Bankdarlehen Billiges Baugeld mit Tücken

Mit Rekordkonditionen locken die Banken derzeit ihre Kunden in Baugeldverträge. Doch viele Eigenheimplaner beachten nicht, dass sich durch einen Niedrigzins die Tilgung des Darlehens teilweise extrem in die Länge zieht.
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Rohbau für ein Einfamilienhaus. Das Geld von der Bank gibt's günstig wie nie. Quelle: picture-alliance

Rohbau für ein Einfamilienhaus. Das Geld von der Bank gibt's günstig wie nie.

(Foto: picture-alliance)

DüsseldorfHäuslebauer jubeln. Baugeld ist so billig wie noch nie. Günstige Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung gibt es gegenwärtig für rund drei Prozent. Wer sich 15 Jahre lang gleiche Raten sichern möchte, ist mit etwa dreieinhalb Prozent dabei. Die Fünfjahreskonditionen sind sogar einen Prozentpunkt besser.

Doch angesichts der niedrigen Zinsen rät Stephan Scharfenorth, Geschäftsführer des Baufinanzierungsportals Baufi24.de, von kurzen Zinsbindungen ab: „Ich würde für 15 Jahre abschließen, weil man das Darlehen trotzdem nach zehn Jahren kündigen kann, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen.“ Scharfenorth empfiehlt sogar, nach Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung zu suchen, die allerdings von nicht vielen Banken angeboten werden.

Doch die niedrigen Zinsen haben Tücken: Wenn die monatlichen Raten an die Bank niedriger ausfallen, verlangsamt sich auch die Tilgung des gesamten Darlehens. „Alle freuen sich darüber, vergessen aber, dass es bis zur vollständigen Tilgung eines Annuitätendarlehens umso länger dauert, je niedriger die Zinsen sind“, warnt Scharfenorth.

Wer etwa ein Darlehen über 200.000 Euro mit 15-jähriger Zinsbindung, einem Prozent Tilgung und 3,5 Prozent Zins aufnimmt, zahlt monatlich 750 Euro, braucht aber 43 Jahre, bis das Häuschen abbezahlt ist. Tilgt er dagegen drei Prozent, holt sich die Bank monatlich 1083 Euro von seinem Konto, aber dies nur 22 Jahre und zwei Monate lang. Müsste der Kreditnehmer, wie noch vor ein paar Jahren, 5,5 Prozent Zinsen zahlen und würde nur ein Prozent tilgen, wäre die monatliche Belastung genauso hoch und das Darlehen nach 35 Jahren getilgt.

Das Annuitätendarlehen ist die typische Baufinanzierung in Deutschland. Der Darlehensnehmer weiß, welche Belastung auf ihn zukommt, denn die Monatsraten sind über die Dauer der Zinsbindung gleich. Je länger es dauert, bis die eigenen vier Wände abbezahlt sind, desto größer ist die Gefahr, Darlehen zu zwischenzeitlich stark gestiegenen Zinsen verlängern zu müssen. Deshalb sollte die Tilgungsrate jetzt höher gewählt werden. Max Herbst, Chef der FMH Finanzberatung, sagt: „Zwei, besser drei Prozent Tilgung sind heute Pflicht.“

Die geringen Zinssätze könnten noch länger Bestand haben
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13 Kommentare zu "Bankdarlehen: Billiges Baugeld mit Tücken"

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  • Es ist schon interessant, wie offensichtlich eindimensional dieser Artikel von den Kommentatoren gelesen respektive besprochen wird. Natürlich ist es richtig, dass bei kleinerem Zins und gleichem anfänglichen Tilgungssatz der total Zinsaufwand geringer ist. So viel zur Theorie. In der Praxisbetrachtung jedoch ist es mehr als nur ratsam, die erheblichen Tilgungsvorteile dieser Niedrigzinsphase zu nutzen und damit dem Zinsänderungsrisiko nach Ablauf der Zinsbindungsfrist nicht "ausgeliefert" zu sein. Fazit: Vielleicht hätte der Autor diese Tatsache deutlicher herausschreiben sollen. Ansonsten ist das ein sehr gut recherchierter Artikel.

  • ein mathematisches kuriosum. bei niedrigen zinsen zahlt man bei gleicher prozentualer tilgung länger, aber insgesamt weniger als bei hohen zinsen, bei denen man zwar eine kürzere gesamtlaufzeit hat aber unterm strich mehr bezahlt.

    der zinssatz ist bei der kreditvergabe übrigens meistens für die bank egal. auf die marge kommt es an...

    die stossrichtung des artikels ist allerdings schon putzig. auf der anderen seite der eine oder andere kommentar nicht weniger...

  • Unglaublich, was hier für Knaller unterwegs sind und welcher Unsinn hier durch die Gegend gepustet wird. Natürlich bekommt man einen Kredit bei der Bank. Dazu muss man weder Beamter sein, noch Wulff heissen, kann auch auch selbständig sein. Dazu benötigt man allerdings ein nachvollziehbares Geschäftsmodell und/oder auch etwas Grundkapital und Sicherheiten. Daran scheint es bei Ihnen zu mangeln.

