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Bauförderung Diese Zuschüsse bekommen Pflegebedürftige für den Umbau ihrer Immobilie

Wer pflegebedürftig wird, muss häufig seine Immobilie umbauen lassen. Zuschüsse gibt es vom Staat bis zur Pflegekasse.
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Die meisten Menschen denken erst sehr spät an barrierefreies Bauen. Quelle: action press
Alte Tapete mit Lichtschalter

Die meisten Menschen denken erst sehr spät an barrierefreies Bauen.

(Foto: action press)

ErfurtFür Pflegebedürftige kann schon die niedrigste Schwelle zur unüberwindbaren Hürde werden. Das kann die Treppenstufe vor der Haustür, der Einstieg in die Dusche oder auch nur der fünf Zentimeter hohe Rahmen der Balkontür sein. Wer pflegebedürftig wird, egal ob im Alter oder in jungen Jahren, dem bleibt häufig nur die Wahl zwischen eingeschränktem Leben, Umzug oder umfassenden Umbaumaßnahmen.

In Deutschland gab es laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts 2015 rund 2,9 Millionen Pflegebedürftige. Prognosen des Barmer GEK Pflegereports zufolge könnte die Zahl bis 2060 auf über 4,5 Millionen Menschen steigen. Hilfsbedürftige, die unter die Schwelle eines Pflegegrads fallen, sind in den Zahlen nicht enthalten.

Wer seine Wohnung für einen Pflegefall umbauen will, muss mit hohen Kosten rechnen, das ist die schlechte Nachricht. Die gute lautet, dass er den Aufwand nicht allein tragen muss. Es gibt eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Bundesländer bis hin zur Pflegeversicherung bieten.

Wer ein Darlehen benötigt, kann bei der KfW im Programm 159 („Altersgerecht bauen“) einen zinsvergünstigen Kredit bis zu 50.000 Euro erhalten. Grundsätzlich steht das Darlehen jedem zu. Es ist an die Maßnahmen, nicht an eine Pflegestufe gebunden. Gefördert werden unter anderem Rampen, um Hürden wie Treppen oder Türschwellen zu überwinden, bodengleiche Duschen oder auch Maßnahmen zum Einbruchschutz.

Nicht nur Immobilienbesitzer werden gefördert. Auch wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, die altersgerecht gebaut wurde, kann dafür den KfW-Kredit beantragen. Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um einen Ersterwerb des Wohnraums handelt und dass die Kosten für den barrierearmen Umbau im Kaufvertrag gesondert ausgewiesen sind.

Die Konditionen des KfW-Darlehens hält Manfred Jost, Präsident des Verbandes Wohneigentum, mit einem Zins ab 0,75 Prozent prinzipiell für attraktiv, nicht zuletzt weil die Finanzierungsbedingungen von Banken bei Darlehen bis 50.000 Euro oft weit über einem Prozent lägen. Allerdings wünscht sich Jost eine längere Zinsbindung.

Die Ausstattung der Zuschüsse wurde unterdimensioniert angegangen. Manfred Jost, Präsident Verband Wohneigentum

Die Laufzeit beträgt zwar bis zu 30 Jahre (dann mit einem Zinssatz ab 0,95 Prozent). Die Zinsbindung gibt es hingegen maximal für zehn Jahre. „Eine längere Zinsbindung schützt Kreditnehmer vor steigenden Kosten bei einer Anschlussfinanzierung“, sagt Jost.

Zuschüsse vom Bund

Allerdings moniert der Experte, dass die meisten Menschen erst sehr spät an barrierefreies Bauen denken. Eigentlich könne man dies schon beim ersten Eigentumserwerb bedenken. „Was für das Alter positiv ist, hilft auch jungen Familien. Mehr Bewegungsflächen oder Rampen helfen sowohl dem Rollator als auch dem Kinderwagen“, sagt er. Tatsächlich ließe sich das KfW-Programm für Altersgerechtes Bauen mit dem KfW-Darlehen zum Wohneigentum (bis zu 50.000 Euro) kombinieren.

Ein Blick lohnt auch in die Förderprogramme der Bundesländer. Die Programme bieten teils günstigere Konditionen als die KfW. Diese sind in einigen Fällen, wie etwa in einem Fall der niedersächsischen NBank, an bestimmte Einkommensgrenzen gebunden. Teils bauen die Bundesländer auf den KfW-Programmen auf: Brandenburg gewährt auf das KfW-Darlehen einen Tilgungszuschuss von fünf Prozent.

