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Zinserhöhungen abgeblasen US-Notenbank senkt Ausblick für die Wirtschaft – „Das riecht nach Panik“

Fed-Chef Powell plant keine Zinsschritte mehr für dieses Jahr und will den Abbau der Bilanzsumme schon Ende September stoppen. Die Märkte reagierten gemischt.
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Fed: US-Notenbank senkt den Ausblick für die Wirtschaft Quelle: Reuters
Gebäude der Fed

Die Währungshüter werden den Leitzins 2019 voraussichtlich nicht mehr verändern.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfJay Powell drückt weiter auf die Bremse. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) korrigierte am Mittwoch die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft leicht nach unten. Für dieses Jahr rechnen die Notenbanker noch mit einem Plus von 2,1 Prozent, nachdem sie ursprünglich von 2,3 Prozent ausgegangen waren. Für das kommende Jahr gehen sie von einem Wachstum von 1,9 Prozent aus.

„Das Wachstum ging schneller als erwartet zurück“, räumte Powell auf einer Pressekonferenz ein. „Zwar gab es 2018 in der US-Wirtschaft wenig Anzeichen für einen Rückgang. Aber die Daten, die wir bislang in diesem Jahr haben, senden gemischte Signale.“

So verwies Powell auf schwächere Wachstumsraten am Arbeitsmarkt sowie bei den Konsumausgaben. Den Leitzins beließ die Fed am Mittwoch bei der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Zudem gehen die meisten Notenbanker davon aus, dass die Zinsen in diesem Jahr nicht erhöht werden, wie der vierteljährliche Zinsausblick zeigt, den die Notenbank am Mittwoch ebenfalls veröffentlichte. Damit habe sich die Fed in ihrer Geldpolitik noch gemäßigter gezeigt, als ohnehin schon erwartet wurde, gab Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase, zu bedenken.

Die Fed muss nun einen gewagten Balanceakt schaffen: Sie hat die Wachstumsaussichten leicht gesenkt und ihre Zinsstrategie entsprechend angepasst. Die Notenbanker wollen jedoch nicht zu pessimistisch wirken und Panik bei den Investoren verursachen.

Schließlich wächst die US-Wirtschaft immer noch „solide“, wie Powell betonte. Nur nicht mehr so stark wie 2018. Die Wachstumsrate von 3,1 Prozent sei vor allem durch die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump so hoch gewesen, sagte Powell. Die Wirtschaft bekomme zudem Gegenwind von schwächeren Wachstumsraten in China und Europa, den Diskussionen um den Brexit und dem anhaltenden Handelsstreit.

Bereits im Januar hatte Powell angekündigt, geduldig mit weiteren Zinsschritten zu sein. Noch im Dezember waren die Notenbanker noch davon ausgegangen, die Zinsen in diesem Jahr zwei Mal anzuheben. „Wir glauben, dass es keine Zinssteigerungen mehr in diesem Zyklus geben wird“, sagte nun Scott Anderson, Chef-Ökonom der Bank of the West.

Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank fand deutliche Worte: „Die Fed hat die weitere Normalisierung der Geldpolitik abgeblasen. Das ist ein Paukenschlag mit Tusch – und riecht ein wenig nach Panik.“ Manche Experten rechnen sogar damit, dass schon bald wieder über eine Lockerung der Geldpolitik gesprochen wird: „Der Flirt mit Leitzinssenkungen wird im zweiten Halbjahr wohl beginnen“, prophezeit Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Powell zufolge befinde sich der Leitzins derzeit nahe dem neutralen Zinssatz, bei dem die Wirtschaft weder wächst noch gebremst wird. Das Niveau dieses Zinssatzes wäre damit deutlich niedriger als zunächst angenommen. Im Oktober hatte Powell noch gesagt, dass es noch „ein weiter Weg“ bis zum neutralen Zinssatz sei.

Die Märkte reagierten gemischt auf Powells pessimistischeren Ausblick. Nach einem schwachen Start machten sie die Verluste zunächst wieder wett, gaben dann jedoch wieder nach. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen sank auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr.

Die Fed veröffentlichte am Mittwoch auch Details zum Abbau der Bilanzsumme. Die war im Zuge der Finanzkrise durch Wertpapierkäufe auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollen. Seit Oktober 2017 baut die Fed diese schrittweise ab. Derzeit liegt sie bei rund vier Billionen Dollar.

Die Notenbanker haben in der Vergangenheit jedoch bereits signalisiert, dass die Bilanz deutlich größer bleiben wird als vor der Krise 2008. Powell geht von einer Größe von 3,5 Billionen Dollar aus, das entspricht etwa 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Schon im Mai soll der Abbau der Bilanz verlangsamt werden.

Derzeit lässt die Fed monatlich Staatsanleihen im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar und Hypothekenbonds im Wert von bis zu 20 Milliarden Dollar auslaufen, statt das Geld zu reinvestieren. Ab Mai sollen nur noch Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Dollar auslaufen. Die Hypothekenpapiere sollen dagegen weiter reduziert werden, weil die Fed in ihrer Bilanz künftig vor allem Staatsanleihen halten will, sagte Powell. Die Gelder daraus würden dann in Staatsanleihen investiert werden.

Ende September soll der Abbau dann beendet werden. Offen ist jedoch noch, wie der Mix an Staatsanleihen mit längerer und kürzerer Laufzeit aussehen soll. Derzeit würden die Notenbanker intensiv darüber diskutieren, sagte Powell.

Eine Reihe von ihnen bevorzugt offenbar, vermehrt Anleihen mit kürzerer Laufzeit zu kaufen, um damit zu einer Zusammensetzung zurückzukehren, die der vor der Krise ähnelt. Das geht aus den Protokollen der Sitzung vom Dezember hervor. Andere Notenbanker dagegen haben sich für eine Mischung ausgesprochen, die eher die ausstehenden Anleihen am Markt widerspiegelt und damit längerfristige Papiere bevorzugen würde. Diese Strategie gilt auch als stimulierender für die Wirtschaft. Powell kündete an, in den kommenden Monaten genauere Details zu liefern.

Unzufrieden zeigte sich Powell mit der relativ schwachen Inflation. Die liege mit knapp unter zwei Prozent zwar nahe an der Zielmarke der Fed. Dennoch habe er das Gefühl, die Notenbank habe ihr Ziel „nicht überzeugend“ erreicht. „Es ist eines der großen Herausforderungen unserer Zeit, dass wir weltweit Abwärtsdruck auf die Inflationsraten haben“, sagte er.

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1 Kommentar zu "Zinserhöhungen abgeblasen: US-Notenbank senkt Ausblick für die Wirtschaft – „Das riecht nach Panik“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn die US-Zinspolitik nach Panik riecht, dann stehen Europa mit seinen Negativzinsen und insbesondere Deutschland (Targetsalden) unmittelbar vor dem Weltuntergang!

    Da ist mir der Geruch nach Panik in den USA doch lieber :-)