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Büroflächen So wollen Coworking-Anbieter von Konjunkturkrisen profitieren

Die trüben Wirtschaftsdaten bereiten den Anbietern flexibler Büroflächen keine Sorgen. Sie sehen darin vielmehr eine Chance für ihr Geschäftsmodell.
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Die Coworking-Firmen expandieren in neue Geschäftsbereiche. Quelle: Bloomberg
Flächen des Anbieters WeWork

Die Coworking-Firmen expandieren in neue Geschäftsbereiche.

(Foto: Bloomberg)

CannesAnbieter flexibler Büroflächen wollen in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Geht es nach Anbietern wie WeWork, Spaces oder Rent24, werden sie in Zukunft einen beträchtlichen Anteil am Büromarkt ausmachen. Selbst eine Konjunktureintrübung fürchten sie nicht.

„Wir haben im vergangenen Jahr weltweit eine Million Quadratmeter an Büroflächen angemietet und wollen auch in diesem Jahr weiter wachsen“, sagt Mark Dixon, Chef von IWG, dem weltweit größten Anbieter flexibler Büroflächen, dem Handelsblatt. Derzeit unterhält IWG rund 3.500 Standorte in 120 Ländern. Zu seinen Marken zählt sowohl der klassische Anbieter Regus wie auch der Coworking-Anbieter Spaces, der derzeit rund 200 Standorte betreibt.

IWG setzt sich ambitionierte Ziele: Der Konzern möchte bis zu 20.000 Standorte unterhalten und plant dafür weitere Marken. So hat IWG 2017 den Anbieter No 18 gekauft. Doch die Expansion ist teuer. Der Vorsteuergewinn von IWG sank im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 139 Millionen Pfund, nachdem die Investitionen für den Ausbau auf über 330 Millionen Pfund geklettert waren.

Zuletzt wurden auch Gerüchte laut, IWG könnte sich von seiner – erst 2014 gekauften – Coworking-Marke Spaces trennen, um von den guten Marktbedingungen zu profitieren. Das dementiert Dixon jedoch im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir behalten Spaces“, sagt er.

Die jüngsten Konjunktureintrübungen hält Dixon nicht für bedrohlich: „In den Ländern, in denen wir operieren, müssen wir in jedem Jahr irgendwo mit konjunkturellen Problemen umgehen. Das ist derzeit zum Beispiel in Venezuela der Fall“, sagt Dixon.

Derartige Ausnahmesituationen könnten auch eine Chance sein, meint der Brite: Unternehmen könnten sich in unsicheren Phasen eher flexible Büroflächen suchen, um so kein langfristiges Mietrisiko einzugehen, argumentiert Dixon.

Ähnlich sieht das Granit Gjonbalaj, Chief Real Estate Development Officer von WeWork. Während der Wirtschaftskrise der vergangenen Monate in Argentinien habe WeWork seine Vermietungsquote von knapp 70 Prozent auf Vollvermietung steigern können. „Als die Wirtschaft sich abschwächte, stieg bei uns die Nachfrage“, sagt Gjonbalaj im Gespräch mit dem Handelsblatt. Weltweit betreibt WeWork 400 Standorte in 27 Ländern.

Keine Erfahrungen mit schwacher Konjunktur

Was eine Krise für Coworking-Anbieter tatsächlich bedeutet, lässt sich bislang kaum absehen. Selbst jene, die für Coworking-Modelle eine gute Zukunft voraussehen wie etwa Greg Kane, Leiter der Investmentanalyse Europa bei PGIM Real Estate, der Asset-Management-Tochter des amerikanischen Versicherers Prudential, bleiben zurückhaltend: Es gebe noch keine nachhaltigen Erfahrungen, wie die Coworking-Branche im Umfeld einer wirtschaftlichen Abschwächung reagiere.

Dass das Geschäft mit flexiblen Büroflächen in Schwierigkeiten geraten kann, musste der größte Business-Center-Anbieter Regus nach der Jahrtausendwende erfahren. Damals meldeten einige Standorte in Deutschland Insolvenz an, in den USA wurde für einige ein Insolvenzantrag nach „Chapter 11“ gestellt. Es entstanden Millionenverluste.

Der Anteil an den Büroneuvermietungen in den größten deutschen Städten steigt. Standen Anbieter wie WeWork, Spaces, Rent 24 & Co. 2017 noch für einen Anteil von 5,6 Prozent, waren es bis einschließlich des dritten Quartals 2018 schon 7,8 Prozent der Neuvermietungen in den Top-7-Städten.

Gemessen am gesamten Bürobestand machen flexible Büros aber nach wie vor nur einen geringen Anteil aus. Laut Bulwiengesa kamen sie bis Ende des dritten Quartals 2018 nur auf 0,2 Prozent.

Große Ambitionen

In die Zukunft blickt die Branche mit hohen Ambitionen und verweist dabei gern auf eine Analyse des Immobilienberaters JLL: Dieser hatte vor zwei Jahren vorausgesagt, dass in den USA 2030 bis zu 30 Prozent aller Büroflächen von Anbietern flexibler Büroflächen stammen könnten. In den USA waren es zum Zeitpunkt der Prognose noch fünf Prozent.

Seitdem hat sich die Branche weiterentwickelt. Der Branchenprimus nennt sich nicht mehr WeWork sondern The We Company und bündelt unter dem neuen Namen drei Marken: WeWork, WeLive und WeGrow. Die Amerikaner wollen in weiteren Geschäftsbereichen expandieren. „Wir befinden uns derzeit an einer Stelle, an der Amazon vor etwa zehn Jahren stand. Damals haben viele Menschen die Firma noch als Online-Buchhändler wahrgenommen, obwohl dahinter damals schon ein viel größerer Konzern steckte. Bei uns ist das heute ähnlich, nur dass wir auf flexible Büroflächen reduziert werden“, sagt Gjonbalaj.

In Zukunft werde das Geschäft mit gemeinschaftlichen Wohnflächen, genannt WeLive, wachsen. Bislang hat We Company davon nur zwei Standorte, einen in New York, einen weiteren in Arlington im US-Bundesstaat Virginia.

Ein dritter in Seattle befindet sich derzeit in Planung. Der Sprung nach Europa sei auch denkbar. Einen konkreten Zeitplan nennt Gjonbalaj dafür aber ebenso wenig wie konkrete Expansionsziele für die WeWork-Standorte.

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