Bundesweite Razzia Immobilienanleger fürchten um ihr Geld

Deutschland droht ein neuer Anlegerskandal. In einer bundesweiten Razzia gehen Polizisten gegen ein Unternehmen vor, das angeblich Milliarden in vermeintlich sichere Immobilien investierte. Anleger bangen um ihr Geld.
Update: 19.02.2013 - 15:17 Uhr 24 Kommentare

Groß-Razzia wegen Anlagebetruges

FrankfurtDie Werber der Unternehmensgruppe S&K haben einen Sinn für das Wahre und Schöne. Bei einem Immobilieninvestment zitieren sie auf ihrer Internetseite Johann Wolfgang von Goethe. Drei Dinge seien laut Dichterfürst an einem Gebäude zu beachten: "Dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei." Zahlreiche Privatanleger hörten solche Verse gerne und investierten bei S&K. Vor allem in Immobilien und andere vermeintlich sicherer Investments.

Ihr Vertrauen könnte ausgenutzt worden sein. Denn laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt führt die Polizei aktuell eine bundesweite Razzia gegen S&K durch, über die die Wirtschaftswoche am Mittag als erste berichtet hatte. Die Begründung liest sich weniger poetisch als bei Goethe: Die Ermittlungen erfolgen "wegen Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betruges mit Kapitalanlage, der Untreue und weiterer Straftaten". Es habe sich ein "dringender Tatverdacht" ergeben, da durch die Hauptverantwortlichen "in gemeinsam abgestimmter Vorgehensweise ein über Jahre planmäßiges und groß angelegtes Betrugssystem installiert wurde"


Die Frankfurter Firmengruppe S&K wird verdächtigt, gemeinsam mit einem Hamburger Unternehmen ein umfassendes Schneeballsystem installiert und so einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht zu haben. Den Kunden versprachen die mutmaßlichen Betrüger sichere Anlagen auch nach der Bankenkrise im Jahr 2008. Laut einer Frankfurter Justizsprecherin sind bei den Durchsuchungen am Dienstag sechs Verdächtige im Alter zwischen 33 und 70 Jahren verhaftet worden. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten sind auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

Die Verantwortlichen sollen Tausende Anleger mit einem Schneeballsystem betrogen haben, indem sie nach der Finanzkrise 2008 sichere Anlageformen versprachen. Der Schaden übersteige die 100 Millionen Euro. Den Anlegern seien über Jahre meist gemischte Fonds angeboten worden, in denen meistens Immobilien enthalten waren.

Erste Zweifel bereits in den vergangenen Wochen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

24 Kommentare zu "Bundesweite Razzia: Immobilienanleger fürchten um ihr Geld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jeden Tag gibt es hierzulande mehr und mehr Betrüger und zwar in allen Sparten!
    Da unsere inkompetente Justiz absolut machtlos ist, bzw. ihnen die Sache schon über den Kopf wächst, ist Deutschland wirklich ein Eldorado für diese Typen!

  • In Bilanzen – vorausgesetzt diese werden nach bestem Wissen und Gewissen geführt – (wovon jedoch in 100 % aller Betrugsdelikte nicht auszugehen ist) steht noch längst nicht alles drin, was Anleger über Unternehmen wissen sollten.

    Falls Anleger keine Bücher lesen können:
    Anleger sollten sich vor allem ein paar Filme ansehen, wenn schon kein Interesse daran besteht, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, wie es ihr Geld verdient hätte:

    Leichte Kost auf den Punkt gebracht:
    2012 – Arbitrage (mit Bilanzfälschung zum Erfolg)
    2011 – Margin Call (der große Crash, rette sich wer kann)
    2010 – Gier (Hochstapler gibt es überall)
    2000 – Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum (Abzocke)
    1987 – Wall Street (Geld ist Gott)

    Selbstverständlich reichen auch schon kleine Einblicke in die (immer noch aktuellen) Machenschaften von M. Göker & Co. in der Versicherungsbranche und das selbstgefällige Auftreten der selbsternannten und sogenannten „Finanzoptimierer“, die stets nur ein Ziel vor Augen haben: Ihre eigenen Finanzen zu optimieren – egal wie.

    Grundsätzlich bleibt zu sagen, dass ohne die Blauäugigkeit und Leichtgläubigkeit aller Kunden kein Geschäft zu machen wäre und deshalb tragen die Anleger ebenso eine Verantwortung für ihre Verluste, wie ihre Vertragspartner. Wer sein Geld Fremden anvertraut (egal in welcher Branche) und den Informationen Glauben schenkt, die allein beim Geschwätz, in Hochglanzprospekten, auf Events oder in Werbefilmchen zum Ausdruck gebracht werden, ist leichte Beute.

    Ergo:
    Wer als Anleger einen halbwegs vernünftigen Verstand besitzt und sich Zeit nimmt, Unternehmen auf den Zahn zu fühlen, der kann über die jüngsten Machenschaften bestenfalls schmunzeln, aber verliert nicht sein Geld. Ich fühle mich bei solchen Berichterstattungen gut unterhalten und finde es immer wieder erstaunlich, wie Anleger um ihre Ersparnisse gebracht werden können.

