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Cevdet CanerEr kassierte bei der Adler-Gruppe als Berater – jetzt wird er Vorstand eines Großaktionärs

Cevdet Caner nahm als Berater Millionen von der Adler-Gruppe und geriet als deren mutmaßlicher Strippenzieher in die Kritik – was er bestreitet. Nun wird er Chef beim Großaktionär Aggregate.Lars-Marten Nagel 04.07.2022 - 15:56 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der umtriebige Immobilien-Berater nutzte seine persönlichen Kontakte zu Finanziers und Immobilienmagnaten um für die Adler-Gruppe Geschäfte zu machen. Nun ist er neuer CEO bei Aggregate Holdings.

Foto: Handelsblatt

Berlin. Cevdet Caner, 48, einer der umstrittensten Berater in der deutschen Immobilienwirtschaft, wird neuer CEO der Aggregate Holdings S.A. (Aggregate) aus Luxemburg. Aggregate ist wiederum mit sechs Prozent am krisengeplagten Immobilienkonzern Adler Group beteiligt. Wie Aggregate am Montag mitteilte, werde Caner zudem mit 20 Prozent bei den Luxemburgern einsteigen.

Aggregate ist eine überwiegend auf Deutschland ausgerichtete Immobilien-Investmentgesellschaft. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über Vermögenswerte in Höhe von 7,9 Milliarden Euro und ein Projektportfolio mit einem Bruttoentwicklungswert von 9,9 Milliarden Euro.

Bisher gehörte Aggregate zu 100 Prozent dem österreichischen Investor Günther Walcher, der nun als Vorsitzender dem Verwaltungsrat vorstehen soll. „Die Entscheidung, Cevdet Caner zum CEO zu ernennen, ist zwar eine Anerkennung seines enormen Beitrags in der Vergangenheit, aber vor allem ein Beweis für unsere Zukunftspläne“, sagte Walcher laut einer Mitteilung. „Da die großen Störungen auf den globalen Märkten anhalten werden, wird es im europäischen Immobiliensektor enorme Chancen geben.“

Cevdet Caner habe den Eigentümer und das Topmanagement von Aggregate in Beschaffungs-, Transaktions- und Finanzierungsfragen beraten und dabei geholfen, eine führende, auf Deutschland ausgerichtete Immobilienentwicklungs- und Investmentgruppe zu werden.

Caner ist wie Walcher Österreicher. Er war zuletzt auch Berater des Immobilienkonzerns der Adler-Gruppe, an der seine Frau Gerda mehr als sieben Prozent hält. Die Caner-Familie wird also bei Adler einflussreicher. Dabei ist Adler nicht zuletzt wegen schwerer Vorwürfe gegen Caner in eine Krise gerutscht und erhielt schließlich Ende April kein Testat für den Jahresabschluss 2021.

Wirtschaftsprüfer enthüllen pikante Details

Im Oktober 2021 warfen der britische Leerverkäufer Fraser Perring und sein Analysehaus Viceroy Research der Adler-Gruppe, Caner und nahestehenden Personen Betrug, Täuschung und finanzielle Falschdarstellung vor. Caner erstattete daraufhin Strafanzeige gegen Perring und nannte dessen Report eine „intellektuelle Beleidigung“.

„Ich bin kein CEO-Typ, sondern ein Dealmacher.“
Cevdet Caner im Gespräch mit dem Handelsblatt 2021

Auch Adler bestritt die Vorwürfe, beauftragte jedoch eine Sonderuntersuchung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG. Diese konnte Adler von vielen Vorwürfen entlasten. Allerdings blieben zu Caners Engagement viele Fragen offen.

Die Vorwürfe, Caner habe als Entscheidungsträger der Adler-Gruppe fungiert und sich oder andere dabei bereichert, wurden nicht ausgeräumt. Anhand der vorgelegten Unterlagen könnten diese Behauptungen „weder verifiziert noch widerlegt“ werden, heißt es auf Seite 31 des KPMG-Reports. Mehr noch: Den Wirtschaftsprüfern fielen Mails in die Hände, die auf pikante Geschäftspraktiken schließen lassen.

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Caner haben den Vorstand in unregelmäßigen Abständen getroffen, gerne auch auf seiner Jacht. Das Topmanagement der Adler-Gruppe nutzte zudem den Privatjet von „Extern 7“ für private und geschäftliche Reisen, hielten die Prüfer fest. „Extern 7“ ist die Chiffre der Wirtschaftsprüfer für Caner.

Dieser habe auch Strategiemeetings mit Organen der Gesellschaft anberaumt und „in Personalentscheidungen, der Vorbereitung von strategischen Entscheidungen sowie Einzelthemen aus Transaktionen“ Einfluss genommen. Sogar bei der Auswahl des Abschlussprüfers für eine Tochterfirma soll Caner mitgemischt haben.

„Kein CEO-Typ“

Caner selbst sah sich durch den KPMG-Bericht entlastet, wie er dem Handelsblatt mitteilte. Allerdings befassen sich zurzeit sowohl die Finanzaufsicht Bafin als auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit Bilanzierungs- und Geschäftsvorgängen bei Adler.

Dass Caner lange Zeit eher von der Seitenlinie agierte, dürfte auch mit einer Mega-Pleite in seiner Vergangenheit zu tun haben. Als Chef und Gründer der Gruppe Level One hatte Caner finanzschwachen Kommunen Plattenbauten abgekauft. Mit der Finanzkrise 2008 fiel die Finanzierung in sich zusammen. Auf dem deutschen Immobilienmarkt dürfte nur die Pleite von Jürgen Schneider größer gewesen sein.

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Er sei bei Adler nicht der Strippenzieher im Hintergrund, für den ihn alle hielten, betonte Caner im Oktober 2021 im Gespräch mit dem Handelsblatt. Damals sagte er auch: „Ich bin kein CEO-Typ, sondern ein Dealmacher. Ich strukturiere gern komplexe Transaktionen. Dabei geht es um Kreativität und Geschwindigkeit. Das macht mir Spaß. Formaltechnisch Geschäfte zu führen ist nicht meine Welt.“ Nun hat er sich offenbar anders entschieden. Am Montag ließ er sich zitieren: „Ich freue mich darauf, die Planung und Umsetzung der nächsten Phase der Strategie von Aggregate zu leiten.“ (Mitarbeit: Jakob Blume)

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