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Bauförderung Wie der Staat Häuslebauern die Heizkosten senken hilft

Die Bundesregierung stellt jährlich zwei Milliarden Euro bereit, damit Immobilien weniger CO2 ausstoßen. Immobilienbesitzer können davon profitieren.
Update: 03.01.2019 - 11:09 Uhr Kommentieren
Ein Passivhaus benötigt aufgrund von Wärmetauschern und guter Dämmung keine klassische Gebäudeheizung. Quelle: Imago/Westend61
Passivhaus

Ein Passivhaus benötigt aufgrund von Wärmetauschern und guter Dämmung keine klassische Gebäudeheizung.

(Foto: Imago/Westend61)

DüsseldorfAus einer 600 Jahre alten Ruine ein schmuckes Eigenheim machen – zu so einem Projekt gehört Mut. Den hatten Monika und Thomas Fritsch, als sie begannen, das Häuschen mit Plumpsklo und Holzkohleofen im fränkischen Hilpoltstein vom 15. ins 21. Jahrhundert zu befördern. Das Ziel war klar: Altes bewahren.

Die rußgeschwärzten Balken gehörten dazu. „Wir haben wochenlang rumgebürstet“, beschreibt Thomas Fritsch im KfW-Magazin „Bauen & Wohnen“ die körperlichen Anstrengungen.

Einen Teil der finanziellen Anstrengungen nahm den Fritschs die Förderbank KfW mit ihrem Zuschussprogramm 151 „Energieeffizient sanieren“ ab. Heute hat das Haus Schilfdämmung, Wohnraumlüftung und wird von einem Brennwertkessel beheizt.

Im vor wenigen Tagen verabschiedeten Haushaltsplan 2019 sind zwei Milliarden Euro Subventionen für die energetische Gebäudesanierung vorgesehen. Es geht darum, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. Studien besagen, dass 60 Prozent der CO2-Emissionen von Wohnhäusern ausgehen.

Ziel in Deutschland ist ein klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050. Die KfW-Beihilfen für Häuslebauer kommen aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm und dem Anreizprogramm Energieeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Extremsanierungen wie die des Ehepaars Fritsch sind die Ausnahme. Typischerweise werden mit dem 151er Programm neue Heizkessel angeschafft. Kein Wunder, dass etwa Heizungshersteller Vaillant die Hauseigentümer auffordert: „D-Mark-Heizung raus, Förder-Euros rein.“ Euro-Bargeld wurde im Jahr 2002 eingeführt.

Dass eine 16 Jahre alte Heizung auf den Schrott gehört, ist nicht die Regel. Aber es ist gut zu wissen, dass die staatliche KfW den Kauf einer neuen energieeffizienten Anlage mit Niedrigzinsdarlehen und Tilgungszuschüssen finanziert.

Passivhaus-Standard wird gefördert

Für die über Geschäftsbanken zu beantragenden Förderkredite nach den Programmen 151 und 152 verlangt die Bank aktuell 0,75 Prozent Zinsen und gibt zusätzlich bis zu 27.500 Euro Tilgungszuschuss.

Dieser Maximalbetrag wird erreicht, wenn die Voraussetzungen für den höchstmöglichen Kredit von 100.000 Euro pro Wohnung erfüllt sind und diese Wohnung nach der Sanierung den KfW-Effizienzhaus-Standard 55 oder Passivhaus-Qualität erreicht.

In einem Passivhaus können Menschen ohne Heizungs- oder Klimaanlage im Sommer und im Winter behaglich wohnen. Die KfW-Effizienzhaus-Standards orientieren sich an der Energieeinsparverordnung (EnEV).

Die legt Höchstwerte fest für die Primärenergie, die für das Heizen, Lüften und Warmwasseraufbereiten im Jahresdurchschnitt nötig ist.

Außerdem sind Maximalwerte für die Wärmeverluste an die Umgebung festgeschrieben. KfW-55-Standard besagt, dass ein Haus nur 55 Prozent der nach EnEV erlaubten Energie verbraucht.

Je besser gedämmt ein Haus ist, desto weniger Energie gibt es nach außen ab. Die Vorteile sind beim Heizen wie auch beim Kühlen zu spüren. Zusätzlich hat der technische Fortschritt in den vergangenen Jahren den Wirkungsgrad von Heiz- und Lüftungsanlagen verbessert.

Für alle, die ihre Wohnungs-Heizanlage auf erneuerbare Energien umstellen, gibt es den „Ergänzungskredit Sanieren“ mit der Nummer 167. Verlangt werden 1,36 Prozent Effektivzins und geboten bis zu zehn Jahre Laufzeit für Kredite von maximal 50.000 Euro je Wohneinheit.

Der Zinssatz erscheint auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv, denn schließlich werden auf verschiedenen Vergleichsportalen niedrigere Zinsen für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung angeboten.

