Baufinanzierung Bauherren klagen massenhaft gegen Banker

In vielen Baugeld-Verträgen stimmen die Klauseln nicht. Kreditnehmer kommen gratis raus, das Sparpotenzial ist gigantisch. Jetzt sollen 900.000 Immobilienbesitzer die Widerrufswelle reiten. Wie Sie jetzt sparen können.
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Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen. Quelle: Getty Images

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen.

(Foto: Getty Images)

Banken, die ihren Kunden in den vergangenen Jahren Baufinanzierungen vermittelt haben, droht jetzt eine neue, massive Widerrufswelle. „Im Zeitraum zwischen 2002 und 2010 wurden mehr als zehn Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen“, sagt Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund. „Über die Hälfte davon dürften fehlerhafte Widerrufsbelehrungen enthalten.“

Wenn die Widerrufsklauseln in den Kreditverträgen nicht rechtens sind, können Kunden gratis aus ihren Verträgen raus, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Für die Mehrzahl der Immobilienbesitzer ist das ein gutes Geschäft. Im Volksmund hat sich bei fehlerhaften Verträgen daher bereits der Begriff „Widerrufsjoker“ eingebürgert. Handelsblatt Online erklärt, wer aus seinem Vertrag rauskommt und wie die die größten Banken auf kündigungswillige Kunden reagieren.

Die Sätze für Baugeld sind im Zuge des historischen Zinstiefs in den vergangenen Jahren drastisch gefallen. Aktuell verlangen Banken für ein Darlehen mit üblicher Beleihung und einer Zinsbindung von zehn Jahren im Schnitt weniger als 1,5 Prozent. „Wer zwischen 2005 und 2010 für etwa fünf bis sechs Prozent Zinsen abgeschlossen hat, kann durch eine Umschuldung aktuell seine Zinsen um mehr als die Hälfte reduzieren und sein Darlehen erheblich schneller zurückzahlen“, sagt Warnecke. „Das Einsparpotenzial ist enorm!“

Die Furcht der Banker

Der Verbandschef empfiehlt Immobilienbesitzern den „Widerrufsjoker“ zu ziehen. „Wir möchten unseren Mitgliedern von Haus & Grund stets besten juristischen Rat anbieten“, sagt Warnecke. Sein Verband hat daraufhin eine Kooperation mit den Kanzleien Baum, Reiter & Collegen und Gansel Rechtsanwälte vereinbart. „Beide Kanzleien zusammen haben bereits mehr als 3000 Umschuldungen erfolgreich abgewickelt“, sagt Warnecke.

Vielen Bankern dürfte angesichts dessen der Schreck in die Glieder fahren. Denn sie wissen: Nicht nur Haus & Grund spielt den Widerrufsjoker. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zählte mehr als 5500 Beratungen zum Widerruf im vergangenen Jahr. Insgesamt gesehen vervierfachten sich auch wegen des Widerrufsjokers die Beratungen zu Schadensfällen in der Geldanlage. „Rund 75 Prozent der geprüften Widerrufsbelehrungen sind fehlerhaft“, sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen.

Haus & Grund schlägt in die gleiche Kerbe. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der knapp 900.000 Mitglieder den Joker zieht, dürften bei den Banken bald mehrere Tausend Widerrufe eingehen. Und der größte Anteil davon dürfte fundiert formuliert sein. Die Partner-Kanzleien des Verbandes haben in Punkto Kreditrecht sowohl Erfahrung als auch einen guten Ruf.

Wie Kunden teure Verträge loswerden
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31 Kommentare zu "Baufinanzierung: Bauherren klagen massenhaft gegen Banker"

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  • Es ist haarsträubend was derzeit an juristischer Qualität abgeliefert wird.