  • Leider fehlt der Hinweis, dass fast niemand Kredite bekommt( ausser Wulff), da die Banken schlicht keine Lust haben bei niedrigen Zinsen zu verleihen. Ausgenommen Beamte, die bekommen alles was sie wollen. Selbstständige können sich den Weg zur Bank sparen.

  • Bei einem Zinssatz von 3% hätte ich (bei Ihrem Beispiel) ja schon 17% des Darlehens zurückgezahlt statt nur 10%. Somit sind zwar die eingesparten Zinsen zweiten Jahr niedriger als bei einem Zinssatz von 10%, die Tilgung ist aber in jedem Jahr höher was zu einer insgesamt niedrigeren Laufzeit führt.

    Kaufen sie ein neues Auto eigentlich lieber bei einem Händler der ihnen 5% Rabatt auf einen Preis von 20,000€ gibt oder bei einem der Ihnen 20% Rabatt auf einem Preis von 30,000€ gibt? Laut Ihrer Logik bei letzerem, weil sie da ja mehr eingespart haben.

  • @ Mainsurfer und @ Handelsblatt

    Verwirrung stiften ist eine seltene Kunst.
    Der Häuslebauer Jedermann hat eine Summe X monatlich zur Verfügung.
    Die nimmt er, um seine Immobilie zu finanzieren.
    Nach Ihrer Aussage hört es sich für den armen Wicht besser an, wenn er mehr Zinsen mit seiner Bank vereinbart, denn dann zahlt er eine kürzere Zeit ab, als wenn sein Zinssatz niedriger wäre. ?????
    Da frage ich mich doch - was haben wir für einen dummen Bundespräsidenten, wenn er so niedrige Zinsen mit der Bank aushandelt?? Wäre er doch viel besser bei einer teureren Bank geblieben! Der ganze Politzirkus, alles umsonst.
    Würde er doch viel kürzere Laufzeit abbezahlen und mit jedem getilgten Euro so viel mehr Zinsen sparen.
    Zum Glück ist es nicht verboten, mal selbst den Taschenrechner auszupacken oder den PC mit ner Excel Tabelle.

  • ... wenn man klassisch Äpfel mit Birnen vergleicht.
    Ein Darlehen mit 1% anfänglicher Tilgung wird natürlich bei einem geringen Zinssatz länger zu tilgen sein.
    Wenn aber der niedrigere Zinssatz genutzt wird um die anfängliche Tilgungsrate höher anzusetzen - also vergleichbare Kreditbetrag und monatliche Belastung annehme - dann ist das durchaus nicht der Fall und die Tilgung wird schneller zuende sein -- aber das ist natürlich nicth im Interesse der Kreditgeber

  • @mezzoforte und Rudy_F.

    Viele Kunden, und Sie beiden auch, die ein Darlehen für eine Immobilie aufnehmen, wissen nicht, dass sie für die Rückzahlung eines Annuitätendarlehens bei gleicher Tilgung immer mehr Zeit brauchen, wenn der Zinssatz niedrig ist. Das ist ja auch die Kernaussage des Artikels., die Sie leider nicht beachtet haben.

    Das klingt vielleicht erstmal absurd, ist aber mit einer einfachen finanzmathematischen Rechnung zu begründen. Bei einem Annuitätendarlehen hat der Darlehensnehmer eine Rate, die monatlich gleich ist und die sich aus den Zinsen und aus der Tilgung zusammensetzt. Weil der Anteil der Tilgung mit der bestehenden Restschuld verrechnet wird, wird der Zinsanteil an der Rate mit jedem Monat kleiner, der Anteil der Tilgung hingegen wird größer.

    Demzufolge zieht dieses nach sich, dass je kleiner der Zinssatz ist, die Ersparnis aus der jeweiligen Tilgung ebenfalls kleiner wird bzw ist und sich deshalb die Laufzeit für die Rückzahlung insgesamt entsprechend verlängert - gegenüber einem Darlehen mit einem hohen Zins, wo dann später mehr "Platz" für den Tilgungsanteil ist. In einer Beispielrechnung stellt sich das wie folgt dar, bei einem Zins von 7 Prozent und einer anfänglichen Tilgung von nur 1 Prozent werden für die Rückzahlung des Kredites etwa 30 Jahre benötigt. Beträgt der Nominalzins hingegen nur 5 Prozent und die Tilgung liegt auch bei 1 Prozent dauert die Rückzahlung schon fast 36 Jahre.

    Si tacuisses ....

  • Manchmal hilft etwas nachdenken,obwohl der intellektuelle Anspruch zum Verstehen des Inhaltes so hoch ja nicht gerade ist.
    Natürlich ist die Aussage des Artikels nicht schwachsinnig, jedoch ist Ihr Kommentar unsinnig.
    Es ist doch ganz einfach: Wenn ich bei einem Darlehen, dass mit z.B. 10% verzinst wird und ich zahle 10% zurück, dann muss ich für diese 10% des Darlehen ja keine Zinsen mehr bezahlen. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Rate gleich, also wird der Abtrag um den den Betrag der Zinsersparnis auf den Rückzahlungsbetrag geringer. Dass die Zinsersparnis bei einem Zinssatz von 10% höher sein wird, als bei einem Zinssatz von 3%, dürfte sich auch Ihnen erschließen, oedr?

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