Baupreise Teure Zeit für Häuslebauer – Preise für Neubauten steigen massiv

Noch eine Schippe drauf: Fachkräftemangel und hohe Nachfrage treiben die Kosten für Bauhandwerker so stark wie seit 2007 nicht mehr. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
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Immobilien: Preise für Neubauten steigen massiv Quelle: dpa
Mauerarbeiten

Rohbauarbeiten sind heute ein Fünftel teurer als noch vor acht Jahren.

(Foto: dpa)

MünchenWer in Deutschland eine neue Wohnung kaufen oder gar ein Haus bauen möchte, der muss heute schon tief in die Tasche greifen – und muss künftig wohl noch mehr bezahlen.

Denn die Baupreise steigen seit Monaten rasant. Im August lagen die Kosten für den Bau von Wohngebäuden nach Angaben des Statistischen Bundesamts 4,6 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Derart rasant sind die Preise zuletzt im November 2007 gestiegen, als das Plus bei 5,7 Prozent lag.

Der Trend ist nicht neu. Bereits seit 2008 bewegen sich die Baupreise im Gleichschritt mit der steigenden Immobiliennachfrage kontinuierlich nach oben. Heute liegen sie um ein Viertel höher als noch vor zehn Jahren.

Zum Baupreisindex zählt das Statistische Bundesamt unter anderem Erd-, Beton-, Klempner- und Tischlerarbeiten, aber auch die Kosten für Heizanlagen oder für Gas- und Entwässerungsanlagen. Vor allem bei Kerngewerken wie Klempnerarbeiten oder den Kosten für Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen sind die Preise drastisch gestiegen, im bundesweiten Schnitt seit 2010 um knapp ein Drittel.

Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht: Die Immobilienbranche rechnet angesichts einer rekordhohen Auslastung der Bauwirtschaft in den kommenden Jahren mit weiterhin deutlich steigenden Kosten für die Errichtung von Wohngebäuden in Deutschland.

Hoher Fachkräftemangel

Schon der Blick auf die Diskrepanz zwischen genehmigten und tatsächlich fertiggestellten Wohnungen zeigt, welche Spuren die Kostenspirale auf dem deutschen Immobilienmarkt hinterlässt. So hat die Ratingagentur Scope kalkuliert, dass von den zwischen 2010 und 2017 genehmigten Wohnungen 150.000 noch gar nicht fertiggestellt wurden.

Besonders groß sei die Diskrepanz zwischen Baugenehmigungen und -fertigstellungen in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt – also genau in den Städten, in denen der Preisdruck seit Jahren am größten ist und die deshalb besonders dringend mehr erschwinglichen Wohnraum brauchen.

Laut Statistischem Bundesamt ist die Baubranche mit 80 Prozent so stark ausgelastet wie nie zuvor. Experten gehen nicht davon aus, dass sich dieser Wert noch markant steigern lässt. Das größte Problem der Branche: Es fehlt an Fachkräften. Waren Mitte der 1990er-Jahre, zum Höhepunkt des letzten Baubooms, noch gut 3,3 Millionen Menschen in der Baubranche angestellt, sind es heute nur noch 2,5 Millionen.

Angesichts einer rekordhohen Auslastung der Baubranche bringt Stefan Mitropoulos, Leiter Konjunktur- und Immobilienanalyse bei der Helaba, die Sache auf den Punkt: „Es gibt in Deutschland nicht mehr viele arbeitslose Bauarbeiter, die man noch anstellen kann.“

Das kann Sascha Hempel, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Drees & Sommer in Frankfurt, bestätigen: „Die Frage ist häufig: Bekomme ich überhaupt noch Handwerker? Gerade in den Schlüsselgewerken gibt es heute kaum noch Angebote.“

Auch das Anwerben ausländischer Fachkräfte kann das Problem nicht lösen, sagt Helaba-Analyst Mitropoulos. Das Wirtschaftswachstum in Polen liegt bei vier Prozent, die Arbeitslosenquote ebenfalls. „Wenn es in anderen Ländern auch gut läuft, wird es schwierig, diese Fachkräfte nach Deutschland zu locken“, sagt er.

Der Fachkräftemangel erhöht den Preisdruck, weil Bauarbeiter und Handwerker höhere Löhne durchsetzen können. Die in diesem Jahr ausgehandelte Tariferhöhung für das Baugewerbe beschert Beschäftigten in den westdeutschen Bundesländern rückwirkend zum 1. Mai 5,7 Prozent mehr Lohn, in den ostdeutschen Bundesländern 6,6 Prozent. Schon heute seien die Lohnsteigerungen für das Gros der Baukostensteigerungen verantwortlich, sagt Kruno Crepulja, Geschäftsführer des Projektentwicklers Instone Real Estate. 70 Prozent des Anstieges führt er darauf zurück, 30 Prozent auf teurere Rohstoffe.

Das Phänomen stark steigender Baupreise ist auch auf der Immobilienmesse Expo Real in München, die am Mittwoch zu Ende ging, ein wichtiges Thema. So stellt etwa Joachim Schmidt-Mertens, Geschäftsführer des Hamburger Projektentwicklers Becken, allein in den vergangenen zwei Jahren einen Baukostenanstieg von 15 Prozent fest.

Um unkontrollierte Kostensteigerungen abzufedern, versucht er, sich mit dem sogenannten Generalunternehmer – dem Bauunternehmen also, das die Gebäude schlüsselfertig errichtet – auf ein auskömmliches, aber nach oben gedeckeltes Budget zu einigen. Im Gegenzug könne der Generalunternehmer ab einer sehr frühen Phase bei der Planung des Projekts mitreden. „Das kostet zu Beginn ein paar Prozent mehr“, sagt Schmidt-Mertens, zahle sich am Ende aber aus: Das vorab klar definierte Leistungssoll reduziere die bei Bauvorhaben häufig anzutreffenden Nachtragsrechnungen deutlich.

Problem Grundstückskosten

Die Baupreise sind nicht die alleinigen Preistreiber am Markt für Neubauwohnungen. Ein weiterer maßgeblicher Treiber sind die Grundstückskosten. Die Preise für Bauland haben sich laut Daten des Statistischen Bundesamts seit 2010 im Schnitt um mehr als die Hälfte verteuert.

In den Metropolen liegen die Anstiege teils weit darüber. So berichtet etwa Jakob Mähren, ein Immobilieninvestor aus Berlin, dass sich die Grundstückspreise in der Hauptstadt in den vergangenen fünf Jahren fast versiebenfacht hätten.

Marcus Cieleback, Chefvolkswirt des Immobilieninvestors Patrizia, hält die Folgen steigender Baukosten für den gesamten deutschen Häusermarkt allerdings für überschaubar: Die Baukosten beeinflussten nur den Neubau. „Angesichts der aktuellen Fertigstellungen reden wir hier über 0,5 bis 0,7 Prozent des Wohnungsbestandes“, sagte Cieleback auf einer Immobilienkonferenz im September in Frankfurt.

Für den gesamten Immobilienbestand mag das stimmen. Häuslebauern und all jenen, die auf der Suche nach einer neuen Wohnung sind, wird das aber nur ein schwacher Trost sein: Auf ihr Budget schlagen die Kostensteigerungen durch.

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