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100-Jahr-Jubiläum Tel Aviv – das größte Freilichtmuseum für Bauhausarchitektur

Das Werk deutsch-jüdischer Architekten prägt die Stadt an der Mittelmeerküste bis heute. Aber der Charme der Dessauer Schule geht langsam verloren.
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Viele Gebäude sind inzwischen stark heruntergekommen. Quelle: imago/Priller&Maug
Tel Avivs „Weiße Stadt“

Viele Gebäude sind inzwischen stark heruntergekommen.

(Foto: imago/Priller&Maug)

Tel Aviv Tel Aviv beherbergt das weltweit größte Freilichtmuseum für Bauhausarchitektur – und das kommt nicht von ungefähr. In den 1930er-Jahren flüchteten namhafte jüdische Architekten aus Deutschland ins damalige Palästina, von denen viele am Staatlichen Bauhaus studiert, gearbeitet und gelehrt hatten. In Tel Aviv, der expandierenden Stadt, die erst zwanzig Jahre zuvor auf Sanddünen gegründet worden war, konnten sich die deutsch-jüdischen Architekten entfalten.

Der einfache, schnörkellose internationale Stil gefiel den Planern der jungen Metropole, die ihre Idee einer Gartenstadt umzusetzen versuchten. Die neue Art zu bauen sollte den zuvor dominierenden eklektischen Stil ablösen. Der wirkte mit seinem Mix aus westlichen und orientalischen Elementen allzu schwer und protzig, zudem war er nicht auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten.

Deshalb war die Bauweise der Dessauer Schule in der noch jungen Stadt in Palästina hochwillkommen. Die für den Architekturstil typischen Flachdächer konnten für viele Aktivitäten genutzt werden, die klaren Fensterfronten sorgten für eine Durchflutung der Wohnungen mit Sonnenlicht, und jede Ecke des Gebäudes ließ sich praktisch nutzen.

Die in Deutschland verbreiteten kleinen Balkone wurden in der Stadt an der Mittelmeerküste vergrößert, damit die Bewohner das milde Klima genießen konnten. Selbst die Treppenhäuser waren dank der horizontalen Fenster gut beleuchtet. So gut gefiel den damaligen Stadtvätern der internationale Stil, dass sie ihn in den 1930- und 1940er-Jahren mithilfe eines Gesetzes durchsetzten. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er gut zur sozialistischen Gesinnung der Kommunalpolitiker passte.

Denn die schmucklosen Fassaden ließen kaum Rückschluss auf die Vermögenslage der Bewohner zu. Niemand sollte in den Gründerjahren seinen Reichtum prahlerisch zur Schau stellen, meint der Tourguide Isaac, der uns durch die Bauhaus-Viertel der Stadt führt: „Jeder war damals neu hier, und jeder begann in Tel Aviv ein neues Leben.“ Im Anflug auf Tel Aviv erkannte man einst die „weiße Stadt“ – ein Name, der sich bis heute erhalten hat, obwohl er die Realität längst nicht mehr widerspiegelt.

In der City prägt das Werk deutsch-jüdischer Architekten das Gesicht der Stadt an der Mittelmeerküste bis heute. Insgesamt sind 4.000 Gebäude im internationalen Stil entstanden. Aber der Charme der Dessauer Schule wird von zahlreichen Hochhäusern erdrückt, die seit einigen Jahren die Skyline der Metropole bestimmen. Die Stadt erlaubt den Bau von Wolkenkratzern, weil die Grundstückspreise in Tel Aviv exorbitant hoch sind.

Bewilligungen für Hochhäuser sind freilich oft an die Bedingung geknüpft, die Sanierung eines der denkmalgeschützten Häuser zu finanzieren. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Bausubstanz arg gelitten. Wind, starke Sonneneinstrahlung und eine hohe Luftfeuchtigkeit setzen Putz und Holzrahmen zu. Viele Gebäude sind dringend renovierungsbedürftig. „Erst ein Viertel der schützenswerten Gebäude wurde bisher erneuert“, schätzt Micha Gross, der in Tel Aviv das Bauhaus Center leitet.

Ein wichtiger Anstoß für Renovierungsarbeiten war die Anerkennung der Bauhaussubstanz als Weltkulturerbe durch die Unesco im Sommer 2003. Später wurden 2.000 Bauhaus-Gebäude unter Denkmalschutz gestellt – das Gesetz werde allerdings „nur sehr zaghaft durchgesetzt“, bedauert Gross.

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