Doch Interessenten sollten nicht übersehen, dass für Kredite bis maximal 500.000 Euro von Geschäftsbanken sogenannte Kleinmengenzinszuschläge verlangt werden, die diese Darlehen womöglich teurer machen als den Förderkredit.

Über die auf verbilligten Krediten und Tilgungszuschüssen beruhenden Programme 151 und 152 hinaus kommt noch das Zuschussprogramm 430 infrage. Dieses Programm ist mit anderen Förderprogrammen kombinierbar und bringt bei Einhaltung der Förderkriterien pro Wohnung maximal 30.000 Euro.

Im Unterschied zu den Kreditprogrammen können Zuschüsse direkt bei der KfW beantragt werden (https://public.kfw.de/zuschussportal-web). Zuschüsse gibt es auch für Brennstoffzellen zur Energieerzeugung, und zwar bis zu 28.200 Euro je Zelle.

Für energieeffizienten Neubau gibt es Geld dazu

Auch für den energieeffizienten Neubau leitet die KfW Geld vom Staat an Bauherren und Käufer weiter. Die Eckdaten: Anspruchsberechtigte bekommen maximal 100.000 Euro Darlehen pro Wohnung zu 1,11 Prozent Effektivzins und 15.000 Euro Tilgungszuschuss, wenn ein Haus KfW-Standard 40 Plus erreicht.

40 Plus bedeutet, dass das Haus nicht nur 60 Prozent weniger Energie als nach der EnEV gefordert benötigt, sondern zusätzlich noch Energie erzeugt, etwa Strom.

Details zur Neubauförderung stehen im sieben DIN-A4-Seiten starken Merkblatt für das Programm 153, welches wie alle Merkblätter auf der KfW-Internetseite zu finden ist.

Wenn die KfW Geld gibt, will sie auch wissen, ob ihre Fördermittel richtig eingesetzt werden. Deshalb muss ein Sachverständiger die energetische Sanierung begleiten. Es ist jedoch sinnvoll, noch bevor die Sanierungsarbeiten beginnen, mit einem Experten zu beraten, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die KfW übernimmt nach Programm 431 in Verbindung mit den Programmen 151 bis 153 und 430 selber 50 Prozent der Kosten der Baubegleitung bis zu 4.000 Euro. Eine Liste der von der KfW zugelassenen Gutachter steht auf der Internetseite www.energie-effizienz-experten.de.

Auch der KfW wird – bildlich gesprochen – auf die Finger geschaut. Das soll das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) tun. Doch der Bundesrechnungshof hat Zweifel, ob das Ministerium dem ausreichend nachkommt.

„Das BMWi hat es versäumt, die Förderinstrumente bei der Förderung von Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung (CO2-Gebäudesanierungsprogramm) einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu unterziehen“, monierte der Bundesrechnungshof Mitte November.

Er stellt fest, dass über dieses Programm zur energetischen Gebäudesanierung 2016 und 2017 jährlich mehr als eine Milliarde Euro vergeben wurden, wofür die KfW 130 beziehungsweise 140 Millionen Euro Vergütung erhalten habe, mehr als zehn Prozent des bearbeiteten Fördervolumens.

Für den Rechnungshof zu viel, weil die KfW keine Kosten für die Einwerbung der Darlehen hat und das Kreditrisiko nicht tragen muss. Beträge, die an die KfW gezahlt würden, stünden für den Förderzweck nicht mehr zur Verfügung.

Da im Bundeshaushalt 2019 rund zwei Milliarden Euro an Subventionen für die energetische Sanierung vorgesehen sind, wird wohl kein Förderberechtigter leer ausgehen.

Nicht nur die KfW fördert Energiesparen

Die KfW ist auch nicht die einzige Institution, bei der Häuslebauer Fördermittel akquirieren können. Einen Überblick über Fördermaßnahmen, nicht nur zum Energiesparen bei Alt- und Neubau, geben die Suchportale http://www.energiefoerderung.info und http://www.foerderdatenbank.de.

Das Ehepaar Fritsch hat die zeitraubende Suche nach finanzieller Unterstützung lange hinter sich und die wegen des Tilgungszuschusses besonders attraktive Förderung nach Effizienzhaus-Standard in Anspruch genommen.

Als ihr Haus mit Dachstuhlbalken aus Ende des 14. Jahrhunderts geschlagenen Bäumen erbaut wurde, stand das fränkische Hilpoltstein noch unter böhmischer Herrschaft. Über Energieeffizienz machte sich niemand Gedanken.

Heute erreicht das denkmalgeschützte Häuschen KfW-Standard 85, verbraucht also weniger Energie und belastet damit die Umwelt weniger, als es Neubauten tun, die gerade die EnEV-Vorgaben erfüllen.

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