    Zum Abschluss ein Superlativ:
    Dumm, dümmer, Anleger.

  • Das ist doch alles kalter Kaffee - nicht mal das Handelsblatt erwähnt, dass die Quelle nicht mm oder wirtschaftswoche ist, sondern gomopa.net

    Die haben auch nicht erst vor ein "paar Wochen" berichtet sondern schon seit fast einem Jahr... eben Verdummung der eigenen Leser!

  • Bitte beachten: www.verbraucherschutz.de hat nichts mit den Verbraucherzentralen zu tun!

  • diese von oben herab Kommentare sind widerlich.
    nicht jeder ist so schlau wie Sie zu sein vorgeben.
    Wenn man hinter allem nur noch Betrug vermuten muss lähmt das jede Entscheidung und zerstört auch jedes Vertrauen.

  • @argubi

    Selbstverständlich hätten sich die Anleger über das Anlageprodukt informieren können.

    Der „Trick“ mit dem Verkauf von Unternehmens-(Teilen) und Forderungen ist doch schon immer bekannt. Wer das nicht will, muss es ausschließen oder ein Sonderkündigungsrecht vereinbaren. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich.

    Wer in geschlossene Fonds – für die kein geregelter Zweitmarkt existiert - investiert, wer Anteile an Gesellschaften erwirbt und die gesamte Verfügungsmacht – ohne die Möglichkeit auszusteigen und einzugreifen - für viele Jahre in die Hände Dritter (und diese „Dritte“ beliebig wechseln können) legt, geht ein extrem hohes Risiko ein.

    Im Übrigen – wer zB 250.000 Euro – in eine solche – erkenntlich hochriskante – Anlage gibt, der sollte schon im Vorfeld vielleicht die 1.500,-- Euro für eine Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer ausgeben. Für den Vertrieb zahlt er ja auch riesige Summen.

    Verständnis habe ich dafür leider nicht.

    Immerhin trifft es ja keine Armen.

  • 'Gast' sagt
    ----------------
    Haben dort wieder einige Leute nur das Wort Rendite gelesen und sofort den Verstand abgeschaltet? Soll man mit Soetwas Mitleid haben?
    ----------------

    Doch, das sollte man.

    Schließlich handelt es sich nun einmal bei der Mehrheit unserer Zeitgenossen um Wirtschaftslaien, und das wird wohl auch auf absehbare Zeit so bleiben.

    Um diese vor Ausnutzung ihrer Arglosigkeit zu schützen wurde der Straftatbestand des Betrugs im 19. Jahrhundert in das deutsche Strafgesetzbuch aufgenommen.

    Und es ist zu begrüßen, daß hier einmal eine Staatsanwaltschaft ihrer Amtspflicht gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betrug zu verfolgen nachkommt.

    Leider ist das viel zu selten der Fall.

    Unverholen werden auf gewissen Online-Portalen wertlose Penny-stocks in Anzeigen und sogenannten Börsenbriefen/Newslettern gepusht.

    Auf Hinweise haben die Behörden bis jetzt nicht reagiert.

  • 'r-tiroch@t-online.de'
    -------------------------
    bei all´ den Firmen die tricksen und Betrügen sitzen dutzende Politiker im Aufsichtsrat die nix gemerkt haben?
    -------------------------

    Welche Firmen, welche Politiker?

    Derartige pauschale Behauptungen sollte man belegen können.

    Ansonsten setzt man sich dem Verdacht aus selber zu tricksen und zu betrügen.

  • @ chris..Sie haben vollkommen recht. ein blick in den Generalanzeiger hätte genügt

    ich bin aus der unmittelbaren Nachbarschaft und beobachte das Treiben dieser jungen Emporkömmlingen schon seit Jahren. Dieser Protz war einfach nur noch widerlich.

    Da hätte bei jedem Anleger schon die Alarmglocken schrillen müssen. Auch ein wenig googeln hätte nicht geschadet..ich würde niemals einem 33 jährigen Burschen mein Geld anvertrauen, der sich im Internet stolz in Bodybuilder Manier in einer Superman Badehose präsentiert und meint er hätte noch was richtig großes in der Hose.

    Jetzt bin ich mal gespannt, wie lange die in der JVA Preungesheim, ihre JAILHOUSE ROCK Party feiern dürfen

  • Letzte Bilanz veröffentlicht im Mai 2012

    Deutsche S & K Sachwert AG
    Frankfurt am Main
    Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2011 bis zum 31.12.2011
    BILANZ

    Forderungen gegenüber den Geschäftsführern bestehen in Höhe von EUR 826.254,70. Es handelt sich dabei um kurzfristige Ausleihungen sowie Auslagen, die die Geschäftsführer zu erstatten haben.

    Die Verbindlichkeiten haben in Höhe von EUR 2.620.850,68 eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr und in Höhe von EUR 33.730.000,00 eine Restlaufzeit von mehr als 5 Jahren. In Höhe von EUR 5.750.282,67 wurden Sicherheiten durch Eintragung von Grundpfandrechten auf den Immobilienbestand bestellt.

    Nun Bilanzen sollte man lesen können, es steht einiges drin.

    Gruß

    Chris

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%