    Bei der Widerrufsjokerdiskussion wird vergessen, dass es auch schon viele Darlehensnehmer in den vergangenen Jahren gab, die auf Grund einer persönlichen Notsituation (Scheidung, Arbeitsplatzverlust, schwere Krankheit beides samt einhergehenden Vermögensverfall, arbeitsplatzbedingter Umzug, Tod) Ihre geliebtes Wohnobjekt verkaufen mussten und auf eine faire und eventuelle auch menschliche Behandlung der Darlehensgeber gehofft haben.

    Fehlanzeige! Aufhebungsvertrag unterschreiben, VFE zahlen, dann Freigabe oder Zwangsvollstreckung und in Deutschland der persönliche Ruin. Die Rückforderung von diesen Verbrauchern hat daher nichts aber auch rein gar nichts mit dem lächerlichen Einwand „Ausnutzen des derzeitigen geringen Zinsniveaus“ zu tun.

    Sie merken schon: Mein Mitleid mit denen, die nun verklagt werden, hält sich in ganz argen Grenzen.
    Einen schönen Abend Ihnen allen.

  • Wie von Herrn Lemke schon geschrieben wäre es sicherlich angebracht, die Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) den Gegebenheiten anzupassen, sprich eine Refinanzierung wie sie auch tatsächlich erfolgt und evtl. auch eine Deckelung wie bei anderen Darlehen und wie es auch in allen europäischen Ländern gehandhabt wird. Die Politik verschließt sich auf Druck der Bankenlobbiesten jedoch diesem Thema. Die jetzige Bundesregierung wird trotz sozialdemokratischer Initiative keine Gesetzesänderung einbringen. Die dominierende Merkelpartei blockt dieses ab.

    Insbesondere bei den Sparkassen gehört es zum Geschäftsmodell eine möglichst attraktive VFE für sich herauszuholen. Die Sparkassen gehen zudem außergerichtlich keine Vergleiche ein, bei denen sie mehr als 50% der vereinnahmten VFE zurückzahlen müssen. Da lässt sich nur der Klageweg bestreiten und der ist bei valutieren Darlehen sehr teuer. Diesen Umstand kennen die Darlehensgeber. Schnell kommen in der ersten Instanz (Landgericht) 10.000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten zusammen. Sollte man verlieren und es zahlt keine Rechtschutzversicherung, ist das Geld bei fehlenden liquiden Mitteln um auch in die Berufung zu gehen weg. Auch diesen Umstand kennen die Darlehensgeber und hoffen, dass möglichst wenig Verbraucher die finanziellen Mittel haben oder Rechtschutzversicherer reihenweise die Deckung versagen.

    Selbst vor Gericht kann sich kein Verbraucher sicher sein, auf einen Richter zu treffen, der sich teilweise durch diese dämliche Widerrufsjokerberichterstattung schon seit Urteil gebildet und vorgeschrieben hat. Selbstverständlich wird die Klage abgewiesen, teilweise mit abstrusen Argumenten.

    Entschuldigen Sie bitte, sehr geehrte Richter/innen, Sie haben ein jahreslanges Studium samt Referendariat meistens mit guten Noten absolviert, Ihre Behörde kassiert satte Gerichtsgebühren, dann darf man sich mit der fremden Materie auch mal neutral auseinandersetzen und nicht angewidert gucken.

  • Ich beschäftige mich seit mehr als drei Jahren beruflich, nicht als Anwalt oder Darlehensgeber, mit dem Thema "fehlerhafte Widerrufsbelehrung bei Darlehen". Aus diesem Grund habe ich einen tiefen Einblick in die Geschäftsgebaren deutscher institutioneller Darlehensgeber, den Vorstellungen der Lobbyisten und der Politik sowie dem Auftreten und NichtFachwissen deutscher (Land)Richter.
    Dieses Thema „Widerrufsjoker“ zu betiteln halte ich für völlig verfehlt und von Anwälten und Journalisten reißerisch dargestellt, aber ansonsten würde es wohl keiner lesen.

