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Baustelle in Schwerin

Auch in mittelgroßen deutschen Städten steigen die Wohnungsmieten inzwischen signifikant.

(Foto: dpa)

Bundesbank-Monatsbericht Wohnen wird auch außerhalb der großen deutschen Städte immer teurer

Der Anstieg der Mieten hat auch das Umland der deutschen Metropolen erreicht, zeigt der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank. Nun ist die Politik gefordert.
1 Kommentar

FrankfurtDas Wohnen wird teurer: Dieses Thema spielt in der Politik und für viele Bundesbürger eine immer wichtigere Rolle. Vor allem in großen Städten ist Wohnraum für Menschen mit relativ schmalem Einkommen – als Beispiele werden oft Polizeibeamte und Krankenschwestern genannt – fast unerschwinglich geworden.

Zur Linderung der Wohnungsnot wird nicht nur gefordert, die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zu erschweren, sondern auch, die Umlandgemeinden der deutschen Metropolen infrastrukturell besser zu erschließen, um einen Teil der Nachfrage dorthin umzulenken.

Aber der neue Monatsbericht der Bundesbank macht deutlich: Diese Verlagerung findet schon statt, und sie schlägt sich bereits in den Kaufpreisen und Mieten nieder.

Der Februar-Bericht der Notenbank, der sich explizit auch dem Immobilienmarkt widmet, zeigt: Der Anstieg der Preise geht weiter und beschleunigt sich sogar noch. Einschränkend heißt es jedoch: „Während der nach wie vor besonders hohe Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in deutschen Städten etwas nachgab, zogen die Immobilienpreise außerhalb der städtischen Gebiete im Vergleich zu den Vorjahren verstärkt an.“

Die Ausweitung des Angebots halte „auch angesichts des wachsenden Interesses an Wohnraum außerhalb der Städte“ mit der Nachfrage nicht Schritt. Wichtig zum Verständnis aber: Die Preise steigen in den Ballungsgebieten immer noch schneller als auf dem Land – nur ist der Unterschied der Steigerungsrate geringer geworden.

Ein noch deutlicherer Befund zeigt sich bei den Mieten: In den Städten nahm der „Anpassungsdruck“ etwas ab, das gilt auch für die sieben größten Städte Deutschlands. Zugleich zogen die Mieten außerhalb der Städte deutlich an. Insgesamt wachsen die Mieten in den Städten jetzt unterdurchschnittlich.

Zunächst aber fällt ins Auge, wie sehr der Markt heiß läuft. So legte der Preisindex für selbstgenutztes Wohneigentum, den der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) ermittelt, 2018 um 7,75 Prozent zu, nach 5,75 Prozent im Vorjahr. Die Bundesbank zitiert andere Indizes mit ähnlichem Befund, belegt den Anstieg im ländlichen Bereich aber nicht mit separaten Daten.

Bei den Mieten zitiert sie dagegen das Berliner Immobilienanalysehaus Bulwiengesa: Die Marktexperten melden einen Anstieg im Bereich der Neuverträge von 3,75 Prozent in den Städten und 4,0 Prozent in den sieben Großstädten. Diese Rate liegt unterhalb derjenigen, die vdp bei Neuvermietungen in Mehrfamilienhäusern in Deutschland insgesamt errechnet hat: Laut vdp-Berechnungen liegt der Mietanstieg bei 4,75 Prozent.

Es deutet sich also an, dass die Mieten in den Städten in geringerem Umfang zulegen als in Deutschland insgesamt – und damit auch weniger stark als im ländlichen Raum. Hinzu kommt: Die Werte für die Städte sind gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, die für Deutschland insgesamt dagegen „deutlich stärker“ gewachsen als zuvor, wie die Bundesbank schreibt. Der Hang, aufs Land zu ziehen, scheint sich also zu verstärken.

Vergleicht man die Trends bei den Hauspreisen und den Wohnungsmieten, so zeigt sich zweierlei. Zum einen sind die Folgen einer gewissen Stadtflucht bei den Mieten offenbar deutlicher zu spüren als bei den Preisen für Eigentum. Zum anderen setzt sich aber die Entwicklung fort, dass die Kaufpreise schneller steigen als die Mieten – eine Tatsache, die sich zumindest langfristig dämpfend auf die Wertentwicklung von Immobilien auswirken könnte.

Als wichtigen Grund für die Preissteigerungen nennt die Notenbank neben der guten Einkommensentwicklung in Deutschland und den niedrigen Zinsen die Knappheit an Bauland – jedenfalls in den „gefragten Regionen“. Außerdem seien die Baupreise 2018 um 4,4 Prozent „und damit deutlich kräftiger als die Baukosten“ gestiegen. Weiter heißt es: „Offenbar konnten die Bauunternehmen angesichts der außerordentlich guten Auftragslage in der Branche ihre Margen beträchtlich ausweiten.“

In der politischen Diskussion spielen neben der Verlagerung in ländliche Regionen auch gesetzliche Beschränkungen für Mieterhöhungen, die Ausweisung von mehr Bauland, der Bau von Sozialwohnungen und die Anlage von Werkswohnungen eine Rolle.

Passend dazu erinnert die Stadt Frankfurt zum 100jährigen Bauhaus-Jubiläum in mehreren Ausstellungen daran, wie in ihren Grenzen in den 1920er-Jahren in industriellem Maßstab gleich mehrere neue Siedlungen aus dem Boden gestampft wurden – zum Teil auf enteignetem Agrarland.

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1 Kommentar zu "Bundesbank-Monatsbericht: Wohnen wird auch außerhalb der großen deutschen Städte immer teurer"

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  • Diese Feststellungen der Bundesbank können ja nun für geistig nomal veranlagte Menschen wirklich keine Überraschung sein. Für die Juristen in Regierung und Verwaltungen aber offensichtlich wohl. Das ist traurig, sehr traurig sogar.