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CFO des Monats Was die pragmatische Rechnerin Helene von Roeder an der Wohnungsbranche fasziniert

Seit zwei Jahren ist die Astrophysikerin und Ex-Bankerin Finanzchefin von Vonovia. Für sie ist es ein Traumjob mit viel Wachstumspotenzial.
06.07.2020 - 04:03 Uhr Kommentieren
Die Finanzchefin von Vonovia begann ihre Karriere bei der Deutschen Bank und war später bei der Credit Suisse tätig. Quelle: catrin moritz
Helene von Roeder

Die Finanzchefin von Vonovia begann ihre Karriere bei der Deutschen Bank und war später bei der Credit Suisse tätig.

(Foto: catrin moritz)

Erfurt Wenn das alles mit Corona einmal vorbei ist, dann, glaubt Helene von Roeder, könnte Vonovia gestärkt aus der Krise hervorgehen. Gestärkt bei den Investoren, gestärkt bei den Analysten und nicht zuletzt: bei den Mietern. „Wir konnten unseren Mietern zeigen, dass wir da sind, egal ob über Facebook, per App oder im Callcenter“, sagt von Roeder.

Vor zwei Jahren stieß die gelernte Bankerin zu Deutschlands größtem Wohnungskonzern. Und sie lernte schnell, worauf es in der Branche ankommt: Die Balance halten und für einen Interessenausgleich sorgen zwischen Mietern und Politik auf der einen Seite und den Renditeansprüchen der Investoren auf der anderen Seite. 

Den Investoren hat von Roeder auf dem vorläufigen Höhepunkt der Coronakrise, Ende März, bewiesen, dass sie es kann: Sie sammelte eine Milliarde Euro über Anleihen am Kapitalmarkt ein. Der Konzern muss dafür 1,9 Prozent Zinsen zahlen.

Das ist mehr als er durchschnittlich für Fremdkapital aufbringen muss. „Mir war wichtig zu demonstrieren, dass wir selbst in den schlimmsten Zeiten exzellenten Zugang zum Kapitalmarkt haben“, sagt die 50-Jährige.

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    Die beiden Anleihen waren dreifach überzeichnet. Die durchschnittlichen Finanzierungskosten sanken in von Roeders Amtszeit von 1,8 auf 1,5 Prozent. Erst am Donnerstag sammelte Vonovia 1,5 Milliarden Euro über Anleihen ein – zu einer Durchschnittsverzinsung von 0,8 Prozent. Die Fälligkeitsdaten und Finanzierungsmittel seien breit aufgestellt, lobt ein Investor. Pro Jahr werden nur etwa zehn Prozent der Schulden fällig, im Schnitt laufen die Anleihen 10,5 Jahre. 

    Kalter Start

    Viel Eingewöhnungszeit blieb von Roeder nicht, als sie zu Vonovia kam. Zuvor hatte sie das Geschäft der Credit Suisse in Deutschland geleitet. Beim Wohnungsriesen sollte sie ursprünglich Chefcontrollerin werden. Das war Anfang 2018. Kurz darauf entschied sich der damalige Finanzchef Stefan Kirsten aber überraschend, den Konzern zu verlassen. Noch bevor sie in Bochum überhaupt ankam, wurde von Roeder also zur Finanzchefin von Vonovia befördert.

    Dann kam gleich die nächste Herausforderung: Der Wohnungskonzern kaufte mit der schwedischen Victoria Park erstmals ein Unternehmen im nicht deutschsprachigen Ausland, zudem in einem Fremdwährungsraum. „Das war damals gleich spannend“, erinnert sich von Roeder.

    Anfang des Jahres zeichnete das „Manager Magazin“ von Roeder als „Investors Darling“ aus – ein Titel, der recht treffend wirkt, wenn man sich am Markt umhört. „Man merkt, dass sie vom Kapitalmarkt kommt“, sagt Elias Halbig, Fondsmanager von Union Investment, einem der größeren Anteilseigner des Wohnungsvermieters. Beispiele: Die Kosten des Mietendeckels habe Vonovia den Aktionären frühzeitig vorgerechnet. Und der Corona-Lockdown war nur wenige Tage alt, da bezifferte Vonovia schon die Kosten.

    Ein gut bestelltes Haus

    Ein anderer Investor sagt, von Roeder habe noch keine richtig großen Bewährungsproben meistern müssen. Sie sei in ein Haus gekommen, das ihr Vorgänger „sehr gut bestellt“ hinterlassen habe. Die größte Übernahme in ihrer Amtszeit war der Hembla-Kauf mit 21.000 Wohnungen in Schweden – der zweite große Deal in dem Land. Unter ihrem Vorgänger Kirsten wurde die Gagfah mit 114.000 Wohnungen übernommen.

    Zur ultimativen Bewährungsprobe könnten allerdings Investitionen in Frankreich werden, wenn der von kommunalen Unternehmen dominierte Markt für private Investoren aus dem Ausland, wie eben Vonovia, geöffnet wird. „Dann reden wir über signifikante Transaktionen, die eine komplizierte Finanzierung erfordern“, sagt ein Investor.