    Letztlich ist es kein Joker, sondern ein Gestaltungsrecht zunächst seit 2002 vom Gesetzgeber in einer Verordnung vorgegeben und seit Juni 2010 in ein Gesetz gegossen. Der Unternehmer hat mit dem sicherlich auch für einen Juristen nicht immer leicht zu verstehenden Musterwiderrufstext, den privaten Verbraucher über sein Widerrufsrecht und die Folgen zu belehren.

    Ca. 30% der deutschen (Darlehensgeber)Juristen haben Ihre Aufgabe gut gemacht. 70% haben leider das Ziel teilweise oder gänzlich verfehlt, in dem sie unzulässige Zusätze hinzugefügt, verwirrende Formulierungen verwendet oder ganze Sätze sinnbefreit abgeändert haben. Diejenigen die sich in der Vergangenheit sklavisch an den auch teilweise falschen Widerrufsbelehrungstextes des Gesetzgebers gehalten haben, dürfen den Schutz heute genießen.

    Ich bin der Meinung, dass der teilweise hochbezahlte interne oder externe (Darlehensgeber)Jurist durchaus mehr Verständnis für die Materie hat und aufbringen muss, als der unkundige Verbraucher, der zu 90% gar keine Ahnung von Finanzgeschäften und Recht hat. Die Widerrufsbelehrung dient dem Schutz des Verbrauchers und nicht des Darlehensgebers. So ist es der Wille der europäischen Politik.
    Bitte vergessen Sie nicht liebe Leser, es steht dem Darlehensgeber auch heute noch frei, den Darlehensnehmer ordnungsgemäß nach zu belehren. Die Antwort, warum die Darlehensgeber heute nicht nachbelehren, können Sie sich selber geben

  • Tja,
    Gier frisst Hirn. Wenn wir auf Seiten der Bankwirtschaft mal schauen, wo überall Gier im Spiel war und der Weltwirtschaft geschadet hat, müssten Ihnen die Zeilen eigentlich im Halse stecken bleiben.

    Die letzte größere Wirtschaftskriese wurde durch eben jene Hypothekenbanker verursacht, die den Hals nicht voll genug bekommen haben und immer mehr und immer großzügigere Kredite vergeben habe, bis die ganze Blase geplatzt ist. Ich kann mich als Verbraucher nicht erinnern auch nur ansatzweise so einen Schaden verursachen zu können.

    Auch wenn ich einen Vertrag über Jahrzehnte mit der Bank abschließe und dann feststelle, dass die Zinsen dramatisch gesunken sind: Versuche ich mit der Bank ein für beide Seiten akzeptable Änderung zu verhandeln, scheitert es an den exorbitant zu hoch kalkulierten Vorfälligkeitsentschädigungen.

    Da muss ich als Verbraucher ganz klar sagen: Nein. Da nutze ich jede Exit-Strategie, die sich mir bietet und das ist allgemein akzeptiertes Verhalten am Markt. Nutzt jeder gewiefte Handelskaufmann.

    Nur oh weh! Jetzt nutzt auch noch der eigentlich als uninformiert geltende Verbraucher solche Strategien und dann ist das ja böse. Nein ist es nicht. Gleiches Recht für alle!

    Ein Bankinstitut, welches mit richtigen AGBs und Vertragsinhalten gearbeitet hat, braucht sich nicht zu fürchten.

    Und wenn der Bund falsche Mustertexte vorgegeben hat? Dann sollen die Banken den Bund verklagen. Das ist ja nun nicht das erste Mal, dass Gerichte fehlerhafte Arbeit der Gesetzgebung korrigieren muss. Was ist daran neu oder überraschend?

  • Keine Hasstirade ABER die Banken handeln doch ähnlich.

    Bsp. Sparkasse Ulm langfristige Sparverträge kündigen,
    weil.. "Zufällig" kommt das Zinstief und da fällt es einem wieder ein.

    LBS Kündigung der Bausparverträge weil zu teuer.