Die Investitionsbank Berlin gewährt eine Zinsvergünstigung. Für alle Förderkredite gilt: Der Antrag muss vor Baubeginn oder vor Abschluss des Kaufvertrages gestellt werden. Teils müssen bei der Umsetzung die strengen Auflagen der DIN 18040 für barrierefreies Bauen umgesetzt werden, teils sind die Vorgaben, wie bei den KfW-Programmen, etwas freier gestaltet.

Für altersgerechtes Bauen gewährt der Bund seit 2014 auch Zuschüsse, die über die KfW beantragt werden können. Im Rahmen des Zuschusses 455-B werden für größere Umbauten oder auch Einzelmaßnahmen bis zu 5 000 Euro zugezahlt, maximal jedoch zehn Prozent der förderfähigen Kosten. Wer den Umbau zum altersgerechten Haus plant, kann bis zu 6250 Euro erhalten.

Außerdem gibt es seit 2015 eine Finanzspritze für Maßnahmen zum Einbruchschutz, der maximal 1600 Euro beträgt. Dazu zählen beispielsweise Querriegelschlösser oder Gegensprechanlagen. Allerdings können Zuschüsse und Förderdarlehen für altersgerechtes Bauen nicht für dieselbe Maßnahme kombiniert werden, da sonst doppelt gefördert würde, erklärt eine Sprecherin der KfW.

Kritisiert wird bei den Bundeszuschüssen das Volumen. Das jährliche Budget war in den vergangenen Jahren nach wenigen Monaten ausgeschöpft. „Die Ausstattung der Programme wurde unterdimensioniert angegangen“, sagt Jost. Zuletzt hat die Bundesregierung daher die Zuschüsse für den Einbruchschutz von 50 auf 65 Millionen Euro aufgestockt. Für altersgerechte Maßnahmen stehen in diesem Jahr 75 Millionen Euro zur Verfügung.

Wie viel von dem Geld noch zu haben ist, teilt die KfW, über die die Anträge laufen, nicht mit. Grundsätzlich würden die Programme aber „nach wie vor gut nachgefragt“. „Es empfiehlt sich grundsätzlich bei konkret geplanten Maßnahmen eine zeitnahe Antragstellung“, heißt es von der KfW.

Geld von der Pflegekasse

Neben den Programmen des Bundes und der Länder gibt es auch Zuschüsse von der Pflegeversicherung. Diese Mittel sind sogar gesetzlich verankert, und zwar in Paragraf 40 des Sozialgesetzbuches XI. Dort heißt es, dass Pflegekassen „finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen“ gewähren können. Bis zu 4 000 Euro sind pro Person möglich.

Wohnen mehrere Pflegebedürftige Personen in einem Haushalt, sind bis zu 16.000 Euro erhältlich. Liegen die Kosten für eine Anschaffung unter der Maximalgrenze, beispielsweise für die Anschaffung eines Treppenlifts oder den Einbau einer bodengleichen Dusche, werden maximal die Kosten des Umbaus gewährt.

Im Unterschied zu den Förderprogrammen der KfW zahlen die Pflegekassen nur dann, wenn bei Personen bereits ein Pflegebedarf besteht, wenn es also eine Einstufung gemäß der Pflegegrade gibt, erklärt Monika Schneider, Vorstandsvorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Viele Menschen würden die Mittel aber gar nicht beantragen. Ihren Schätzungen zufolge seien es etwa acht Prozent, die das Angebot wahrnehmen.

Das Problem: „Die Menschen, die die Mittelabrufen dürfen, sind bereits pflegebedürftig. Oft trauen sie sich einen Umbau ihres Wohnumfeldes dann nicht mehr zu“, erklärt Schneider.

Neben Eigentümern können übrigens auch Mieter die Umbau-Zuschüsse annehmen. Denn laut Paragraf 554a BGB sind Vermieter verpflichtet, baulichen Veränderungen zur Barrierefreiheit zuzustimmen – ein „berechtigtes Interesse“ vorausgesetzt. Vermieter dürfen allerdings eine Kaution für den Fall eines Rückbaus verlangen.

Als Erstes wird übrigens meist das Bad umgebaut. Zudem fehlt es oft an ausreichenden Flächen, um in der Wohnung mit Rollstuhl oder Rollator manövrieren zu können. „In vielen Bestandsbauten gibt es oft gar nicht genügend Platz, um die Bewegungsflächen zu schaffen“, sagt Schneider. Ein Haus, gerade alte Bestandsbauten, sei mit Blick auf barrierefreie Umbauten eben nicht immer die beste Altersvorsorge.

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