    Unterdessen experimentiert von Roeder mit neuen Finanzierungswegen. Im vergangenen Jahr hat Vonovia eine Anleihe über 50 Millionen Euro jenseits von Banken über das Portal Firstwire begeben. Ein Testballon. „Allein weil wir keine Bankengebühren zahlen, lassen sich hier Kostenvorteile einfahren“, sagt von Roeder. 

    Von Roeder geht es um Effizienzsteigerung, die sie beruflich wie auch privat umtreibt. Obwohl sie bereits seit zwei Jahren für Vonovia arbeitet, lebt die dreifache Mutter mit ihrer Familie noch in Frankfurt. Aktuell pendelt sie an zwei Tagen in der Woche nach Bochum. Wenn sie von dort jedoch zum Flughafen nach Düsseldorf möchte, müsse sie dafür sicherheitshalber zwei Stunden einplanen. In Frankfurt sind es nur zwanzig Minuten.

    Auf ein großzügiges Haus im Taunus verzichtet sie zugunsten des Frankfurter Westends – auch so eine Effizienzüberlegung. „Reisezeit ist so ziemlich das Teuerste, was man haben kann. Und ich versuche, so wenig Zeit wie möglich mit sinnlosen Dingen zu verbringen“, sagt von Roeder. Wo andere Vorstände sich gern mit starken Autos schmücken, bleibt sie rational: „Autofahren ist Lebenszeitverschwendung.“

    Was Doppelsterne und Derivate gemein haben

    Nach ihrem Studium der Astrophysik begann sie ihre Karriere im Risikomanagement für Derivate der Deutschen Bank. Monte-Carlo-Modelle, gehobene Stochastik und Statistik, damit beschäftigte sich von Roeder schon in ihrer Abschlussarbeit zur Entwicklung von Doppelsternen, übertrug ihr Wissen dann von extraterrestrischen in Finanz-Galaxien. „Sie verstand immer schon Dinge und Berechnungen, bei denen der Durchschnittsbanker längst ausgestiegen ist“, erinnert sich ein langjähriger Wegbegleiter. Nach Stationen bei der UBS, Merrill Lynch und Morgan Stanley leitete sie ab 2014 das Geschäft der Credit Suisse in Deutschland, Zentral- und Osteuropa.

    Bei der Credit Suisse musste sie digitalisieren und aufräumen. Das hieß auch: Stellen sparen. Psychisch sei das weniger schwierig gewesen, als es klingt, sagt von Roeder. Die Arbeitsmärkte waren stark. Das lindert den Druck. Von Roeder aber fehlte die Perspektive: Nach drei Jahren Repositionierung und Skalierung sei klar gewesen, dass auch der künftige Pfad ähnlich aussieht. Sie suchte mehr Gestaltungsspielraum, eine Industrie, die noch wächst und nicht nachhaltig negativ von der Digitalisierung betroffen ist. Vonovia habe weit oben auf der Liste gestanden. „Dann kam der Anruf des Headhunters, und ich dachte nur – Ka-chong, Jackpot“, erinnert sich von Roeder.

    Der Mann am anderen Ende der Leitung war Heiner Thorborg, einer der renommiertesten seines Fachs in ganz Deutschland. Thorborg beschreibt von Roeder als eine Frau, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, eine Frau mit Durchsetzungsvermögen – wie sie in den Männerwelten der Banken und nun der Immobilienbranche bewies.

    Von Roeder setzt damit ein Familienvermächtnis fort. Ihr Großvater Gisbert Kley war Vorstand bei Siemens. Ihr Vater war viele Jahre lang im Vorstand von BASF, sein Bruder wirkte im Vorstand der Lufthansa, später als CEO von Merck. „Wenn Sie als Kind in so einem Umfeld aufwachsen, durchlaufen Sie ein hartes Training. Danach wirft Sie nichts mehr um“, sagt Thorborg.

    Auf ihrem Weg nach oben half ihr eine Mischung aus Gelassenheit, Selbstbewusstsein und Chuzpe: Auf die Frage, ob sie großen Druck empfunden habe, von dem im Markt sehr geschätzten Kirsten zu übernehmen, antwortet sie knapp: „Nö.“

    Von Roeder ist zwar kein Fan einer Frauenquote, aber doch genervt, dass Deutschland in der Frauenförderung noch nicht weiter ist. „Wenn wir an einen Dax-Vorstand denken, haben die meisten doch immer noch ein Bild von einem Typen mit weißem Hemd im Kopf. Das müssen wir angehen“, sagt sie. „Wieso kann in dem Bild nicht auch eine Frau mit rosa Jackett sein?“

    Mit dieser Kritik ist von Roeder nicht allein. „Ich halte es für absolut unzureichend, dass es immer noch börsennotierte Unternehmen gibt, in denen nicht eine einzige Frau im Vorstand sitzt. Das ist ein Zustand, den kann man nicht vernünftig finden“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst.

    Und warum nicht auch einmal eine Dax-Chefin? Headhunter Thorborg traut ihr diese Rolle bei Vonovia zu, auch die Investoren. Nur eine will davon nichts wissen: Helene von Roeder. Sie verstehe nicht, warum die Medien diese Frage so umtreibt. Vorstandschef Rolf Buch mache einen super Job, es gebe keinen Grund, auf sein Vertragsende zu schielen.

    Mehr: Vonovia-Chef Rolf Buch spricht im Handelsblatt-Interview über seine nächsten Expansionsziele.

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