10.000 Anleger betroffen Razzia bei der Geno Wohnbaugenossenschaft – Verdacht auf Untreue und Betrug

Für 10.000 Anleger der Geno Wohnungsbaugenossenschaft ist der Traum vom Eigenheim geplatzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs.
Kommentieren
Die Behörden haben die Geschäftsräume der Ludwigsburger Geno Wohnungsbaugenossenschaft durchsucht. Quelle: dpa
Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Die Behörden haben die Geschäftsräume der Ludwigsburger Geno Wohnungsbaugenossenschaft durchsucht.

(Foto: dpa)

StuttgartDer Skandal um die Insolvenz der Ludwigsburger Geno Wohnungsbaugenossenschaft erreicht eine neue strafrechtliche Dimension. Am 12. und 13. September durchsuchten rund 25 Ermittler des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg und sechs Staatsanwälte im Raum Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis Geschäftsräume des Unternehmens und drei Privatwohnungen.

Es besteht der Verdacht auf Untreue, auf Insolvenzverschleppung und auf gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug. Die Vorwürfe richteten sich laut Staatsanwaltschaft gegen zwei ehemalige und einen amtierenden Vorstand der Genossenschaft.

Das Ludwigsburger Amtsgericht hatte vor einem Monat das Insolvenzverfahren gegen die Genossenschaft eröffnet. Insolvenzverwalter Dietmar Haffa von der Kanzlei Schultze und Braun ließ ausrichten, dass der Insolvenzverwalter vollumfänglich mit den Behörden zusammenarbeite. Als Insolvenzverwalter muss Haffa möglichst viel Vermögen für die Ansprüche der Gläubiger sichern. Die Gläubigerversammlung ist am 15. Oktober.

Schaden von über 30 Millionen Euro

Es ist eine der spektakulärsten Pleiten in der Region. Es geht nicht nur um einen Schaden von über 30 Millionen Euro, sondern auch um das Geld von 10.000 Anlegern, die vermutlich geprellt wurden. Ihr Traum, mithilfe der Geno ohne großes Eigenkapital und ohne Kredite von der Bank zu einer Wohnung oder einem eigenen Haus zu kommen, ist geplatzt. Die 2002 gegründete Genossenschaft hat nur in einem einzigen Jahr Gewinn gemacht und nur 100 Häuser gebaut.

Die Frage, die sich auch der Insolvenzverwalter stellt: Wo ist das ganze Geld der Genossenschaftsmitglieder geblieben? „Maßgeblichen Anteil“ an der finanziellen Misere hat laut dem Insolvenzverwalter der ehemalige Vorstand um den Firmengründer Jens Meier. Auch der Aufsichtsrat muss dabei über Jahre versagt haben.

Zuletzt verlor das Unternehmen pro Monat rund 200.000 Euro. Von 30 Mitarbeitern haben inzwischen 20 die Kündigung erhalten. Insolvenzverwalter Haffa will es schaffen, dass sich die Geno mit den Mieteinnahmen aus den rund 100 eigenen Immobilien selbst tragen kann.

Die Geno darf heute weder neue Mitglieder aufnehmen noch neue Verträge abschließen. Insolvent ist deshalb auch die Geno AG, eine Tochtergesellschaft, die mit über 60 Beschäftigten für den Vertrieb zuständig war. Jens Meier war auch dort Chef. Vorstand und Aufsichtsrat waren seit Monaten tief zerstritten.

Für die Genossenschaftsmitglieder war die Geschäftsidee „Optionskauf“ verlockend: Interessenten, die ein Eigenheim zum Ziel haben, werden mit einer kleinen Einlage Mitglied in einer Genossenschaft. Nach wenigen Jahren sind sie dann berechtigt, eine Wohnung oder ein Haus der Genossenschaft zu beziehen.

Sie zahlen Miete an die Genossenschaft, die teilweise sogar auf den späteren Kaufpreis angerechnet wird. Der Kaufpreis steht vorher fest, die Zahlung muss spätestens nach 35 Jahren erfolgen. Verbraucherschützer wie die Stiftung Warentest hatten in den vergangenen Jahren vor dem Geschäftsmodell gewarnt.

Auch der Insolvenzverwalter hält es für zweifelhaft. Branchenexperten vermuten dahinter ein Schneeballsystem, das nur funktioniert, solange genügend neue Genossenschaftsmitglieder mit ihren Einlagen frisches Geld in die Kasse bringen. Denn auch nach 16 Jahren sind bei einem Bestand von 100 Häusern nur wenige der mittlerweile 10.000 Genossenschaftsmitglieder überhaupt in den Genuss einer Genossenschaftswohnung gekommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits seit 2015 gegen zwei langjährigen Vorstände, darunter Meier, wegen des Verdachts auf Betrug und Insolvenzverschleppung. Geno-Mitglieder hatten damals Anzeige erstattet.

Startseite

Mehr zu: 10.000 Anleger betroffen - Razzia bei der Geno Wohnbaugenossenschaft – Verdacht auf Untreue und Betrug

0 Kommentare zu "10.000 Anleger betroffen: Razzia bei der Geno Wohnbaugenossenschaft – Verdacht auf Untreue und Betrug"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%