    Der Teufel braucht die Banken nicht. Dort wo er wohnt gibt es genug Anwälte und Banker. (und Lehrer)

  • Sie hätten den Beitrag vom Geno Banker mal genauer lesen sollen, bevor Sie solch einen diskriminierenden und sehr oberflächlichen Kommentar geschrieben haben.

  • Man sollte sich noch einmal vor Augen führen was hier eigentlich kritisiert wird. Verbraucher A führt mit Bank A,B,C etc. Verhandlungen über eine Finanzierung. Verbraucher A entscheidet sich nach Vergleich der Angebote für das, was seinen Vorstellungen entspricht u. für ihn einen akzeptablen Zins angesichts des aktuell gültigen Zinsniveau bietet. Der Vertrag wird i.d.R. mit dem Kunden besprochen u. auf das Recht zum Widerruf innerhalb 14 Tage hingewiesen. Dieses wird vom Kunden z.K. genommen aber von diesem in diesem Moment nicht wirklich angestrebt sofern die Bedingungen die man vorher verhandelt hat sich im Vertrag wiederfinden. Vielmehr strebt man mit seinem Vertragspartner eine langfristige kalkulierbare Verbindung an. Der Vertrag wird in den Folgejahren von beiden Seiten wie seinerzeit vereinbart zur Zufriedenheit aller Vertragspartner erfüllt. Ich denke dies trifft zunächst einmal für die große Mehrheit der Finanzierungen zu. Nun fallen die Zinsen und man stellt eine über Jahre gewachsene und oftmals partnechaftliche Geschäftsverbindung in Frage weil es ja einen "Widerrufsjoker" gibt und Banker ja sowieso alles Verbrecher sind. Da ist Sie wieder die Gier die Hirn frisst...

  • Das Urteil des Bundesgerichtshofes zur Widerrufsbelehrung ist skandalös, weil auf diese Weise die seinerzeit schlampige Arbeit des BMJ auf dem Rücken der Kreditinstitute ausgetragen wird. Es hängt alles an der Formulierung "... Die Frist beginnt frühestens mit Erhalt dieser Belehrung" die im Musterbelehrungstext vorhanden war und für unwirksam erklärt wurde.
    Geschützt sind nur die Institute, die die Widerrufsbelehrung wörtlich übernommen haben. Schon der der sinngleiche Austausch eines Wortes führt in der Regel zur Unwirksamkeit. In der Frage sind sich die OLG's noch nicht ganz einig.
    Und jetzt die erste Frage: Ist das Abzockerei wenn eine juristisch nicht einwandfreie Textvorgabe zur Unwirksamkeit führt?
    Zweite Frage: Aus welchem tatsächlichen Grund wird der Widerruf vom (Un-)Kunden ausgeübt?
    Die Fragen kann sich jeder selbst beantworten.

    Es ist müßig an dieser Stelle auf alle Folgewirkungen einzugehen, allerdings eins ist sicher: Die Preise werden zukünftig steigen, weil Anbieter sich vom Markt verabschieden (müssen).

  • Was wurde in den letzten Jahren nicht von Bankern manipuliert? Früher nannte man solche Typen "Räuberbande!

  • wenn ein Kunde von sinkenden Zinsen profitieren will, kann er das doch. Er nimmt einfach einen variablen Zins, hat dann allerdings auch das Risiko von steigenden Zinsen. Beides gleichzeitig geht nicht. Wenn diese Niedrigzinsphase noch lange anhält, wird es in den Jahren danach so wie so ein "Knirschen" im Bankensektor geben. Derzeit vergeben die Banken aufgrund der Konkurrenzsituation in D extrem niedrige Zinsen. Wenn die Zinsen für die Refinanzierung wieder steigen, werden vermutlich einige Banken Probleme bekommen. Aber die sind dann ja selber Schuld, hätten ja nicht so niedrige Zinsen so lange festschreiben brauchen. In anderen Ländern ist das ja auch nicht so üblich.

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