weitere Erhöhungen angebracht seien.

Die Währungen aufstrebender Volkswirtschaften sind jüngst in Turbulenzen geraten. Wegen immer höherer Zinsen in den USA werden Anlagen in den Schwellenländern weniger attraktiv. Die Folgen sind Kapitalflucht und fallende Devisenkurse. Mit höheren Zinsen wird die russische Landeswährung Rubel tendenziell gestützt, die nach dem Zinsentscheid zum Dollar zulegte.

Die US-Devise verbilligte sich zur russischen Währung um 0,5 Prozent auf 68,52 Rubel. Der Euro notiert gegenüber dem Rubel 0,8 Prozent schwächer bei 79,32.

Dabei hat der Internationale Währungsfonds (IWF) noch am gestrigen Donnerstag im Gegensatz zur russischen Notenbank Spielraum für weitere Zinssenkungen in Russland gesehen. Einen Tag vor der Sitzung der russischen Zentralbank hieß es laut IWF, es könnte eine weitere geldpolitische Lockerung angemessen sein, falls die Inflationsrate unter der Vier-Prozent-Schwelle bleibe.

Am Freitag vergangener Woche war der offizielle Euro-Kurs erstmals in diesem Jahr über die Marke von 80 Rubel gestiegen und erreichte am Dienstag dieser Woche mit 81,93 Rubel ein neues Zweieinhalbjahreshoch. Anlass für diese Entwicklung waren Forderungen des Premierministers Dmitri Medvedev nach einer lockeren Geldpolitik. Für die Währungsanalysten der Commerzbank eine „verbale Blutgrätsche“ gegen die Zentralbank.

„In diesem Umfeld allgemeiner Schwellenländer-Schwäche und angesichts eines Lira-Absturzes, den der türkische Präsident mit seiner Forderung nach lockerer Geldpolitik verschuldet hat, war Medvedevs Aufforderung an die Zentralbank, die Zinsen zu senken, so ziemlich das ungeschickteste, was er tun konnte“, lautet deren Fazit. „Hoffentlich erklärt ihm jemand schnell diese Zusammenhänge. Einen weiteren derartigen Ausrutscher kann der Rubel derzeit nicht gebrauchen.“

Vor einer Woche fragen sich Experten nicht mehr, ob ein Dollar bald 70 Rubel kostet, sondern, wann es soweit ist. Zum Vergleich: Anfang August kostete ein Dollar noch rund 62 Rubel, ein Euro 73 Rubel. Damit hat die russische Währung in einem Monat rund zehn Prozent an Wert verloren.

Die russische Zentralbank begründete den Verfall der eigenen Landeswährung offiziell mit der allgemeinen Krise der Schwellenländer. „Die Volatilität an den russischen Finanzmärkten ist gestiegen und nun vergleichbar mit der Volatilität in anderen Ländern“, heißt es in einem Bulletin.

Es sei zu einem „Ansteckungseffekt“ von der Türkei und Argentinien aus gekommen, argumentiert die Notenbank. Zudem sei der August traditionell ein Monat, in dem sich der Rubel schwach entwickle, da wenig Liquidität am Markt sei. Die offizielle Erklärung aus Moskau überzeugte viele externe Beobachter jedoch nicht.

Die Unsicherheit von Investoren zeigt sich noch an einer weiteren Zahl: In dieser Woche musste das Wirtschaftsministerium seine Jahresschätzung für die Kapitalflucht aus Russland deutlich nach oben revidieren. Eigentlich hatte die Regierung gehofft, den Kapitalabfluss bei 18 Milliarden Dollar zu halten. Diese Marke war jedoch schon im Juli (21,5 Milliarden Dollar) durchbrochen worden, nun wurde die Prognose auf 41 Milliarden Dollar bis zum Jahresende angehoben.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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