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Aktie unter der Lupe Warum Vermögensverwalter Brookfield als der kanadische Warren Buffett gilt

Langfristige Investitionen, hohe Renditen: Das verhilft der Anlagegesellschaft und ihrem Chef Bruce Flatt zu einem schmeichelhaften Vergleich.
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Bruce Flatt hat die zum Berliner Kultplatz gehörigen Immobilien für 1,4 Milliarden Dollar gekauft. Quelle: imago images / Arnulf Hettrich
Potsdamer Platz in Berlin

Bruce Flatt hat die zum Berliner Kultplatz gehörigen Immobilien für 1,4 Milliarden Dollar gekauft.

(Foto: imago images / Arnulf Hettrich)

FrankfurtWenn Bruce Flatt nach Berlin kommt, dann lässt er es sich nicht nehmen, nach seiner wichtigsten Trophäe im deutschen Markt zu schauen. Denn kaum einer weiß, dass der Vorstandschef von Brookfield Asset Management ein echtes Juwel in der Hauptstadt besitzt.

„Wir haben den Potsdamer Platz vor rund vier Jahren für 1,4 Milliarden Dollar gekauft, da wollte niemand diese Immobilien haben. Wir denken in längeren Zeiträumen als die anderen Investoren und setzen auf die Erholung von vernachlässigten Assets“, beschreibt Flatt seine Philosophie im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Potsdamer Platz war nach seiner Schilderung damals nur zu 65 Prozent vermietet, eine Restrukturierung war dringend erforderlich. „Wir haben investiert und die ganze Gegend wiederbelebt, heute sind die Immobilien zu 100 Prozent vermietet“, erläutert der Manager.

Die lokalen Investoren hätten das Objekt schon abgeschrieben. Sein Team habe dagegen mit dem Blick von außen einen Vorteil ausgespielt.

Der 53-jährige Chef wird gerne als der „kanadische Warren Buffett„ bezeichnet – „vielleicht, weil wir langfristig investieren und die börsennotierte Holding in den vergangenen 25 Jahren eine Rendite von 17 Prozent per annum abgeworfen hat“, vermutet er selbst. Wobei Buffett als Chef der US-Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway natürlich viel bekannter ist und sein Image als „Orakel von Omaha“ für die Aktienmärkte pflegt.

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Aber die Performance der Aktie von Brookfield Asset Management, im kanadischen Toronto ansässig, kann sich sehen lassen. Sie notiert in der Nähe ihres Hochs von 47,63 Dollar. Seit ihren tiefsten Kursen in der Finanzkrise hat sich ihr Wert etwa verfünffacht.

Das muss aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn die Zwölf-Monats-Kursziele der Analysten liegen im Mittel bei 52,30 Dollar, womit ein Kursplus von gut zehn Prozent drin wäre. Dagegen notiert Berkshire Hathaway doch recht deutlich unter seinen bisherigen Höchstständen.

Mittelstand im Visier

Brookfield versteht sich als Vermögensverwalter alternativer Anlageklassen. Außer in Immobilien investiert die Gesellschaft in Infrastruktur, erneuerbare Energien und Unternehmensbeteiligungen, auch bekannt als Private Equity. Bei Immobilien rechnet Brookfield mit sechs bis zehn Prozent Nettorendite, bei Private Equity peilt die Truppe um Flatt 18 bis 20 Prozent an.

Besonders bei Private Equity haben die Kanadier im deutschen Markt noch viel vor – wobei ihr Bekanntheitsgrad bisher nahe null liegt. „Wir werden in der zweiten Jahreshälfte 2019 ein Büro in Frankfurt mit zwei Experten eröffnen. Aber wir haben in London ebenfalls noch acht deutschsprachige Fachleute. Der Brexit macht den deutschen Markt noch interessanter“, sagt Flatt.

Er hat bereits für umgerechnet 250 Millionen Dollar IC Campus gekauft, einen Entwickler und Betreiber von Studentenwohnungen mit Sitz in München. Brookfield will in den kommenden Monaten Firmen im Mittelstand kaufen, vorzugsweise Marktführer in Nischen oder Dienstleister für die Immobilienbranche beziehungsweise die Industrie.

Bisher trat Brookfield im deutschen Private-Equity-Geschäft mit dem Kauf des Verpackungsspezialisten Schoeller Allibert in Erscheinung, der zwei große Werke in Schwerin und Monheim betreibt. Buffett hält auch schon seit Jahren Ausschau nach deutschen Mittelständlern, war aber bisher mit Käufen zurückhaltend, weil er die Firmen zu teuer findet.

Eine wettbewerbsintensive Branche

Das größte Risiko bestehe darin, dass Private Equity heute ein sehr wettbewerbsintensives Spielfeld sei, sagt Devin Dodge, Analyst bei der Bank of Montreal. Brookfield habe eine tolle Leistungsbilanz, aber um eine bedeutendere Rolle spielen zu können, brauche die Firma auch größere Deals, sagte der Analyst gegenüber Bloomberg. In diese Richtung ging bereits die Übernahme des Sanierungsfalls Westinghouse Electric Co im vergangenen Jahr für 4,6 Milliarden Dollar.

Flatt und seine Manager sehen die Größe ihrer Firma als Vorteil bei zukünftigen Investments – zumal im konjunkturellen Abschwung günstigere Preise zu erwarten sind. „Wir haben eine enorme Feuerkraft, mit unseren jüngsten Fonds haben wir 50 Milliarden Dollar eingesammelt, die investieren wir in den nächsten zwei, drei Jahren.

Allein für Immobilien stehen 15 Milliarden Dollar bereit“, erläutert Flatt, dem Branchenbeobachter zutrauen, dass er Platzhirsche wie Blackstone herausfordern kann. Einen Schritt in diese Richtung machte Flatt vor wenigen Wochen mit dem Kauf einer Mehrheitsbeteiligung von 62 Prozent am alternativen Vermögensverwalter Oaktree für rund 4,7 Milliarden Dollar.

Damit diversifiziert Brookfield vor allem in das private Kreditgeschäft – ein Schritt, den Analysten begrüßen. Das verwaltete Vermögen addiert sich damit auf 475 Milliarden Dollar, die jährlichen Gebühreneinnahmen liegen bei 2,5 Milliarden Dollar. Brookfield ist damit in der Champions League der Vermögensverwalter angekommen, auch wenn das in Europa kaum bemerkt worden ist.

Viele Kaufempfehlungen

Im Beteiligungsbereich kauft Flatt mitunter auch börsennotierte Unternehmen auf. „Wir haben neun Unternehmen in den vergangenen 24 Monaten von der Börse genommen via öffentlicher Übernahmeangebote“, sagt er. „Das wird weltweit eher zunehmen, auch in Deutschland, weil es immer weniger Research zu den nicht so liquiden Titeln gibt und einige Management-Teams das Privateigentum bevorzugen.“ Prominente Beispiele für solche „Public-to-Private“-Transaktionen durch andere Beteiligungsfirmen waren in Deutschland zuletzt der Arzneimittelhersteller Stada und das Online-Kleinanzeigenportal Scout24.

Das Urteil der angelsächsischen Analysten zur Brookfield-Aktie ist einhellig: Neun Experten raten zum Kauf des Papiers, einer zum Halten. Auf „verkaufen“ ist keiner eingestellt. Flatt teilt mit Buffett eine Tugend: die Geduld. „Wir können dank unserer erreichten Größe warten, bis es Gelegenheiten gibt. In Indien haben wir mit 50 Experten sieben Jahre lang nicht investiert. Diesen Luxus können wir uns leisten“, sagt Flatt.

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