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Branchenmesse Mipim Milliardengeschäft unter Palmen

Die Mipim in Cannes ist eine der bedeutendsten Immobilienmessen der Welt. Hier bereiten Investoren, Entwickler und Kommunalpolitiker die Deals des Jahres vor.
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Die Mipim ist einer der größten Branchentreffs der Welt für Immobilienvertreter. Quelle: © S. d'HALLOY / IMAGE&CO
MIPIM 2019 - ATMOSPHERE - OUTSIDE VIEW

Die Mipim ist einer der größten Branchentreffs der Welt für Immobilienvertreter.

(Foto: © S. d'HALLOY / IMAGE&CO)

CannesAuf die Frage, wie die Stimmung auf der Mipim ist, antwortetet ein Vertreter der größten Maklerhäuser der Welt mit einem Lächeln. Dafür, sagt er, gibt es eine App. Er zückt sein Smartphone und nach ein zwei Fingerstreichen dreht er es um. Zu sehen ist die sonnige Wetterprognose für die nächsten Tage. Die Stimmung sei immer nur so gut wie das Wetter. „Wenn es hier regnet, dann ist auch die Stimmung im Keller.“

Der „Marché International des Professionnels de l’immobilier“ – kurz Mipim – ist einer der bedeutendsten Branchentreffs der globalen Immobilienbranche. Seit dreißig Jahren pilgern Konzernlenker, Investoren und Politiker im März nach Cannes an die Côte-d’Azur. Sie wollen den Markt für das neue Jahre ausloten – und erste Deals einfädeln.

Wie für die berühmten Filmfestspiele wird auch für die Immobilienvertreter der rote Teppich ausgerollt. In den dreißig Jahren ihrer Geschichte ist die Mipim längst über das Palais de Festival, dem Zentrum der Veranstaltung direkt am Mittelmeer, hinaus gewachsen.

Termine finden in eigens für die Messe gebauten Zeltrestaurants, am Strand entlang des palmengesäumten Boulevard de la Croisette, in den Lobbies der nahen Nobelhotels, oder angemieteten Apartments in erster Reihe mit Meerblick statt. Wer es sich leisten kann, mietet eine Yacht im Hafen und empfängt seine Gäste dort.

Die Mipim umgibt ein gewisser Clubcharakter. Nicht jeder kann hier mitspielen. Allein das Eintrittsticket kostet 2.000 Euro. Hinzu kommen Anreise und Spesenkosten. Die sind in Cannes zur Zeit der Mipim auch nicht zu unterschätzen, was aber niemanden abschreckt. Wem etwa die dreiviertel Stunde Fahrt vom Flughafen Nizza bis nach Cannes zu lang sind, der kann die Reisezeit mit einem Helikoptertaxi auf sieben Minuten abkürzen. Die 160 Euro pro Person kommen bei den Eintrittskosten schon fast schlank daher.

Die Mipim ist für Cannes – neben den berühmten Filmfestspielen – Hauptsaison. Denn auch die Südfranzosen wissen, dass die Immobilienmanager, die nun durch die Stadt pilgern und am Abend Restaurants und Bars belegen, überdurchschnittlich verdienen. Die Preise in den Restaurants bis hin zum Taxi erfahren während der Messewoche einen Mipim-Aufschlag.

Doch genau wegen des gehoben exklusiven Charakters polarisiert die Messe – nicht nur bei Außenstehenden, sondern auch in der Branche selbst. Yachten, Schampus, Nobelhotels, Stände entlang der Croisette gegenüber von Luxusläden – an vielen Punkten wird hier so ziemlich jedes alte Klischee der Branche erfüllt.

Das nimmt so mancher Newcomer gern auf die Schippe: Maurice Grassau, Gründer des Start-Ups Architrave, lud per Internetvideo Interessenten zu Gesprächen ein. Der Film beginnt mit einem scheinbar Hollywood-inspirierten Einzoomen vom Globus auf Cannes - nur eben ganz manuell statt mit großen Videoeffekten - und mündet in einer Montage, auf der sich Grassau auf einem aufblasbaren Floß mit Plastikstühlen zwischen den Yachten zeigt.

Der Punkt, auf den sich die meisten Teilnehmer dennoch einigen können ist der, dass Netzwerken hier so gut funktioniert wie kaum irgendwo sonst, auch wenn viele Teilnehmer die Expo Real, die jeden Oktober in München stattfindet, als wichtiger für die Geschäftsabschlüsse bezeichnen. „Ich treffe hier alle wichtigen Entscheider für mein Geschäft“, sagt ein Chef eines deutschen börsennotierten Konzerns. Die Mipim sei wie ein großes Klassentreffen.

Ein ziemlich großes sogar: In diesem Jahr zählt der Veranstalter 26.500 Gäste aus über 100 Ländern. Darunter seien 3.800 CEOs und Vorstände, 4.500 Investoren und 560 politische Führungskräfte. In diesem Jahr hielt Ban Ki-Moon, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, die Auftaktrede.

Nicht zuletzt wegen der hohen Dichte an Entscheidern schätzen auch Kommunalpolitiker die Messe. Vertreter aus über 560 Städten und Regionen buhlen um die Investorengunst, darunter zahlreiche Bürgermeister, etwa aus Paris, Liverpool, Frankfurt oder Warschau. In Cannes treffen sie auch die größten Investoren. Blackstone, Brookfield, Axa, Allianz und Co., die alle jährlich Milliarden investieren, sind hier vertreten.

Ein Motto zählt auf der Mipim übrigens genauso wie im Makleralltag: Lage, Lage, Lage. Mohammed Al Awadhi, CEO der Gesellschaft Real Estate Dubai South, will auf der Messe Investoren für sein Großprojekt gewinnen, eine Quartiersentwicklung auf 145 Quadratkilometern rund um den neuen Dubaier Flughafen. Seinen Stand hat er an einem Ort, den mancher Besucher auch schon mal als „Tiefgarage“ bezeichnet – einem Zugang im Erdgeschoss des verwinkelten Palais de Festival.

Hier hat Al-Awadhi zwar viel Platz. Dafür liegt der Stand abseits der Besucherströme, ein Nachteil. Er habe zwar auch so viele interessante Gespräche geführt und einen gut gefüllten Terminkalender. Fürs kommende Jahr wäre ein anderer Platz trotzdem idealer, meint Al-Awadhi.

Anders sieht es an den Ständen von Berlin und Stuttgart aus. Hier tummeln sich dutzende Gäste. Deutschland ist in diesen Tagen zwar ohnehin als Anlageziel beliebt. Den Ausblick von der Terrasse über den Yachthafen möchten sich die meisten Besucher aber auch nicht entgehen lassen.

Wie gut die Mipim läuft, lasse sich übrigens auch gut von den Terrassen des Palais erkennen: Man könne dies daran erkennen, wie weit die Standzelte den Strand hinauf gehen. In diesem Jahr scheint die Promenade zu gut zwei Dritteln bedeckt. 2019 scheint ein gutes Jahr zu werden.

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